Am 2. Oktober starb der grosse Komponist und Lehrer Klaus Huber in Perugia in seinem 93. Lebensjahr. 
Klaus Huber 1924-2017

Klaus Huber 1924-2017

Thomas Meyer, 09.11.2017

Am 2. Oktober starb der grosse Komponist und Lehrer Klaus Huber in Perugia in seinem 93. Lebensjahr.

Ein langes und wechselvolles Leben für die Menschlichkeit und die Musik habe sich erfüllt, heisst es auf der Todesanzeige. Tatsächlich: Der Reichtum seines Schaffens ist auf ein paar wenigen Zeilen kaum angemessen zu umreissen. Allein die Namen der bedeutenden Komponistinnen und Komponisten, die in Luzern, Basel und vor allem in Freiburg i.Br. seinen Kompositionsunterricht genossen, würde diese Spalten füllen. Die Offenheit des Denkens, die er bei seinen Schülern stets anregte, ja einforderte, prägte seine Musik und sein Handeln: Wege weisend. Und auch er selber liess sich auf seine Weise immer wieder herausfordern.

Geboren am 30. November 1924 in Bern, studierte Klaus Huber Violine bei Stefi Geyer und bei seinem Patenonkel Willy Burkhard Komposition in Zürich. Später folgten Studien bei Boris Blacher in Berlin. Er hat vielerorts Kurse gegeben und in Jurys mitgewirkt. Wichtig wurde etwa seine Tätigkeit am Künstlerhaus Boswil, wo er 1969 das erste Komponistenseminar initiierte. 1979-82 präsidierte er auch den Schweizerischen Tonkünstlerverein und wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

«Für mich ist Komponieren a priori ein Akt der Befreiung, der immer in die Zukunft gerichtet ist.» schrieb er einmal. Und von dieser Bewegung der Hoffnung war auch seine kompositorische Entwicklung getragen, von einer humanistischen Denkweise, ebenso der aktuellen Situation und dem politischen Engagement als auch der mystischen Tradition des Christentums verpflichtet: Wahrhafter Protestantismus also. Die Zeit des Kalten Kriegs wühlte ihn auf, die sozialen Probleme der Welt. In seiner Musik versuchte er die Bedrohungen zu verarbeiten. Und von da her wagte er sich auch an politische brisante Inhalte. Hätte er nicht ahnen müssen, dass die nicaraguanischen Rebellen Daniel Ortegas, einmal an der Macht, selber nicht gegen Korruption und Amtsmissbrauch gefeit sein würden? Dennoch setzte er ihrem Kampf in einem grossen Werk voller Kraft und pathosgeladenem Engagement ein Denkmal. Ist dieses Oratorium Erniedrigt – Geknechtet – Verlassen – Verachtet… (1975/78-83) deshalb desavouiert? Oder hallt diese Musik aus Schrei und Schweigen, die sich dem Unrecht und der Unterdrückung, nicht nur jener in Mittelamerika, widersetzen wollte, weiter?

Klaus Huber wollte handeln, wenn er Bedarf oder gar Missstand sah. Und er hat dadurch einiges bewegt. Ungeschützt suchte er die Auseinandersetzung, rückhaltlos vertiefte er sich darin. So entstanden grössere Werkreihen. Lange stand die Lyrik des im Gulag verstorbenen Ossip Mandelstam im Zentrum seines Denkens, dann wieder eine von arabischer Musik inspirierte Dritteltönigkeit. Unbeirrt stand er in der Nachfolge der Avantgarde und entwickelte seine Musik weiter. Und immer wieder gelangen ihm – aus diesem spirituellen und hoffnungsvollen Idealismus heraus – Werke von grosser Klangschönheit: So etwa 1985 die Cantiones de Circolo Gyrante; in dieser Raummusik kombinierte er Gesänge der Hildegard von Bingen mit Gedichten, in denen Heinrich Böll die im Krieg zerstörten Kirchen Kölns thematisierte. Den enigmatischen Titel, so schrieb er dazu, «habe ich gesetzt, um die unentwirrbare Verwobenheit vom Kreisen der Zerstörung und jenem anderen Kreisen anzudeuten, welches die menschliche Hoffnung nie untergehen lässt.»

Inhalt STV

Schweizerischer Tonkünstlerverein

Adresse
11 bis, Avenue du Grammont, 1007 Lausanne

www.asm-stv.ch

info@asm-stv.ch

Tel. 021 614 32 90 (Lu–Ve 9.00–12.00)
Fax 021 614 32 99

Präsidentin
Käthi Gohl Moser
katharina.gohlmoser@fhnw.ch

Geschäftsführer
Johannes Knapp
johannes.knapp@asm-stv.ch

Redaktion
Verantwortlicher Redaktor
Laurent Mettraux
laurent.mettraux@bluewin.ch

Redaktionelle Mitarbeit
Thomas Meyer
thomas.meyer16@gmail.com