FMB 2018: Starke Musikschultradition in Österreich

Niklaus Rüegg, 30.11.2017

Das österreichische Musikschulwesen ist zugleich regional verwurzelt und bundesländerübergreifend gesteuert.

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Michaela Hahn

Niklaus Rüegg – Das «Musikschulmanagement Niederösterreich» ist eine der neun österreichischen Länderorganisationen, die in der «Konferenz der österreichischen Musikschulwerke» (KOMU) mit Delegierten vertreten sind. Die Organisation ist die zentrale Kompetenzstelle für die 127 Musikschulen Niederösterreichs mit ihren 60’000 Schülerinnen, Schülern und 2’300 Lehrpersonen. Damit weist das Land im Vergleich mit den anderen Bundesländern die höchste Versorgungsdichte auf.
Die studierte Musikpädagogin, Wissenschaftlerin und Musikmanagerin Michaela Hahn hat eine Dissertation zum Thema Musikschulentwicklung und Steuerung in dezentralen Musikschulsystemen verfasst und ist Lehrbeauftragte am Institut für Kulturmanagement und Gender Studies an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). Michaela Hahn ist Geschäftsführerin von «Musikschulmanagement Niederösterreich», Delegierte bei der KOMU sowie bei der European Music School Union (EMU). Sie wird am 20. Januar 2018 am Forum Musikalische Bildung in Baden zum Thema «Zukunft Musikalische Bildung mit Blick nach Österreich» sprechen.

Frau Hahn, bitte erläutern Sie kurz Aufbau und Organisation des Musikschulwesens in Österreich.
Musikschulen sind in Österreich traditionell der Kultur zugeordnet und daher Angelegenheiten der neun Bundesländer – im Gegensatz zur Bildung, die in der Kompetenz des Bundes liegt. Träger der Musikschulen können ein Bundesland, Gemeinden oder auch Gemeindeverbände sein, vereinzelt auch GmbHs oder Vereine.
Unabhängig von der Organisationsstruktur wirken in allen Musikschulsystemen landesweite Steuerungsmassnahmen und bundesländerübergreifende Zusammenarbeit, die die Musikschulen in ihrer Entwicklung unterstützen und eine Gesamtentwicklung möglich machen.

Gemäss offiziellen Zahlen besucht in Niederösterreich jedes dritte Volksschulkind eine Musikschule. Wie erklärt sich diese beeindruckende Quote?
Niederösterreich, rund um die Bundeshauptstadt Wien, ist das grösste Bundesland. Es gibt MusikschülerInnen aus fast allen 573 Gemeinden. Der Schulgeldanteil liegt bei ca. 25 Prozent, den Rest teilen sich Land und Gemeinden. Das Finanzierungsmodell hat damit drei starke, fast gleichberechtigte Partner, die sich zum Musikschulwesen bekennen. Ein weiterer Grund für die hohe Quote ist der in den letzten fünfzehn Jahren erfolgte Ausbau von Schulkooperationen, d.h. Stunden, die von Musikschullehrenden gemeinsam mit den Pflichtschullehrenden in den Klassen abgehalten werden. Dadurch werden alle Kinder einer Klasse oder Altersgruppe mit Musikschulunterricht erreicht.

Welches Fächerangebot bietet sich einem Kind, das sich an einer Ihrer Schulen anmeldet?
Das Fächerangebot umfasst alle Instrumente, elementare Musikpädagogik, Gesang und auch Tanz, die je nach Musikschulstandort angeboten werden. Der Unterricht an der Musikschule erfolgt im überwiegenden Ausmass im wöchentlichen Einzelunterricht. Daneben bieten Musikschulen Ergänzungsfächer an, wie zum Beispiel Ensembles und Orchester, aber auch allgemeine Musikkunde, neue Medien, Komposition u.a.. Es gibt mittlerweile auch eine grosse Bandbreite von flexibilisierten Unterrichtformen. In Niederösterreich haben wir – erstmals in Österreich – vor zwei Jahren das Pilotmodell «Musik- und Kunstschulen» gestartet, bei dem die Musikschulen mit bereits bestehenden Kreativakademien (u.a. Schauspiel, Film, Literatur, bildende Kunst) zusammengeführt werden.

Der österreichische Lehrplan für Musikschulen wird auch in der Schweiz als Referenzwerk benutzt. Welche Bedeutung hat er im Musikschulalltag?
Mit dem österreichischen Lehrplan für Musikschulen hat die KOMU einen «visionären Wegweiser» zur Musikschule vorgelegt. Der Lehrplan gilt für alle Musikschulen in Österreich und wurde in einem zweijährigen Prozess gemeinsam mit Musikschullehrenden aus allen Bundesländern sowie Musikuniversitäten erarbeitet. Er ist damit der österreichische inhaltliche Rahmen, in dem Musikschularbeit stattfindet. Wir arbeiten innerhalb der KOMU nun an Massnahmen und Materialien, die die Umsetzung des Lehrplans in der Praxis weiter unterstützen, u.a. an Lernzielen und Kompetenzen.

Die Talentförderung nimmt gemäss Jahresbericht einen hohen Stellenwert ein. Welche Angebote können die begabten jungen Leute nutzen?
Diese Programme zur Talenteförderung haben sich in den letzten Jahren in fast allen Bundesländern entwickelt. Neben einem breiten Angebot an zusätzlichem Unterricht und Workshops ist hier insbesondere die Anbindung an die Musikuniversitäten wichtig.
Als aktuelles Best-Practice Modell sind die Jugend Master Classes an der mdw zu nennen.

Sie haben das Symposium «Future of Music Schools – today´s challenges and tomorrow´s solutions» am 6. bis 7. Oktober 2017 in Wien konzipiert und umgesetzt. Wie sieht in Ihren Augen die Zukunft der Musikschulen aus?
In der heutigen Zeit muss man mit Prognosen vorsichtig sein. Leider gibt es derzeit noch kaum Forschung zu den Strukturen und Zielen ausserschulischer kultureller Bildung. Die mdw hat hier den ersten wichtigen Schritt gesetzt, der in Europa auf grosses Interesse gestossen ist. Dieses erste europäische Musikschulsymposium hat über 150 ExpertInnen aus 25 Ländern angesprochen, es wurden Forschungsergebnisse aus 20 Ländern zu den Themenschwerpunkten equal access, social impact, collaborations with schools, professional profile for teachers präsentiert.

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