Urs Güntensperger auf der 13-saitigen Gitarre 
Romantische Originale und Transkriptionen

Romantische Originale und Transkriptionen

Torsten Möller, 28.02.2017

Urs Güntensperger spielt Romantisches auf der Gitarre: sowohl Originalstücke von Mertz und Coste wie auch Bearbeitungen von Brahms. Letztere machen Lust auf mehr.

Gewöhnlich hat die Gitarre sechs Saiten. Doch Urs Güntensperger spielt die romantischen Stücke meist auf einem 13-saitigen Instrument. Vor allem in den fülligen Tiefen machen sich die frei schwingenden Bordunsaiten bemerkbar. Doch auch im Diskant geht es höher als gewohnt: bis zum vier gestrichenen d, das sowohl Napoléon Coste fordert wie auch sein romantischer Komponisten-Kollege Johann Kaspar Mertz.

Zumindest innerhalb einer oft übersehenen Gitarren-Gemeinde sind Coste und Mertz alte Bekannte. Beeindruckende Titel wie Grande Serenade (Coste) oder Grande Fantaisie (Mertz) können aber Schwächen kaum verbergen. Güntensperger spricht von «Kabinettstückchen». Virtuoses Feuer entfachen sie also, nur die Wärme will nicht kommen. Stereotyp klingen jene Arpeggien, dazu kommen Wiederholungen, mangelnde Entwicklung, harmonische Redundanz. Salonmusik ist es wohl, nicht aber höhere Kunstmusik.

Das gitarristische Literaturproblem ist bekannt. Selbst eifrigste Interpretationsarbeit, die auch Güntensperger leistet, kommt an ihre Grenzen. Ein Ausweg aus der Misere besteht in Transkriptionen, die sich Gitarristen in der Regel selbst schreiben. Johann Sebastian Bachs Partiten und Suiten sind beliebt, manch vermessener Virtuose adaptierte sogar Bilder einer Ausstellung. Urs Güntensperger beweist mehr Geschmack. Er entschied sich für eine Bearbeitung dreier Klavier-Intermezzi aus op. 117 und op. 118 von Johannes Brahms. Ihr lyrischer, nachdenklich-intimer Charakter schmiegt sich der Gitarre schön an. Keine aufdringliche Effekthascherei, dafür hübsche Farbtupfer, die Güntensperger mit Flageoletts setzt. Der Ton bleibt einheitlich, das Tempo in schön ruhigem Puls. Am Ende also ein sehr ambivalentes Bild, verknüpft mit der Frage: Vielleicht eignet sich noch mehr von Brahms oder Schubert für die Gitarre?

Johannes Brahms
Johannes Brahms
Napoléon Coste
Image

Romantica – Gitarrenmusik des 19. Jahrhunderts. Werke von Mertz, Brahms, Coste und Manjón. Urs Güntensperger, 13-saitige Gitarre. swiss pan SP51 733


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