Herbstkongress epta Schweiz 
Feel the Rhythm – Rhythmus am Klavier

Feel the Rhythm – Rhythmus am Klavier

Brigitte Bernhard, 09.01.2013

Unter diesem Titel fand am Wochenende vom 17. und 18. November 2012 in St. Gallen der Herbstkongress der European Piano Teachers Association Schweiz statt.

Das Anfangsreferat Musik als Zeitkunst wurde von Roland Moser gehalten. Er zitierte anfangs Augustinus, der, nach der Zeit befragt, zur Antwort gab, dass sowohl Vergangenheit in Form von Erinnerungen als auch Zukunft in Form von Vorstellungen eine alles umfassende Gegenwart darstellen. Dann spannte er einen Bogen vom Versuch, Tonverhältnisse in rhythmische Verhältnisse zu übertragen, zu einer Analyse des Rhythmus der Harmoniewechsel anhand eines 14-taktigen Dominantfelds in Beethovens Waldsteinsonate und demonstrierte damit eindrücklich die Vielschichtigkeit des Phänomens Rhythmus.

Am Nachmittag stand zuerst das Thema tempo rubato auf dem Programm. Jesper Christensen schälte anhand vieler alter Aufnahmen von Interpreten des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts im Vergleich mit neuen Einspielungen die rhythmischen und auch klanglichen Subtilitäten der Interpretationstradition vor dem 1. Weltkrieg heraus: ungleichmässige Achtel, agogische Gestaltung von Phrasen, Verlängerung betonter Noten etc. Viele Beschreibungen in aufführungspraktischen Schriften ergänzten die Klangbeispiele. Erwähnt wurde auch Bachs E-Dur-Invention, deren Rhythmus als ausgeschriebenes Rubato der rechten Hand verstanden werden könnte. Schade nur, dass die Gelegenheit nicht genutzt wurde, dieses für Klavierpädagogen wichtige Beispiel am Klavier praktisch umzusetzen oder verschiedene Varianten auszuprobieren.

Dafür kamen im nächsten Referat Förderung rhythmischen Erlebens am Klavier von Tobias Schabenberger sowohl theoretische Überlegungen als auch Unterrichts-Praxis zum Zug. Ausgehend von der Etymologie des Wortstamms «Rit», was sowohl Ordnung, Gesetz als auch Fluss, Bewegung heisst, erläuterte er anhand vieler Beispiele aus der Unterrichtsliteratur, dass weniger intellektuelle Erklärungen über Notenwerte als vielmehr Körpergefühl und Bewegung die rhythmische Kompetenz von Schülern fördert. Dass er dies sehr fantasievoll in zwei Unterrichtssequenzen mit Schülern demonstrierte, war für die Teilnehmenden als Anregung für den Unterrichtsalltag sehr gewinnbringend.

Was den Praxisbezug betrifft war der Sonntagvormittag mit dem Thema Bodypercussion eine ideale Fortsetzung. Diesmal wurden nach einem Einführungsreferat von Andreas Gerber die Teilnehmenden selbst zu Praktizierenden. Verstärkt durch Karin Enz-Gerber ging es in zwei Gruppen ans Erlernen rhythmischer Patterns mittels durch den Köper erzeugter Klänge. Es war verblüffend, aber auch erheiternd, wie wir Profis am Klavier dann unter Umständen schnell an unsere Grenzen kommen, sobald die Abfolgen etwas komplexer werden.

An diesem Kongress ist es dem Vorstand auch wieder gelungen, zwei junge Absolventinnen des Musikpädagogischen Masterstudienganges einzuladen, die im zur Tradition gewordenen «Podium» ihre Abschlussarbeiten vorstellten. Rebekkah Läuchli sprach zum Thema Játekók, pädagogische Aspekte der Serie von G. Kurtág und  Annette Philipona über Vermittlung musikalischer Begriffe.

Der Themenkreis Rhythmus im Jazz fehlte nicht im Kongressprogramm. Andreas Meili konnte mit seinem sorgfältig aufgebauten, mit vielen Klangbeispielen versehenen Referat die Teilnehmenden auch am Sonntagnachmittag fesseln. Er umkreiste die rhythmischen Phänomene «Swing» und «Groove» und erinnerte mit der dargestellten Subtilität der Phänomene an den Facettenreichtum des Phänomens tempo rubato.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Mitgliederversammlung vom Samstagnachmittag, an der Brigitte Bernhard als Präsidentin nach 7-jähriger Amtszeit verabschiedet wurde. Vom Vorstand als Nachfolger vorgeschlagen und von den anwesenden Mitgliedern gewählt, hat Jean-Jacques Dünki das Amt des Präsidenten übernommen und am Sonntag gleich in seiner neuen Funktion die Schlussdiskussion moderiert.

Ob man von Anfang bis Schluss am Kongress teilnahm oder sich einzelne Rosinen herauspickte, der Kongress gab Anregung für die eigene künstlerische Praxis und das Unterrichten.
 


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