Siegfried Aulbach ist mit der Verbandsszene gut vertraut 

Vernetzung ist das A und O

Niklaus Rüegg, 31.05.2017

Der Geschäftsführer von j+m hat sich erst in der Blasmusik einen Namen gemacht. Heute ist er einer der bestvernetzten Verbandsfunktionäre in der musikalischen Bildungslandschaft.

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Seit 2011 ist Siegfried Aulbach Geschäftsführer bei j+m

Siegfried Aulbach ist mit der Verbandsszene gut vertraut

Niklaus Rüegg – Siegfried Aulbach aus Unterseen hat das Musizieren in den Blasmusikvereinen gelernt und mit Leib und Seele ausgeübt. Er besuchte den Jungbläserkurs Trompete und wurde Mitglied des Orchesters der Musikgesellschaft Oberried. Als Fünfzehnjähriger nahm er am Dirigentenkurs des Bernischen Kantonalmusikverbands teil und wurde daraufhin in seinem Orchester als Vizedirigent eingesetzt. Später übernahm er die Leitung der Musikgesellschaften Beatenberg, Worb und Spiez. Die Rekrutenschule absolvierte er bei der Militärmusik mit dem Saxophon. Nach der Unteroffiziersschule liess er sich bei der Militärmusik zum Spielführer ausbilden und übernahm das Militärspiel des Infanterieregiments 15.
Der Schritt zum Profimusiker folgte ab 1985 mit dem Trompetenstudium am Konservatorium Bern. Seit 1987 ist er Trompetenlehrer an der Musikschule Worblental/Kiesental. An dieser Schule ist er heute auch als stellvertretender Schulleiter tätig. Lange Jahre wirkte Aulbach als Redaktor der Verbandszeitschrift «unisono». Im Jahr 2001 begann seine Verbandskarriere als Sekretär und später Geschäftsführer des Schweizer Jugendmusikverbands. Im selben Jahr wurde er auch in den Vorstand unseres Verbands jugend+musik gewählt; seit 2011 ist er zudem unser Geschäftsführer. Beim Schweizer Blasmusikverband hat er Einsitz in der Verbandsleitung und dem Nationalen Jugendblasorchester steht er als Präsident vor. Als Stiftungsrat des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs wacht er seit 2009 über die Qualität der Spitzenförderung.

Herr Aulbach, Man hört viel von schwindendem Interesse bei den Musikvereinen. Wie beurteilen Sie die Situation bei den Laien-Musikverbänden?
Im Schweizer Jugendmusikverband verzeichnen wir seit einiger Zeit einen jährlichen Rückgang von ca. 3.5%. Der Rückgang ist in städtischen Gebieten grösser als auf dem Land. Ich denke das liegt daran, dass dort das Konkurrenzangebot grösser ist. Ausserdem glaube ich, dass es auch demografische Gründe gibt. Die Geburtenzahlen waren lange rückläufig und der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund ist wesentlich grösser als noch vor 15 Jahren. Diese Kinder abzuholen und für die (Blas-) Musik zu begeistern, haben wir noch nicht wirklich geschafft.

Haben Sie als Kind eine Musikschule besucht, oder haben Sie das Rüstzeug für ihr späteres Musikstudium allein in Ihrem Musikverein erworben?
1969 als ich begann Trompete zu spielen, gab es noch kaum Musikschulen und im Berner Oberland erst recht nicht. Meinen ersten Musikunterricht bei einem Profi genoss ich als 22- jähriger, mit der Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung am Konservatorium.

Welche Rolle hat in Ihrer Entwicklung die Militärmusik gespielt?
Ich muss gestehen, dass ich damals die Aufnahme nur knapp geschafft hatte. Dass ich es geschafft habe, hat mich aber sicher so beeinflusst, dass ich nicht aufgegeben habe. Später gab es einige Dinge, die ich an der Militärmusik (da hatten wir noch mehr Sanitätsausbildung als Musik) nicht so toll fand. Ich sagte mir, wenn dir etwas nicht passt, musst du alles daran setzen, es zu ändern. Daraus entstand der Entschluss, mich als Spielführer zur Verfügung zu stellen. Ein Orchester zu dirigieren, in dem es auch Profis hat, ohne selber über einen entsprechenden Abschluss zu verfügen, kam für mich aber nicht in Frage. Also entschied ich mich, nun endlich in die Wege zu leiten ,was ich eigentlich schon mit 16 wollte – Musik studieren.

Was bedeutet Ihnen die Arbeit als Musiklehrer?
Ich habe mich nie als Solist gesehen und ich habe mich nie gerne in Szene gesetzt. Was aber immer eine grosse Faszination auf mich ausübte, war das Unterrichten. Menschen «lesen» und sie mit feinen Impulsen vorwärts zu bringen – das ist meine Passion. Sei es im Einzelunterricht an der Musikschule oder sei es als Dirigent. Ich habe diverse Blasmusikvereine geleitet. Die grösste Motivation verspürte ich jedoch beim Jugendblasorchester, welches ich während 27 Jahren führte. Mit 22 Jahren mussten die Mitglieder altershalber austreten. Da gab es immer wieder einen kleinen Einbruch und wenig später konnte man feststellen, dass neue Leute die Lücken füllten und riesige Fortschritte gemacht haben.

Was gab den Ausschlag, dass Sie sich als Redaktor und Verbandsfunktionär zu engagieren begannen?
Die Pensen an der Musikschule waren permanent rückläufig und wir waren drei Trompetenlehrer. Da gab ich mein Pensum frei und konzentrierte mich auf die Verbandsarbeit. Dies brachte mir auch mehr Flexibilität für die Verbände.

Welche Motivation steht hinter Ihrem vielfältigen Wirken in den diversen Gremien?
Durch die Konzentration auf die Verbandsarbeit und den Einsitz in verschiedenen Gremien entstehen wertvolle Synergien. Man kennt sich und man hat den direkten Weg zu den wichtigen Ansprechpartnern. Zwischen dem Schweizer Blasmusikverband und Schweizer Jugendmusikverband gab es zum Beispiel immer wieder unglückliche Missverständnisse, welche zu Spannungen führten. Seit ich auch in der Verbandsleitung SBV bin, pflegen wir eine ausgezeichnete Zusammenarbeit. Es ergibt sich eine Win-Win-Situation, was sicherlich auch bei anderen Organisationen der Fall ist.