Was hat Jazz mit Politik und Volksmusik am Hut?

Was hat Jazz mit Politik und Volksmusik am Hut?

09.04.2017

Die Schaffhauser Jazzgespräche sind das lebendige Diskussionsforum für den Jazz und finden dieses Jahr zum 14. Mal im Rahmen des Schaffhauser Jazzfestivals statt. Als wiederkehrende Plattform ist sie zum wichtigsten Diskussionsforum der nationalen Jazzszene geworden, welche den Austausch zu aktuellen Fragen rund um den Jazz fördert und Diskussionen anstösst.

Das Schweiz Musik Syndikat in Kürze

Das Schweizer Musik Syndikat SMS ist die Organisation für den Jazz und die improvisierte Musik in der Schweiz. Der Berufsverband vertritt die Interessen der Jazzerinnen und Jazzer. Dabei verfolgt er berufsspezifische und kulturpolitische Ziele, fördert den Austausch in der Szene und bietet umfassende Dienstleistungen.

Mehr Infos:

> www.musiksyndikat.ch

Sarah Chaksad — «Volksmusik» wie Tango, Flamenco, Salsa, Musette oder Klezmer befruchtet in vielen Ländern den Jazz. Wieso ist das in der Schweiz anders? Was hat der Tango, was die Appenzeller Folklore nicht hat? «Jazz ist stets politisch», sagt der amerikanische Saxophonist Mark Turner. Wir leben in einer Zeit medialer Überflutung und zunehmender Verunsicherung, in der sich Fremdenfeindlichkeit und Sparhysterie breit machen. Wie reagieren wir im Jazz darauf? Wie artikuliert sich politisches Engagement in unserer musikalischen Praxis? Solchen Fragen gehen die 14. Schaffhauser Jazzgespräche im Rahmen des 28. Schaffhauser Jazzfestival (10. – 13. Mai 2017) nach und vergleichen die Einflüsse von Politik auf Volksmusik und Jazz, hier und anderswo.

Die Schaffhauser Jazzgespräche 2017 kommen in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia, der Hochschule Luzern – Musik, der Zürcher Hochschule der Künste, dem Jazzcampus der Musik-Akademie Basel/FHNW und dem Schweizer Musik Syndikat (SMS) zustande.

Im Zentrum der Veranstaltung stehen zwei Referate und, daran anschliessend, zwei Diskussionsrunden. Diese werden von Theresa Beyer (Musikjournalistin) moderiert. Dazwischen zeigen junge Jazzmusikerinnen und –musiker auf, was sie sich zu den beiden Schwerpunkten Volksmusik und Politik im Zusammenhang mit Jazz überlegt und welche Statements sie zusammengetragen haben.

Jazz und traditionelle Musik

Die Schaffhauser Jazzgespräche beginnen mit einem Einführungsreferat von Jürg Solothurnmann, der zusammen mit Hans Kennel 1982 die Band Alpine Jazz Herd gründete. Dabei kombinierten sie Elemente des zeitgenössischen Jazz mit Volksmusik aus der Schweiz und hatten grossen Erfolg. Zu seinem Referat schreibt er: «Trotz seiner rapiden Emanzipation hat der Jazz – mit Wurzeln in der Blues-Tradition der Afroamerikaner, der Volksmusik der Euroamerikaner und der frühen städtischen Popularmusik – seine Beziehung zu Volksmusik und traditionellen Musikstilen nie ganz aufgegeben, sie sorgten mit zu seiner internationalen Verbreitung. Ist der Jazz selber Volksmusik, Popmusik oder Kunstmusik? Im Referat geht es um die verschiedenen Mentalitäten schriftlicher und oral-auraler Überlieferung und um das Spannungsfeld zwischen ausnotierter Komposition und totaler Improvisation». Am Schluss berichtet Solothurmann über die eigenen Erfahrungen mit der Alpine Jazz Herd (1982-94).

Wir, der Jazz und die Volksmusik in der Schweiz

In der anschliessenden Diskussion zum Thema «Wir, der Jazz und die Volksmusik in der Schweiz» diskutieren Corin Curschellas (Musikerin und Schauspielerin), Daniel Woodtli (Musikant), Gregor Hilbe (Musiker und Leiter Profil Jazz und Pop ZHdK) und Johannes Rühl (Künstlerischer Leiter des Festivals Alpentöne) über die Berührungspunkte von Jazz und Schweizer Volksmusik. Sie gehen u.a. der Frage nach, wieso JazzmusikerInnen sich in der Schweiz überhaupt mit der heimischen traditionellen Musik auseinandersetzen, obwohl der Jazz seine Ursprünge in den USA hat.

Junge Stimmen zum Thema Volksmusik und Jazz

Sechs Studierende von Musikhochschulen setzen sich mit Fragen rund um Schweizer Volksmusik, Politk und Jazz auseinander. Dabei diskutieren sie, was ihnen die Volksmusik bedeutet und inwiefern sie in ihr musikalisches Schaffen einfliesst. Die jungen Jazzmusikerinnen und -musiker zeigen auf, wie vielfältig ihre Beziehungen zur Schweizer Volksmusik sind und welche Faktoren sie prägen.

«Jazz ist stets polititisch»

Der Kölner Musikpublizist Michael Rüsenberg führt mit seinem Impulsreferat «Jazz ist immer politisch. - Stimmt dieser Satz von Mark Turner? Wenn ja, wie müsste dieser Jazz klingen?» in den zweiten Schwerpunkt ein. Anschliessend diskutieren mit ihm über «Jazz und Politk»:

Julia Hülsmann (Musikerin), Christoph Baumann (Musiker), Hans Feigenwinter (Musiker). Sie gehen etwa der Frage nach, wie der Jazz heute auf die Gesellschaft wirkt und ob Jazzerinnen und Jazzern ausserhalb der Musik überhaupt Aufgaben im Dialogfeld von Musik und Gesellschaft zukommen. Sollen Jazzerinnen und Jazzer politisch Stellung beziehen? Wirkt sich die aktuelle politische Weltlage auf ihr Schaffen aus?

Mehr Infos zu den Schaffhauser Jazzgesprächen und zum Festival auf:

> www.jazzfestival.ch