«Alles,  was Odem hat ...»

«Alles, was Odem hat ...»

18.08.2017

Warum nicht einmal ein gemeinsames Projekt mit einem Chor aus der lebendigen Schweizer Laien-chorszene wagen? Verbands-bibliothekar Daniel Allenbach stellt spannende Stücke aus der vielfältigen Literatur für Chor und Orchester in der EOV-Bibliothek vor.

Daniel Allenbach — Das Konzertprogramm Ihres Orchesters ist jahrein, jahraus geprägt von der immer gleichen Abfolge Ouvertüre – Solokonzert – Symphonie? Schön und gut, aber weshalb nicht einmal etwas Abwechslung in den Konzertsaal bringen?

Nicht erst seit der Schenkung des kürzlich verstorbenen Neuenburger Dirigenten Theo Loosli verfügt die EOV-Notenbibliothek über ein vielseitiges Angebot an Werken für Chor und Orchester. Gelegent- lich hört man zwar das Vorurteil, Chormusik sei langweilig zu begleiten – doch gibt es mehr als genug Werke, auf die diese Pauschalisierung keinesfalls zutrifft. Und gleich- sam als positiver Nebeneffekt kann eine Zusammenarbeit mit anderen Ensembles einem Orchester auch neue Publikumskreise erschlies- sen. Eine Auswahl an mehr oder weniger bekannten, aber sehr lohnenswerten Werken sei hier deshalb vorgestellt.

 

Vokales Feuerwerk in Sinfonie

Wo von Gesang und Orchester die Rede ist, darf Felix Mendelssohn eigentlich nicht fehlen – insbesondere zahlreiche geistliche Werke sind dankbar sowohl für das Orchester als auch für den Chor. In der zweiten Sinfonie Lobgesang (ca. 70’, Sr-2222-4230-1, SST, Chor) etwa sind drei wunderbare Sinfoniesätze durch ein vokales Feuerwerk ergänzt – nicht ganz einfach, aber doch auch für ein gutes Laienorchester machbar. Wenig bekannt ist derweil seine faszinierende Vertonung von Goethes Ballade von der Ersten Walpurgisnacht (ca. 40’, Sr-3222-2230-11, ATBB, Chor). Da versammeln sich die Hexen zum Tanz, eine Szenerie aus der Mendelssohn viel Dramatik, aber auch hymnische Momente zieht.

Mit dem harten Kontrast zwischen den «seligen Genien» – einer friedvollen Götterwelt – und der vom Schicksal gebeutelten Menschheit, «wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen» begeistert Johan-nes Brahms’ Schicksalslied (ca. 12’, Sr-2222-2230-1, Chor). In die elysische Stimmung bricht die Wucht der Verzweiflung. Sprunghafte Melodik, widertaktige Rhythmen und dissonante Harmonien zerstören die Ruhe des Anfangs, der «glänzende Götterlüfte» und «ewige Klarheit» widerspiegelt.

Barock und zeitgenössisch

Entgegen der Gedicht-Vorlage von Friedrich Hölderlin findet Brahms’ Komposition allerdings mit der Rückkehr zur Motivik des Beginns ein versöhnliches Ende – eine Utopie oder gar ein optimistischer Widerspruch zur düsteren Perspektive des Dichters?

Gänzlich von Freude durchströmt ist demgegenüber die barocke Weihnachtskantate Kündlich gross ist das gottselige Geheimnis von Johann Friedrich Agricola (20’, Sr-2201-2200-1, SATB, Chor). Der Bach-Zeitgenosse und Verfasser einer Anleitung zur Singkunst nutzt die Mittel seiner Zeit zu einem mitreissenden Lob der Geburt Christi. Damit ist er bei weitem nicht der Einzige, es gäbe noch viele – auch neuere – lohnenswerte Chorwerke aufzuzählen. Von letzteren sind manche allerdings einzig als Mietmaterial verfügbar. Jedenfalls aber gibt die EOV-Bibliothek bei Fragen zu weiteren Werken gerne Auskunft, auch Anschaffungsvorschläge sind jederzeit willkommen.

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