Visp: Jugendorchesterfestival zum 100-Jahr- Jubiläum

Visp: Jugendorchesterfestival zum 100-Jahr- Jubiläum

25.10.2017

Der Orchesterverein Visp nimmt Nachwuchsförderung ernst: Zum 100-Jahr-Jubiläum schenken sich die Walliser ein Jugendorchesterfestival. Gleich fünf junge Ensembles treten am 18. November im Theater-saal La Poste in Visp auf.

Johannes Diederen und Miriam Schild — Ein Orchesterjubiläum kann auf verschiedene Arten begangen werden. Beliebt sind grosse Festkonzerte mit feierlichen Ansprachen, Galadinners mit den Ehrenmitgliedern und langjährigen Orchesterfunktionären oder das Aufarbeiten der Vereinsgeschichte in einer Festschrift. Der Orchesterverein Visp hingegen hat sich entschieden, anlässlich seines 100-Jahr-Jubiläums nicht zurückzublicken, sondern nach vorne. «Wir schenken uns ganz bewusst ein kleines Jugendorchesterfestival zum 100. Geburtstag», so Orchesterpräsidentin Marie-Luise Williner. «Denn wir sind überzeugt, dass wir in weiteren 100 Jahren nur dann wieder erfolgreich werden feiern können, wenn wir jetzt in den musikalischen Nachwuchs investieren.»

Der Orchesterverein Visp hat deshalb fünf Jugendorchester aus dem Unter- und Oberwallis sowie aus dem nördlichen Italien zu einem musikalischen Stelldichein nach Visp eingeladen. Am 18. November ab 14 Uhr werden die fünf Nachwuchsformationen im Theatersaal La Poste in Visp auftreten. Im Vordergrund dieses nachmittäglichen Treffens steht der musikalische Austausch zwischen Jugendlichen und Orchesteramateuren aus der weiteren Region. Auch die Familien aller Orchestermitglieder und das ganze Dorf sind zum Orchesterfestival eingeladen. Der Eintritt ist frei. «Wir wollen allen ermöglichen, Orchestermusik zu erleben», erklärt Williner. Insbesondere sollen die Kinder dazu ermuntert werden, ein Streichinstrument zu erlernen. Wegen des oft weiten Reisewegs zur nächsten Musikschule würden sich viele Walliser Kinder nämlich für ein Blasinstrument und die Mitgliedschaft in einem ortsansässigen Blasmusikverein entscheiden.

Jungmusikanten aus drei Sprachregionen

Am Orchesterfestival auftreten werden das Jugendorchester und die Ministrings der Allgemeinen Musik-schule Oberwallis (amo) unter der Leitung von Paul Locher sowie das Petit Orchestre du Conservatoire cantonal unter Jörg Lingenberg. Dazu kommen zwei grössere Jugendorchester: Das Orchestre du Collège et des Jeunesses Musicales de St-Maurice (Leitung: Ernst Schelle) und die Giovani Musicisti Ossolani (Leitung: Alberto Lanza), die für das Orchesterfestival eigens aus Domodossola anreisen.

Um 20 Uhr am gleichen Tag tritt dann im Galakonzert der jubilierende Orchesterverein selbst auf. Verstärkt durch die Orchestermusikerinnen und -musiker der Konzertgesellschaft Oberwallis kommt ein grosses sinfonisches Programm, dirigiert von Musikdirektor Johannes Diederen, zur Aufführung.

Gegründet wurde der Orchesterverein Visp 1917 von Ingenieuren und Facharbeitern der seit 1907 in Visp ansässigen Chemiewerke Lonza. In seiner 100-jährigen Geschichte ist er von sieben Gründungsmitgliedern auf heute 30 Aktiv- und unglaubliche 700 Passivmitglieder angewachsen.

Musikalisches Geburtstagsgeschenk

Das Galakonzert wird mit der Uraufführung von Eugen Meiers Kleiner Festmusik eröffnet. Meier leitete das Orchester als Visper Musikdirektor bis 1999 während mehr als drei Dekaden und schrieb dem Orchesterverein das Stück zum runden Jubiläum auf den Leib. Im Stil einer Ouvertüre kommen mehrere Themen zum Einsatz, die mal kammermusikalisch kleinere Besetzungen, mal das volle Orchester vereinen.

Anschliessend geht das vereinigte Orchester auf eine Reise von Europa nach Amerika. «Symbolischer Hintergedanke war dabei, den Weg der Globalisierung nachzuzeichnen, der sich in den letzten 100 Jahren gewaltig beschleunigt hat», erklärt Diederen. So steht mit Georges Enescus Rumänischer Rhapsodie Nr. 2 ein Werk des alten Europa auf dem Programm. Das einsätzige Stück zitiert osteuropäische Volksweisen und Zigeunermusik. Mit Antonin Dvořák Amerikanischer Suite steht das Werk eines ebenfalls osteuropäischen Komponisten auf dem Programm, der schon früh den Sprung über den grossen Teich gewagt und einige Werke unter dem Einfluss der Neuen Welt geschrieben hat. Die sogenannte Amerikanische Suite verbindet beide Welten auf gekonnte Art.

100-jährige Werke zum 100-jährigen Bestehen

Im zweiten Teil geht die Reise zu- rück ins Gründungsjahr des Orchestervereins Visp. «Auf der Suche nach Kompositionen, die ebenfalls 100 Jahre alt werden, stiessen wir auf Béla Bartók Ballettmusik Der holzgeschnitzte Prinz», sagt Dirigent Diederen.

Das jubilierende Orchester spielt Ausschnitte aus dem Werk, das ganz im Stil von Bartók neutönen- de Elemente mit traditionellen Mo-tiven und Harmonien verbindet. Dazu kommt Erik Saties ebenfalls 1917 komponierte Ballettmusik, die mit dem Bühnenbild von keinem Geringeren als Pablo Picasso uraufgeführt wurde.

Der Abschluss des Galakonzerts erfolgt ganz in der Visper Operetten-Tradition. Emmerich Kalmans 1917 komponierte Ouvertüre zur Faschingsfee mit ihren sehnsüchtigen Melodien und schwungvollen Rhythmen sind auf jeden Fall auch heute noch ein Ohrenschmaus.

> www.orchesterverein-visp.ch

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