Die Schulen im Programm Jugend und Musik

Die Schulen im Programm Jugend und Musik

29.06.2017

Seit Frühling 2016 leitet betreut Lorenzetta Zaugg im BAK Bundesamt für Kultur (BAK) das Programm «Jugend und Musik (J+M)».

Interview: Urban Rieger — Zusammen mit dem VSM VMS und dem VSSM hat das BAK das Papier «Die Musikschulen, Volks- und Mittelschulen und Schulen im Programm Jugend und Musik» verfasst.

Lorenzetta Zaugg, alles spricht von «Jugend und Musik». Dabei gibt es dieses Programm erst seit einem Jahr. Warum ist es bereits in aller Munde?

Das Programm Jugend und Musik entspricht einem grossen Bedürfnis. Es wird seit 2016 umgesetzt. Die Idee, im musikalischen Bildungsbereich ein Programm nach dem Vorbild von Jugend und Sport zu schaffen, entstand aber schon vor Jahrzehnten. Die Entwicklungs- und Sensibilisierungsarbeit der Initianten von Jugend und Musik führten am 23. September 2012 zur deutlichen Annahme des Verfassungsartikels zur Stärkung der musikalischen Bildung. Das Programm Jugend und Musik ist Teil der Umsetzung dieses Verfassungsauftrags und entspricht einem breit abgestützten und alten Bedürfnis nach musikalischer Förderung.

Es ist Ihnen ein spürbares Anliegen, dass Musikschulen, Volks- und Mittelschulen von «Jugend und Musik» profitieren können. Was sind dabei die grössten Herausforderungen und wie haben Sie diese gemeistert?

Das Programm Jugend und Musik hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche zur musikalischen Aktivität zu führen. Es dient in erster Linie der Breitenförderung. Über die Musikschulen, Volks- und Mittelschulen erreichen wir viele Kinder und Jugendliche, auch solche, die einen erschwerten Zugang zu einer ver-tieften musikalischen Bildung haben. Die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen ist dabei zu beachten, d.h., der Bund greift nicht in die Bildungshoheit der Kantone ein. Jugend und Musik unterstützt deshalb nur Angebote der Schulen und Musikschulen, soweit diese ausserhalb des ordentlichen Unterrichts stattfinden.

Ganz konkret: Wie unterstützt «Jugend und Musik» meine musikalische Arbeit als Klassenlehrer oder Fachlehrerin in der Primarschule oder auf der Sekundarstufe I und II? Warum soll ich J+M-Leiter werden?

Im Bereich der Schulen unterstützt das BAK Musiklager. Diese können auch während der Schulzeit stattfinden und eignen sich bestens zur intensiven Vorbereitung von Konzerten und Aufführungen innerhalb der Schule. Führt eine Klasse ein Musiklager z.B. mit 20 Kindern von Montag bis Freitag inkl. Übernachtung durch, kann die Schule mit einem Beitrag des BAK von 2400 Franken rechnen. Zur Durchführung eines J+M-Lagers braucht es für jeweils zehn Kinder und Jugendliche mindestens eine volljährige Begleit- person sowie pro Lager mindestens eine anerkannte J+M-Leiterin oder einen J+M-Leiter. Die Informationen zur Zertifizierung von J+M-Leiterinnen und J+M-Leitern sind auf der Website von Jugend und Musik aufgeschaltet: www.bak.admin.ch/jm. Verfügt die Klassenlehrkraft nicht über ein J+M-Zertifikat, kann sie z.B. auch eine Musikschullehrperson mit J+M-Ausweis für das Schullager beiziehen.

Was sagen Sie zur Kritik, J+M treibe mit der Bezeichnung J+M-Leiter/in Etikettenschwindel, weil die musikalische Ausbildung eine Schnellbleiche ist? Fachlehrpersonen an den Schulen haben Bachelor- und Masterabschlüsse. Nur diese ermöglichen eine seriöse musikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen…

Es geht nicht um eine musikalische Ausbildung, sondern, wie es der Name sagt, um die Bestätigung von Leitungsqualifikationen. Lehrkräfte der Volks- und Mittelschulen mit musikalischer Berufsausbildung und Musikschullehrkräfte sind Fachpersonen im Bereich der musikalischen Bildung. Sie sind prädestiniert, J+M-Kurse und J+M-Lager zu leiten. Künftige J+M-Leiterinnen und J+M-Leiter müssen in ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich fundierte musikalische Fähigkeiten sowie Erfahrung im Gruppenunterricht mitbringen, um überhaupt zur Zertifizierung zugelassen zu werden. Erfahrene Expertinnen und Experten beurteilen die Eignung aller J+M-Kandidatinnen und J+M-Kandidaten.