Das Ensemble Silberen mit «Blumenstein» 
Kammerjuuz

Kammerjuuz

Brigitte Bachmann-Geiser, 28.02.2017

Ererbte, bewegende Lieder und Tänze in respektvollen, aber auch durchaus heutigen Interpretationen.

Die drei Instrumentalisten um die Sängerin Barbara Berger wollen, obwohl sie auf Violine, Hackbrett und Kontrabass spielen, keine Streichmusik sein und schon gar nicht eine Ländlerkapelle. Und dennoch darf das Ensemble Silberen, das seinen Namen nach dem silberhellen Fels am Pragelpass im Kanton Schwyz gewählt hat, der traditionellen Musik zugeordnet werden. Die 16 Tracks des neuen Albums Blumenstein lassen sich mit drei Ausnahmen – den Kompositionen Randal von Barbara Berger, Wald Eingang von Christian Schmid und Annebäbi im Säli von Hannes Boss, der Bühnenmusik zum gleichnamigen Stück von Beat Sterchi – auf alte Schweizer Melodien zurückführen. Sie sind Volksliedersammlungen oder Tonträgern entnommen und in eigenschöpferischen Begleitungen auf den erwähnten Instrumenten, aber auch mit Harmonium, Hanottere (Emmentaler Halszither), Guitalele (kleine Gitarre von der Grösse einer Ukulele) und Schlagwerk in ungewöhnlichen Klangfarben und nervigen Rhythmen verfremdet und erneuert worden.

In umfassender Vorarbeit haben sich die Jodel-Dozentin an der Musikschule Konservatorium Bern und ihre Begleiter mit den wichtigsten Liedersammlungen der deutschsprachigen Schweiz (Sammlung von Schweizer=Kühreihen und Volksliedern, hg. von Johann Rudolf Wyss, Bern 1818; Das Volkslied im Appenzellerland, hg. von Alfred Tobler, Zürich 1903; Im Röseligarte, hg. von Otto von Greyerz, 6 Bändchen Bern 1908–1925; Was unsere Väter sangen, hg. von Alfred Leonz Gassmann, Basel 1961; Anderi Lieder, hg. von Urs Hostettler, Gümligen 1979 u. a. m.) auseinander gesetzt und den 1979 von Hugo Zemp publizierten Tonträger Les Jüüzli du Muotatal studiert.

Als besonders interessant gelten unter diesen Recherchen die Plötsche Mazurka aus einer unbekannten Handschrift in Privatbesitz und der solistisch gesungene Naturjuuz aus Wolfgang Sichardts Monografie Der alpenländische Jodler, Hahnefeld 1939.

Die fünf Musiker in schwarz-weisser Kleidung und die Gestaltung der neuen CD aus dem Zytglogge-Verlag, eine graue Scheibe mit silbernem Rand und ein weisses, schwarz bedrucktes Cover mit einem Hauch von Himmelblau, deuten auf den musikalischen Inhalt: Lieder über eine Kindsmörderin, eine Todkranke und über das Heimweh; Naturjodel auf blosse Silben ohne Wortbedeutung und dennoch voller Sinn.

Silberen ist ein volksmusikalisches Kammer-Ensemble, das hohe Ansprüche an die Interpreten und Zuhörer stellt.

Herz, mis Herz
Jüüzli vo dr Aigeflue
Wie komm ich nur durch diesen Wald
Annebäbi im Säli
Image

Silberen: Blumenstein. Barbara Berger, Stimme, Indisch. Harmonium; Christian Schmid, Kontrabass, Stimme; Hannes Boss, Hackbrett, Hanottere,Stimme; Roli Strobel, Harmonium, Gitarre, Schlagwerk, Stimme. Zytglogge ZYT 4627


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