Editorial der Printausgabe 4/2015 

Michael Jackson im Altersheim

Jean-Damien Humair, Übersetzung Pia Schwab, 25.03.2015

Ich war sehr überrascht, als ein befreundeter Musiker mir kürzlich erzählte, er sei in einem Altersheim aufgetreten und die Bewohner hätten ihn nicht etwa gebeten, Mozart zu spielen oder Brassens oder Edith Piaf, sondern einen Hit von Michael Jackson.

Altern bedeutet heute etwas ganz anderes als noch vor zwei oder drei Generationen. Als 1948 die AHV eingeführt wurde, war der Ruhestand die Endphase des Lebens. Heute ist er für viele eine Zeit voller Neuheiten, Entdeckungen, ein Wiederaufblühen sozusagen. Man setzt sich wieder ans Klavier, tritt einem Chor bei oder beginnt sogar, ein neues Instrument zu erlernen. In der Regel hat man noch gut zwanzig Jahre vor sich. Die heutige Jugend, so schätzt man, wird im Durchschnitt sogar hundert werden!

Die Medien zeigen uns über Siebzigjährige, die kaum zu bremsen sind, von Jane Fonda bis Harrison Ford. Die Rolling Stones oder Deep Purple füllen immer noch Stadien ... Am Ende ist es die klassische Musik, die sich am wenigsten verändert hat. Sie kennt schon seit Langem die greisen Stars von Böhm bis Rubinstein.

Die Gesellschaft organisiert sich entsprechend: Es gibt Musiklektionen für Ältere, Chöre und sogar Musikfestivals in Altersheimen; Rhythmikkurse für Senioren sind ein Renner. Unsere Aprilnummer blickt auf dieses Panorama musikalischer Aktivitäten für das dritte und vierte Lebensalter. Möglicherweise wird schon bald ins Blickfeld rücken, was man heute als das fünfte Lebensalter zu bezeichnen beginnt, die über 110-Jährigen!

Und wenn die Menschen immer länger jung bleiben, ist es vielleicht nur folgerichtig, dass dies auch für gewisse Musik gilt. Kürzlich habe ich eine Drehorgelspielerin sagen hören: «Und jetzt etwas für die Jungen!», worauf sie In the Mood ankurbelte. Sie sah mich seltsam an, als ich ihr erklärte, dieses Stück sei aus der Zeit der Urgrosseltern der jungen Leute von heute.


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