Wechsel im j+m-Vorstand 

Klein aber wertvoll: «Akkordeon Schweiz»

Niklaus Rüegg, 29.06.2017

Das einzigartige Netzwerk für die Musikalische Bildung unter dem Dach von j+m hat einen Neuzugang zu verzeichnen.

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Yvonne Flur-Troxler

Niklaus Rüegg – Der Mai 2017 war ein strenger Monat für Yvonne Glur-Troxler, neues j+m-Vorstandsmitglied für den Schweizerischen Akkordeonverband «Akkordeon Schweiz». Am 13. des Monats dirigierte die 37-jährige Zofingerin das Jugendorchester des Akkordeon-Vereins Brittnau im Rahmen der Show «Le kiosque à musiques» des Westschweizer Radios RTS. Das Konzert wurde in der Mehrzweckhalle Brittnau live aufgezeichnet. Am 21. Mai folgte der Schweizer Akkordeon Wettbewerb, bei welchem sie das Organisationskomitee präsidierte.
Die vielseitig interessierte Akkordeonistin engagiert sich auf verschiedenen Gebieten rund um ihr geliebtes Instrument. Nach einer soliden Ausbildung zur Akkordeonlehrerin besuchte Yvonne Glur verschiedene Pädagogik- und Meisterkurse bevor sie 2014 den Master of Arts in Musikpädagogik und klassischem Akkordeon an der Musikhochschule erlangte. Ein Dirigierkurs ergänzte ihre musikalische Ausbildung.
Als Pädagogin arbeitet Glur gegenwärtig an den Musikschulen Zofingen und Sempach und wirkt als Dozentin für Akkordeon an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Seit 2015 dirigiert sie die Nachwuchsformationen Akkordeon Brittnau «Kids & Teens».
Auch Verbandsfunktionen übernimmt die Yvonne Glur gerne, wie zum Beispiel als «Frau Obmann» der Musikkommission Akkordeon Schweiz, Region Nordwestschweiz. Darüber hinaus ist die mehrfach preisgekrönte Künstlerin auch als Instrumentalistin solo oder im Duo zu hören (www.akkordeonpunkt.ch). Seit vergangenem Frühling vertritt sie ihren Verband im j+m-Netzwerk als Nachfolgerin von André Schreyer.

Frau Glur, das Akkordeon ist viel mehr als Schneewalzer und Ländler. Was ist das Faszinierende an diesem Instrument?
Es fasziniert mich, wie nah ich am Ton bin. Ich kann mit dem Instrument verschmelzen, es ist als singe und atme ich selber mit und durch das Instrument.
Das Akkordeon kann wunderbar begleiten, mischt sich gut in Kammermusikbesetzungen mit den verschiedensten Instrumenten und als Soloinstrument habe ich einen kompletten Klangapparat dabei.

Sie sind in verschiedenen Stilen zuhause. Wo ist Ihre musikalische Heimat?
Das ist eine komplizierte Frage. Heimat ist dort wo man sich zu Hause fühlt. Ich bin Reisende mit meinem Instrument. In bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und habe die traditionellen Stücke als Kind geliebt. Mit jeder neuen musikalischen Entdeckung aber habe ich auch wieder eine neue musikalische Heimat gefunden.
Ich bin fasziniert, wenn ich spüre, dass sich das Hören verändert, erweitert und entwickelt. Zuerst ist es die Faszination am Neuen, die mich antreibt und dann das Gefühl etwas verstanden, etwas Neues gelernt zu haben.

Was motiviert Sie dazu, sich an verschiedenen Fronten, sowohl als Pädagogin und Dirigentin als auch in Verbandsgremien für die musizierende Jugend einzusetzen?
Es ist doch interessant, dass auch Sie Herr Rüegg bei der ersten Frage den «Schneewalzer» als Anknüpfungspunkt verwenden und nicht zum Beispiel die Haydn Klavierkonzerte von Viviane Chassot, welche die Schweizer Akkordeonistin dieses Jahr zusammen mit dem Kammerorchester Basel eingespielt hat.
Auf vielen Ebenen hat nach der ersten erfolgreichen Entwicklung ein Stillstand stattgefunden. Vieles dreht sich in der Entwicklung im Kreis, vor allem auch die öffentliche Wahrnehmung.
Ich möchte gerne mithelfen das Akkordeon wieder neu in Bewegung zu bringen und ich engagiere mich, wo ich es als nötig und zielführend erachte.

Sie haben für «Akkordeon Schweiz» bei j+m Einsitz genommen. Welche Bedeutung messen Sie Ihrem Verband, insbesondere in der Nachwuchsförderung bei?
Akkordeon Schweiz hat eine wichtige Aufgabe in der Nachwuchsförderung.
Wissenschaftliche Studien belegen die Wichtigkeit des Ensemblespiels in der musikalischen Entwicklung eines Musikschülers. Die ersten Spieljahre im Instrumentalunterricht sind anstrengend. In der Gruppe kann sich der Teamgeist entfalten, die Spielstunden am Instrument verdoppeln sich und das unbewusste Lernen durch Mit-Hören und Mit-Spüren, ermöglicht eine schnellere und breitere musikalische Entwicklung.
Nachwuchsförderung heisst im Verband aber auch, kompetente Leute an der Spitze zu haben und neue Literatur und zeitgemässe Arbeit zu fordern und zu fördern.

Die Vernetzung unter den musikalischen Laienverbänden und Profiorganisationen ist ein Gebot der Stunde. Was können, was müssen die 17 Verbände unter dem Dach von j+m gemeinsam erreichen?
Das wichtigste Stichwort in Ihrer Frage finde ich das «gemeinsam». Dass junge Leute Musik machen sollen, steht ausser Frage. Doch wie sie vermittelt wird, welche Formen es dafür geben kann und was im Sinn der Sache ist, dafür erachte ich den Austausch in einem Netzwerk von Verbänden als notwendig. Davon können alle nur profitieren.