Neuauftritt mit Weitsicht

Neuauftritt mit Weitsicht

23.08.2016

Musikhochschulen leben nicht im Elfenbeinturm, sondern kommunizieren mit Musikpraktizierenden auf allen Ebenen und Niveaus. Wie das neu auch über die SMZ geschehen soll, zeigt folgendes dreisprachige Interview.

Matthias von Orelli — Mit dieser Ausgabe ist die Konferenz der Musikhochschulen Schweiz KMHS neuerdings mit ihrer regelmässigen Doppelseite in der Schweizer Musikzeitung SMZ vertreten. Für Dezember ist zudem die erste Ausgabe einer KMHS-eigenen Publikation vorgesehen, die der Musikzeitung beigelegt wird.

Der Direktor der Hochschule Luzern – Musik, Michael Kaufmann, gibt in einem Gespräch Auskunft über die Ideen und Vorstellungen dieser neuen KMHS-Publikationen.

Michael Kaufmann, vous êtes chef de projet des publications de la CHEMS. Dans la présente édition, la CHEMS fait en quelque sorte ses premiers pas en public. Pourquoi avez-vous décidé d’augmenter la visibilité des Hautes Ecoles de Musique?

Les Hautes Écoles de Musique Suisses se voient comme une entité de la vie musicale et culturelle suisse et en tant qu’importante institution de formation musicale. Nous ne vivons pas dans une tour d’ivoire. Il existe des formations musicales à tous les niveaux et nous souhaitons simplement garantir une formation professionnelle au plus haut niveau de formation. J’insiste: tous les niveaux de formation musicale doivent travailler main dans la main et disposer de concepts communs. C’est la raison pour laquelle nous souhaitons à l’avenir volontairement marquer notre présence dans la Revue musicale suisse. D’une part, en tant qu’entité de la scène musicale et d’autre part, en raison de notre volonté de communiquer avec l’univers suisse de la musique.

Welche Leserschaft möchten Sie konkret ansprechen?

Eigentlich sind die Leserinnen und Leser der Musikzeitung unser wichtigstes Publikum: Es sind Musikpraktizierende auf allen Ebenen und Niveaus. Sie haben das Recht zu wissen, was an den Hochschulen geht und dass wir auf die berufliche Praxis ausgerichtete Ausbildungskonzepte pflegen. Es sind Lehr- und Betreuungspersonen von meist jungen Leuten, die dereinst auch mal in einer Hochschule landen. Und es sind Praktikerinnen und Praktiker, welche auch Interesse haben, Weiterbildungen an Musikhochschulen zu absolvieren. Wir Musikhochschulen wollen mit allen diesen Personen kommunizieren, Austausch haben, am selben Karren ziehen.

Und in wieweit sollen die Studierenden von der Publikation profitieren können?

Wir pflegen an den Musikhochschulen einen hohen Einbezug der Studierenden. Diese sollen in den Betrieb integriert sein, sollen sich auch äussern können und das Wichtigste: Sie sollen die Chance haben, sich bei aller Aneignung von «Stoff» auch musikalisch-künstlerisch zu äussern. Deshalb wollen wir auch den Studierenden in unseren Publikationen eine Stimme geben!

Ende des Jahres publizieren die Musikhochschulen zusätzlich ein eigenes Magazin, das der Musikzeitung beigelegt wird. Was dürfen wir von diesem Magazin erwarten?

Unsere Publikationen sollen keine Selbstdarstellung sein der Musikhochschulen – und schon gar nicht der Konferenz der Direktoren (KMHS). Vielmehr wollen wir informieren über unsere Themen, unsere Aus- und Weiterbildungsgänge, unsere Forschung. Dazu gehören Positionen zur Bildungs- und Kulturpolitik ebenso wie zu brennenden gesellschaftlichen Fragen. Wir sind der Auffassung, dass Musik und Kultur, und insbesondere auch die Musikausbildung, einen wesentlichen Beitrag leisten können zu zentralen gesellschaftlichen Fragen. Unsere Jahrespublikation will deshalb heisse Eisen anpacken und Lösungen aus der Sicht der Musikhochschulen einbringen. So legen wir gleich gewaltig los in unserer ersten Nummer, so viel darf ich verraten: Wir greifen das brennende Thema ausländischer Studierender und Dozierender in der Schweiz auf.

Wird man die Publikation auch als Plattform für die Diskussion von musikalischen Forschungsfragen nutzen können?

Sicher hat die Forschung an den Musikhochschulen einen sehr wichtigen Stellenwert. Vor allem weil sehr oft der direkte Praxisbezug mit Forschungsarbeiten verbunden ist. Das profiliert die Hochschulen und bringt direkten Nutzen für die Musikpraxis. Sei das in der Pädagogik, sei das bei der Interpretation von Werken. Wir wollen in unseren Publikationen auch darüber berichten: Allerdings ist das Ziel dabei immer eine verständliche und journalistisch aufgemachte Information über Forschungsfragen und -resultate. Das wird auch das breite Publikum interessieren.

