Musikalische 
Stadtführung
 in Bern


Musikalische 
Stadtführung
 in Bern


Christina Gabriela Galli , 23.03.2016

Im Herbstsemester 2015 fand an der Universität Bern ein praxisorientiertes Seminar unter dem Namen «The Sound of Berne» im Fach Musikwissenschaft statt. Neugierig waren Studierende und Tourismusfachleute, die sich für thematische Stadtführungen und Musik interessieren. 


Man könnte doch eine Stadtführung in Bern mit einem Schwerpunkt im Bereich Musik gestalten. Dazu forderte Béatrice Lang, die Stadtführerin bei Bern Tourismus, ihre Nachbarin Professorin Cristina Urchueguía auf. Ein vielversprechendes Vorhaben.


Die Umsetzung dieser Idee wäre noch fruchtbarer, wenn neben der Professorin auch Studierende im Rahmen eines Seminars daran teilnehmen könnten. Gut auch, dass das Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern nicht nur über einen musikhistorischen, sondern ebenfalls über einen musikethnologischen Schwerpunkt verfügt. 


Soundscape? Was ist das?


Der Begriff Soundscape («sound» = Klang, «landscape» = Landschaft) wurde vom kanadischen Komponisten und Klangforscher Murray Schafer geprägt. Die Forschung über Soundscapes interessiert sich für alles, was klangliche Umgebung ist; natürliche und künstliche Geräusche, wie das Rauschen der Aare auf der Lorrainebrücke in der Nacht. 


Die Idee war geboren, ein Seminar zu machen, mit theoretischem Hintergrund über die Soundscape-Forschung, praktischem Ausprobieren und schliesslich mit einem Produkt, das für die Öffentlichkeit gedacht ist. Das Ganze sollte in Zusammenarbeit mit Bern Tourismus, einem «echten» Kunden ausserhalb der Universität, umgesetzt werden. Ein Partner, der Vorstellungen hat und Grenzen setzt, falls nötig; denn die Praxis hat eine Beschränkung und die heisst Machbarkeit. Gleichzeitig konnten die Stadtführerinnen aber auch Studierende wie Lehrende mit Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag unterstützen. Der Name des Seminars war schliesslich: «THE SOUND OF BERN: Erstellung einer Stadtführung für die Stadt Bern». 


Das Seminar beginnt


Somit trafen sich die Professorinnen, drei Stadtführerinnen und die Studierenden zur ersten Sitzung Mitte September 2015 mit erwartungsvollen Gesichtern. Die Studierenden interessierten sich in erster Linie für das Interdisziplinäre, das heisst die Verbindung von musikwissenschaftlichen und je nach ausgewähltem Thema geographischen, historischen oder soziologischen Gebieten, und das Praktische daran. 


Es wurde damit begonnen, inspiriert durch theoretische Inputs wie einer von Bern Tourismus offerierten Stadtführung, Konzepte zu erarbeiten. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt, ausser, dass das Zielprojekt für den Tourismus sein und mit Bern und Klang zu tun haben musste. Dabei kam eine grosse Vielfalt von Einfällen von Seiten der Studierenden zu Tage: ein Audio-Guide, eine App mit einer interaktiven Karte zum Herunterladen, ein Film zum Berner Dialekt, ein eventuell grösseres Projekt über Kirchenglocken usw. Es zeigten sich die persönlichen Neigungen und Interessen der Studierenden, viel mehr als in anderen Seminaren. Natürlich müsste es auch irgendwie praktisch umsetzbar sein, erinnerten die Stadtführerinnen aber immer wieder und stellten Nachfragen zur Verbesserung der Konzepte: Wie lässt sich ein Audio-Guide finanzieren? Wie lange sind die Wege geplant; Ist der Spaziergang also machbar in eineinhalb Stunden? Sie waren sehr unterstützend mit dabei, nahmen sich mehrmals Zeit, im Institut vorbeizuschauen und offerierten noch mehr Führungen, falls diese für die Konzipierung hilfreich sein könnten.


Wie geht es weiter?


Die Hoffnung der Professorinnen, dass die Studierenden eine grössere Sensibilität für ihre Umgebung entwickeln, sich mit dem, was sich vor ihrer Türe befindet, auseinandersetzen und somit Dinge, die selbstverständlich sind, in Frage stellen, hat sich bewahrheitet. Eine neue Art, eine Stadtführung zu machen – sich einmal nur auf klangliche Aspekte zu konzentrieren – , durch die Stadt zu spazieren und sogar die Welt wahrzunehmen, habe sie kennengelernt, erzählt eine Studierende. 


Für die Lehrenden war es auch wichtig, die Studierenden berufliche Perspektiven aufzuzeigen. So kann die Tourismusbranche auch für eine/n MusikwissenschaftlerIn interessant sein. 


Wird nun tatsächlich ein Konzept oder sogar mehrere in den Katalog der Stadtführungen von Bern Tourismus aufgenommen? Diese Entscheidung fällen die Stadtführerinnen. 


Alle sind neugierig – wieder einmal – wie es ausgehen wird.

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