Flötistin Miriam Terragni und Pianistin Catherine Sarasin  
Romantische Trouvaillen

Romantische Trouvaillen

Niklaus Rüegg, 05.12.2017

Bei Coviello Classics ist am 1. Dezember 2017 unter dem Titel «Fantasie | Sonate» ein hörenswertes Album für Flöte und Klavier erschienen.

Für die Querflöte gibt es sehr wenig Literatur aus der Romantik, darum ist es äusserst verdienstvoll, dass sich die Soloflötistin des Aargauer Symphonie Orchesters «argovia philharmonic» Miriam Terragni zusammen mit ihrer Duopartnerin, der Pianistin Catherine Sarasin auf Entdeckungstour durch die Basler und Pariser Antiquariate gemacht hat. Die Ausbeute war sehr erfreulich: Allein sechs Stücke erleben auf dieser CD ihre weltweit erste Wiedergabe auf Tonträger – und es handelt sich dabei um echte Trouvaillen aus der deutschen (Spät-)Romantik und dem französischen Fin de Siècle.

Den Anfang macht die Fantasie-Sonate in A-Dur op. 17 des Liszt-Schülers Max Meyer-Olbersleben (1850–1927). Obwohl schon mehrfach im Druck erschienen, ist diese grosse dreisätzige Sonate heute so gut wie vergessen. Eine echte Referenzaufnahme fehlte bisher. Diese Lücke darf jetzt als geschlossen gelten. Die beiden Solistinnen ziehen gleich zu Beginn alle Register und lassen ein subtiles, ausgewogenes Zusammenspiel hören. In der anspruchsvollen Ballade in gis-Moll op. 9 für Klavier desselben Komponisten vermag sich Catherine Sarasin als kompetente Solistin zu profilieren. Dem Violinvirtuosen und Konzertmeister von Wagners Gnaden am Bayreuther Festspielhaus August Wilhelmj verdanken wir die Violinstimme zu Richard Wagners kurzer Klavierromanze WWV 94, welche von Miriam Terragni wiederum auf die Flöte übertragen wurde. Von Wilhelmj selbst stammt die Ballade: Sie verbindet Anklänge an eine wagnerische Chromatik mit einer ausladenden spätromantischen Harmonik. Lili Boulangers Pièce erlebt eine träumerische Premiere, gefolgt von der besser bekannten, zart musizierten Nocturne. In Dans la forêt enchantée des Franzosen Léon Moreau (1870–1946) wird die Ruhe des Waldes und das Vorbeischwirren flirrender Sylphen (Luftgeister) plastisch dargestellt. In der Valse Lente variiert Louis Masson die gemächliche Melodie allmählich ganz filigran – mit Ohrwurmpotenzial. Deux Morceaux op. 41 von Victor Alphonse Duvernoy (1842–1907), aufgestöbert in der berühmten Pariser Rue de Rome, sind bei keinem Verlag mehr gelistet. Das Intermezzo, das dem bedeutungsschweren Lamento folgt, setzt mit seinem bezaubernd leichten Rhythmus den Schlusspunkt dieser rundum geglückten Aufnahme.

Max Meyer-Olberleben
Richard Wagner
Louis Masson
Alphonse Duvernoy
Image

Fantasie | Sonate. Miriam Terragni, Flöte, Catherine Sarasin, Klavier. Coviello Classics DDD 2016


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.

Rezensionen finden

Die deutschsprachigen CD-Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

CD-Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Schweizer-CDs». Über die Suchfunktion hier auf der Seite können Sie gezielt nach Komponisten, Interpreten oder Schlagwörtern suchen. (Nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen.)

Weitere Tonträgerrezensionen

Rezensionen

Die deutschsprachigen Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Über die Suchfunktion auf dieser Seite können Sie gezielt nach Autoren oder Schlagwörtern suchen (nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen).

Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten» oder einem spezifischen Schlagwort.

Rezensionen auf Französisch.