Wissenschaft und 
Kulturmanagement


Wissenschaft und 
Kulturmanagement


Benedict Zemp , 24.02.2016

Forschende und Kulturschaffende beantragen Unterstützungsgelder für ihre Projekte häufig mittels Gesuch bei Stiftungen, Fonds, bei der öffentlichen Hand oder privaten Sponsoren. Dabei sind eine überzeugende Darstellung des eigenen Vorhabens und viel Kreativität gefragt.


Die Musikwissenschaftlerin Andrea Matter hat sich genau auf diesen Bereich spezialisiert und berät Organisationen, Vereine und Privatpersonen bei Ihren Kulturprojekten. In diesem Inteview spricht sie über ihre Erfahrungen im Gesuchswesen sowie der Projektfinanzierung. 


Liebe Andrea, was hat den Ausschlag gegeben, dass du dich als Musikwissenschaftlerin vor einigen Monaten selbstständig gemacht hast?


Es ist schwierig zu sagen, was mich letztendlich dazu bewogen hat. Schon von Beginn des Studiums an wusste ich, dass niemand in der Arbeitswelt auf mich wartet, sondern ich aktiv sein muss. Nach Stationen in diversen Theaterhäusern, Festivals und Musiklabels wurde mir bewusst, wie entscheidend der Punkt der Finanzierung ist – und wie ungern dies von den Verantwortlichen angegangen wird. Zu mühsam, zu zeitraubend ist es für viele. Dabei wird häufig verkannt, dass auch hier innovative und kreative Gedanken gefordert sind und zum Ziel führen.


Ich beschäftigte mich in meinem beruflichen Alltag immer mehr mit Finanzierungsfragen und erhielt immer mehr diesbezügliche Anfragen. Der Weg in die Selbstständigkeit war die logische Konsequenz.


Was genau sind die Angebote deiner Firma «matter consulting»?


«Zusammenbringen, was zusammen gehört.» – Das ist der Leitspruch der Firma. Wir unterstützen im Bereich Projektmanagement, Sponsoring, Fundraising, Fonds und geben Workshops sowie Coachings. Unsere Kunden sollen sich auf Ihre Stärken konzentrieren, wir fungieren als Berater oder übernehmen alle Stufen der Finanzierungsanfragen. Hierbei konzentrieren wir uns auf den Kulturbereich. Mir war schon immer wichtig, Newcomer zu fördern, weshalb wir uns nicht alleine für grosse Projekte mit grossen Budgets engagieren.


Nicht jedes Projekt ist geeignet für Sponsoring oder eine Förderung durch Stiftungen – wir beurteilen das Projekt als Ganzes, arbeiten Schwächen und Stärken heraus und nutzen letztere, um das Projekt als Marke zu verkaufen. 


Welches war dein bisher erfolgreichstes Projekt, auf welches du gerne zurückschaust?


Das ist schwer zu beurteilen, denn es gibt so viele tolle Projekte. Das grösste ist sicher ein internationales Filmprojekt eines Schweizer Regisseurs mit Bud Spencer und Terrence Hill. Doch auf jede Tour, jedes veröffentlichte CD-Projekte, jede realisierte Buch-Veröffentlichung, jedes aufgeführte Theaterprojekt blicke ich sehr gerne zurück.


In welcher Hinsicht profitierst du heute von deinem Studium?


Da muss ich ehrlich sein: Ich habe das meiste Wissen nicht im Studium gelernt und zugegeben, dass Arnold Schönbergs Die glückliche Hand 1924 in Wien uraufgeführt wurde und
 ich das weiss, ist in meinem heutigen Beruf durchaus zweitrangig. Es ist
 sicher von Vorteil im Umgang mit 
den Kunden und für das Verständnis einiger Projekte, wenn es sich um
 Musiker oder Musikwissenschaftler handelt. Doch am Ende geht es darum, ein Produkt so zu verkaufen, dass es auch ein Laie versteht und davon angetan ist.


Es ist also nicht das angeeignete Faktenwissen, welches mir heute nützt; andererseits konnte ich im
 Studium lernen, über Dinge kritisch nachzudenken und Strategien zu entwickeln, das vorhandene Nicht-Wissen in Wissen zu wandeln. 


Was ist das wichtigste an einem guten Gesuch?


Zuerst ist wichtig zu verstehen, dass Stiftungen, Fonds und Sponsoren völlig unterschiedlich handeln und je andere Intentionen hinter einer Projektbeteiligung stecken. Eine Stiftung hat das Ziel, den Stiftungszweck zu erfüllen. Fonds fördern meist das Kulturschaffen vor Ort und Sponsoren fördern gar nicht: sie kaufen sich eine Gegenleistung. 


Ist das Verständnis vorhanden, müssen individuelle Gesuche gestellt werden. Eine Streusendung an 50 
Stiftungen zu schicken, ohne Bezugnahme auf den Stiftungszweck, wird selten Erfolg haben. Auch 50 Firmen mit einem Sponsoringdossier zu 
beliefern wird eine Absage zur 
Folge haben. Kreative Wege sind 
gefragt, um gesehen und gehört zu werden.

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