«So What!», das zweite Album von dellatorre 
So entspannt wie elegant

So entspannt wie elegant

Michael Gasser, 28.03.2017

Der Wissensdurst von Reto Della Torre war derart gross, dass er nach dem Diplom an der Musikhochschule Luzern in den USA weiterstudierte. Jetzt legt der ausgebildete Jazz-Gitarrist seine zweite Platte vor, die spürbar vom Lebensgefühl Kaliforniens beeinflusst ist.

Als Teenager im luzernischen Littau lässt sich Reto Della Torre nicht von Hitparadenmusik bezirzen, sondern von Künstlern wie Stevie Ray Vaughan, Ray Charles oder dem im vergangenen Jahr verstorbenen Prince. Weil die Leidenschaft für Blues, R’n’B und Funk immer weiter wächst, intensiviert Della Torre auch sein Spiel auf sechs Saiten: Im Jahre 2000 nimmt der Jazz-Gitarrist an der Musikhochschule Luzern das Diplom entgegen, doch es dürstet ihn nach weiterem Wissen. In der Folge führt ihn sein Weg ans angesehene Musicians Institute in Los Angeles, wo man die Studenten auf eine Karriere in der Musikbranche trimmt.

Die kalifornische Metropole wird schnell zur zweiten Heimat Della Torres. Hier nimmt er denn auch sein Debüt Realize It auf – als dellatorre. Obschon Bassist Jimmy Haslip, Mitbegründer der renommierten Fusion-Band Yellowjackets, und Keyboarder Michel Forman, ein Vertreter des Modern Jazz, auf der Platte gastieren, zielt diese weit über die genannten Genres hinaus: Die sechs Songs des Schweizers mit italienischen Wurzeln verstehen es, eklektische Jazzfarben mit Blues und Rock anzureichern. Eine Mischung, die ebenso agil wie geschmeidig ist und insbesondere von Della Torres kraftvoller Gitarrenarbeit lebt.

Im vergangenen Oktober liess der Musiker auf seiner Facebook-Seite wissen, dass er im Studio von Robbie Krieger, einst Gitarrist der legendären Doors, seinen Zweitling eingespielt habe: «Acht Lieder in drei Tagen – live.» Mit So What! justiert Della Torre seinen Stil: Nicht nur ist er vom reinen Instrumentalsound abgewichen, er hat die neuen Tracks auch schnittiger gestaltet. Während sich das Titelstück dank Gastvokalistin Nio Renee dem Soul und Funk annähert, vermengt Here We Are Elemente sowohl aus dem Jazz als auch dem Soft-Rock der späten 1970er-Jahre. Das ist elegante Musik, die entspannt. Wie gemacht für lauschige Abende, an denen die Aufregung klein- und das Wärmegefühl grossgeschrieben werden. Mit So What! gelingt Reto Della Torre eine Platte, die schlechte Gedanken vertreibt. Und zwar im Nu.

So What!
Soul To Soul
Can You See Me Now
Image

dellatorre: So What! (Eigenvertrieb)
www.dellatorre.net

 


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