Le scuole universitarie di musica spiccano per la forte eterogeneità. Come si può dar loro una sola voce in questa pubblicazione? Come si può trovare un denominatore comune nella grande varietà dell’offerta e degli studenti?

Sappiamo che ogni scuola universitaria di musica è indipendente e ha caratteristiche specifiche. È proprio questo aspetto che le pubblicazioni comuni vogliono porre in risalto. Ci sono però alcuni denominatori comuni importanti ai quali vogliamo dar voce a prescindere dalla varietà: questioni di fondo riguardanti la formazione musicale e la qualità degli studi, principi di pedagogia musicale che sviluppiamo congiuntamente, temi di politica della ricerca e editoriali di interesse generale.

Non da ultimo, le scuole universitarie di musica rispecchiano la multiculturalità e il plurilinguismo: ciò consolida la nostra posizione e ci conferisce un’identità culturale. Per questo motivo, nelle nostre pubblicazioni daremo ampio spazio alle tre lingue più importanti del nostro paese, tedesco, francese e italiano.

Über das Verhältnis von Musik und Medien wird viel gesprochen. Sind solche Publikationen auch ein Kanal, wo über Grundsätzliches in und aus der Musik nachgedacht werden soll?

Wir sind gerade davon überzeugt, dass eben auch grundsätzliche Fragestellungen zum Zug kommen müssen. Wir wollen ja nicht einfach Verlautbarungen unseres Präsidiums oder Details aus Studienführern berichten. Sondern Reflexion anstossen. Das im Übrigen nicht nur aus Sicht von Dozierenden oder Forschenden, sondern auch von Studierenden.

Geschehen solche Prozesse heute nicht vielfach in den sozialen Medien oder auf Internetforen?

Printmedien und digitale Medien schliessen sich keineswegs gegenseitig aus. Wir behaupten, dass ein Printmedium wie die Schweizer Musikzeitung für die Musikszene dieses Landes unabdingbar ist. Wenn es dieses Produkt schon gibt, wäre es eine verpasste Chance, wenn hier die Musikhochschulen nicht auftreten würden. Und mit «Auftreten» meine ich ganz im Sinne der Bühnenkunst: Mit erhobener Stimme und im Wissen, dass man etwas zu sagen hat. Und: Musikerinnen und Musiker leben meist in einer analogen Welt, lesen papierene Partituren und wir stellen sogar einen Trend zu Printprodukten fest. Deshalb, davon bin ich überzeugt, werden unsere Beiträge in der Musikzeitung auch gelesen werden. Immer vorausgesetzt, wir haben etwas zu sagen. Und das wollen wir ja auch!

Wird man die Publikation auch via Internet lesen können?

Wir planen in Schritten. Jetzt kommen mal dieses Jahr die Printprodukte. Aber klar werden wir bald auch online verfügbar sein.

Cela suppose donc que vous exposerez également vos positions politiques?

Bien entendu. Nous, les Hautes Ecoles de Musique, avons un avis tranché en matière de formation et de culture. Nous nous immisçons par exemple consciemment dans le débat concernant l’application du nouvel article constitutionnel concernant l’encouragement de la formation musicale. Personnellement, je trouve que nous en sommes aux prémices. Nous voulons continuer à participer et à faire entendre notre voix.

Die Medien spielen auch zentrale Rolle, wenn es um die rasche Verbreitung von Nachrichten geht – gerade aktuell, wenn unser Alltag von Leid, Terrorismus und Unsicherheit geprägt ist. Wie gehen Sie als Musikhochschulen mit diesen Fragen um, oder anders gefragt: Wie prägen diese Fragen den Alltag an der Hochschule?

Die Musikhochschulen sind im Tagesgeschäft alle sehr aktiv vor allem in ihrer jeweiligen Region. Das sollen sie dort auch sein. Und wenn die KMHS auf schweizerischer Ebene einmal sehr schnell reagieren will, dann macht sie das. Unser Auftritt in der Musikzeitung hat dann eben eher einen etwas längerfristigen Horizont, will in die Zukunft schauen.

Gli artisti sono viaggiatori. Crede che, viste le sfide citate, questo tema possa interessare gli studenti?

Di certo. Viviamo in un’epoca caratterizzata da una comunicazione 7 giorni su 7, 24 ore su 24, nella quale mittente e destinatario si trovano in parti diverse del mondo. Anche di questo vogliamo tenere conto nella nostra comunicazione. Bisogna però identificarsi con i prodotti. Si potrebbe parlare di punti d’appiglio, uno dei quali potrebbe essere la nostra presenza nella Rivista musicale svizzera.

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