Das Jugend-Streichorchester der italienischen Schweiz in Wien 
Auf Reisen: in der Musik und ausserhalb

Auf Reisen: in der Musik und ausserhalb

Zeno Gabaglio / Übersetzung: Maja Enderlin, 03.07.2013

Wie bereitet man ein Jugendorchester auf einen Wettbewerb im Ausland vor?

Im letzten Jahr erlebte das Jugend-Streichorchester der italienischen Schweiz (Orchestra d’Archi Giovanile della Svizzera Italiana) eine besondere Reise: Es wurde beim Summa Cum Laude International Youth Music Festival 2012 in Wien mit dem «First place with outstanding success» ausgezeichnet. Ein nicht nur auf musikalischer Ebene langer Weg erreichte mit der Wiener Auszeichnung einen Höhepunkt, diese war auch der Lohn für die während mehrerer Jahre mit viel Weitsicht und Sachverstand seitens der Direktorin Anna Modesti geleistete Arbeit. Sie erzählte in einem Gepräch von diesem unvergesslichen Abenteuer.

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Das Orchestra d’Archi Giovanile della Svizzera Italiana

Der Traum geht in Erfüllung

Der internationale Wettbewerb für Jugendorchester und -ensembles Summa Cum Laude findet alljährlich im Goldenen Saal des Musikvereins in Wien statt, einem der schönsten und traditionsreichsten Konzertsäle der Welt. Der Traum, einmal in diesem Saal spielen zu dürfen, stand am Anfang unserer Entscheidung, am Wettbewerb teilzunehmen. Natürlich hatte niemand Lust, einen schlechten Eindruck zu hinterlassen und so haben wir alle gemeinsam während zwei Jahren daran gearbeitet, den Wettbewerb vorzubereiten. Auch diese lange Vorbereitungszeit kann deshalb als eine Art «Reise» betrachtet werden.

Auftritt des Orchesters in der Minoritenkirche in Wien am 9. Juli 2012

Der Ablauf des Wettbewerbs sah eine Probe von 20 Minuten in Gegenwart einer Wettbewerbskommission und zwei Konzerte von je einer Stunde Dauer vor, die an diversen Standorten in Wien und Umgebung stattfanden. Das vorgeschriebene Repertoire musste den ersten Satz des Divertimento K 136 von Mozart, ein Stück eines Komponisten aus dem Herkunftsland der Teilnehmer und ein weiteres Werk nach freier Wahl enthalten. Gemeinsam mit den Jugendlichen entschieden wir uns für Policromie von Carlo Florindo Semini und die Serenade für Streicher von Dvořák. Dieses letztere, nicht einfach zu spielende Stück sollte die würdige Abrundung eines Weges sein, in dessen Verlauf wir uns schon mit Werken wie der Holberg-Suite von Grieg, den Serenaden von Elgar und Tschaikowsky und Mahlers Bearbeitung des Schubert-Quartetts Der Tod und das Mädchen beschäftigt hatten.

Dann begann das grosse Abenteuer. Um das sehr knappe Budget einhalten zu können, reisten wir am Vorabend mit dem Autobus in Lugano ab. Zwar waren wir nach der Fahrt ziemlich gerädert, aber wir konnten eine Hotelübernachtung einsparen. In Wien angekommen, hatten die Organisatoren des Wettbewerbs die Aktivitäten aller Gruppen während der gesamten Aufenthaltsdauer von vier Tagen bis ins Detail geplant. Die drei musikalischen Höhepunkte waren natürlich der Wettbewerb selber und die beiden Konzerte, aber es gab auch viele Gelegenheiten, den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern der 36 teilnehmenden Gruppen aus aller Welt zu pflegen. Der grösste Teil der Mitwirkenden war in der gleichen Einrichtung untergebracht, so dass ein gegenseitiges Zusammentreffen und Kennenlernen einfach war.

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Anna Modesti inmitten ihres Orchesters im Wiener Musikverein

Die Rolle der Orchesterleiterin

Auch ausserhalb unserer Reisen verstehe ich meine Rolle nicht als nur musikalisch Verantwortliche. Das Orchestra d’Archi Giovanile della Svizzera Italiana setzt sich aus Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren zusammen. Die meisten von ihnen verfolgen auf musikalischer Ebene keine professionellen Ziele. Ihre Mitwirkung im Orchester basiert allein auf der eigenen Motivation und der Freude an gemeinsamen, unvergesslichen Erlebnissen. Deshalb beschränke ich mich auch während des Jahres nicht nur auf das, was während der dreistündigen wöchentlichen Proben gespielt wird, sondern versuche, die Aktivitäten zur Förderung des Gruppensinns und der sozialen Zusammengehörigkeit unter den Orchestermitgliedern zu unterstützen. Das schafft ein Klima des Vertrauens und der Anteilnahme, das mir dann unter anderem erlaubt, durch die Welt zu reisen und zu wissen, dass ich auf die Jugendlichen zählen kann: von 2005 bis heute sind wir in den USA, in Schottland, in verschiedenen italienischen Städten (Trento, Verona, Bologna, Ferrara, Genua, Rom, Triest) und in der Schweiz (Winterthur, Basel, Zürich) aufgetreten und – vielleicht habe ich einfach Glück gehabt – nie habe ich mich in Situationen befunden, die schwierig zu meistern gewesen wären.


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