Internistische
 Aspekte in der 
Musikermedizin


Internistische
 Aspekte in der 
Musikermedizin


Maria Schuppert , 25.02.2015

Internistische Fragestellungen in der Musikermedizin 
betreffen vorrangig 
Herzkreislauf-System und Atemwege, zuweilen auch Stoffwechsel, Hormone, 
Magendarm-Bereich und 
weitere Fächer.


Das Herzkreislauf-System zeigt beim Blasinstrumentenspiel typische Reaktionen: Tongebung und Anblasdruck verursachen kurzfristige physiologische Schwankungen von Blutdruck, Herzfrequenz und Herzrhythmus. Sie sind je nach Instrument, Tonhöhe, Dynamik, Blastechnik und Konstitution unterschiedlich ausgeprägt. Während Auftritten können Stresshormone zusätzlich zum Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz führen. Dennoch handelt es sich im Allgemeinen um physiologische Reaktionen, die bei gesunden Personen unbedenklich sind. Um die Belastung und Belastbarkeit beim Spielen einzuschätzen, wird entsprechend der kardiologischen Leitlinien vorgegangen. Ergänzend müssen die individuellen Reaktionen beim Musizieren erfassen werden. Dies erfolgt mittels Langzeitmessung von EKG und Blutdruck unter Übe-, Proben- und gegebenenfalls Auftrittsbedingungen, zuweilen auch mittels Ultraschall des Herzens während des Spielens. Nach Herzkreislauf-Erkrankungen können Wiedereingliederungen mit stufenweiser Steigerung der Musizier-Belastung notwendig sein.


Mit Hilfe von Beta-Rezeptoren-Blocker lassen sich die vegetativen Symptome reduzieren, welche die Angst vor Auftritten unter Umständen mit sich bringt. Musiker greifen dabei nicht selten zur Selbstmedikation, obwohl es sich um rezeptpflichtige Medikamente mit Wirkung im Herzkreislauf-System handelt. Ihnen sollte man dringend anraten, Betablocker nur nach ärztlicher Rücksprache einzunehmen, insbesondere, wenn Herzkreislauf-Probleme mit im Spiel sind. Das gewährt eine sinnvoll abgestimmte Therapie, und es können auch die zahlreichen nichtmedikamentösen Strategien zum Umgang mit Auftrittsangst gemeinsam erarbeitet werden.


Atemwegserkrankungen treten bei Bläsern nach heutigem Wissensstand nicht vermehrt auf. Auch der oft postulierte Zusammenhang zwischen der Entwicklung eines Lungenemphysems und Oboespiel ist nicht bestätigt worden. Allerdings kann die Konstellation mehrerer Risikofaktoren (etwa Rauchen und Umwelteinflüsse) zu spielbezogenen Erkrankungen führen. Beim kindlichen Asthma werden die Lungenfunktion und der Umgang mit der Erkrankung durch das Spielen von Blasinstrumenten oft positiv beeinflusst. Man sieht es heute deshalb vielfach als wertvollen Baustein in der Asthmatherapie an.


Hormon- und Stoffwechselerkrankungen gehen zuweilen mit funktionellen Beeinträchtigungen während des Musizierens einher. Aufgrund der ausserordentlichen sensomotorischen Anforderungen werden Musiker frühzeitig auf diese Störungen aufmerksam. Besonders die Fehlfunktionen der Schilddrüse führen zu musikermedizinisch relevanten, jedoch meist gut therapierbaren Beschwerden. Sie können sich in vielfältigen Symptomen, unter anderem im Bereich der Arme und Hände oder der Singstimme manifestieren. Die Behandlung von Musikern unterscheidet sich prinzipiell nicht von der anderer Patienten, es können jedoch zusätzliche therapeutische Massnahmen wie Physiotherapie oder Logopädie notwendig werden.


Bei Bläsern und Sängern scheint vermehrt ein Reflux mit Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre aufzutreten. Die dahinterstehenden Mechanismen sind komplex und bislang nur lückenhaft geklärt. Aus dem Sport ist bekannt, dass körperliche «Ausdauerarbeit» – die auch Sänger und Blasinstrumentenspieler leisten – beim Reflux eine Rolle spielt. Häufig verstärkt die Symptome eine vermehrte Atemarbeit mit tiefer Einatmung und abrupter oder lang anhaltender Druckerhöhung im Brust- und Bauchraum. Ein solcher Atemeinsatz ist während des Singens und Blasinstrumentenspiels ständig erforderlich. Refluxbeschwerden erfordern eine differenzierte musikerspezifische Anamnese und Diagnostik. Im Fall der Sänger erfolgt eine solche interdisziplinär durch Magen-Darm-Facharzt und Phoniater. Sie können Medikamente verschreiben, welche die Abgabe von Magensäure hemmen, sowie Diäten und Verhaltensmassnahmen empfehlen. 


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