Eine Neuenburger Firma sucht die Innovation 
Eine Schweizer E-Gitarre von A bis Z

Eine Schweizer E-Gitarre von A bis Z

Jean-Michel Pelet, Zusammenfassung Pia Schwab, 28.04.2016

Zum Bau einer elektrischen Gitarre braucht es Schreinerhandwerk, Mechanik und Elektronik. Viele Hersteller kaufen vorfabrizierte Teile. Die Firma Duvoisin in Neuenburg macht alles selbst.

Eines Tages hört Jacques Duvoisin, Uhrmacher und Restaurator, den Sound eines E-Basses auf der Strasse. Er beschliesst umzusatteln, um künftig E-Gitarren und Bässe zu entwickeln und herzustellen. Sein gitarren-begeisterter Sohn Gilles hat die Handelsschule abgeschlossen und sich danach dem Instrumentenhandel zugewandt. Weil auch eine Passion nicht ohne die entsprechende Ausbildung auskommt, macht er in den USA, in Rossville/Georgia, bei Warrior Instruments ein dreimonatiges Instrumentenbau-Praktikum. Bei seiner Rückkehr eröffnet er das Geschäft ACE Guitars in Saint-Blaise. Für die Holzbearbeitung ziehen Vater und Sohn Duvoisin Didier Coulet bei, dessen Familie eine Sägerei in der Gegend betreibt. Nach zahlreichen Versuchen und langem Tüfteln entwickeln sie eine Produktpalette an E-Gitarren und E-Bässen: die «Swiss Sonic Signature», die sie 2008 auf dem Markt bringen.

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Gilles Duvoisin bei der Feineinstellung einer E-Gitarre.

Uhrmacher, Instrumentenbauer, Ingenieur und Bankier
Heute sind bei Duvoisin vier Personen beschäftigt, die sich mit ihrem beruflichen Können perfekt ergänzen. Jacques Duvoisin kümmert sich um die technische Organisation, die Pläne, die mechanische Forschung. Er bringt Ideen ein und testet neue Techniken zusammen mit dem Elektroingenieur. Gilles Aufgabengebiete sind die Feineinstellung der hergestellten Instrumente, der Instrumentenbau im engeren Sinn und Reparaturen von Instrumenten aller Marken. Er bedient und berät die Kundschaft, demonstriert die Instrumente und geht auf persönliche Wünsche ein. Gérald Huguenin ist hauptberuflich Professor an der Ingenieurschule HE-Arc. Er ist zuständig für die Forschung und Entwicklung der elektronischen Bauteile. Der vierte im Bunde, Pierre Camilleri, ist Jurist und kommt aus dem Bankwesen. Er hatte bei Duvoisin drei Bässe bestellt und sich dann näher für die Firma interessiert. Heute unterstehen ihm die Bereiche Finanzen, Kommunikation und Marketing.
 

Technische Eigenentwicklungen
Die vier sind auf der Suche nach einem einzigartigen Produkt. In jeder Herstellungsphase versuchen sie Verbesserungen einzubringen: bei der Form, dem Holz, dem Design, bei Mechanik und Elektronik. Im Moment besteht ihr Sortiment aus drei Instrumentenreihen: Mit der «Standard» profiliert sich Duvoisin den grossen Marken Gibson, Fender, Ibanez, Yamaha gegenüber. Die «Super Standards» für Gitarren oder «Fat Standards» für Bässe sind Instrumente für Fans, die sich der Musik verschrieben haben und ein Instrument suchen, das sie jeden Tag begleitet. Die Reihe «Custom» besteht aus Spezialanfertigungen nach den jeweiligen Wünschen des Kunden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Instrumentenbauern stellt die Firma Duvoisin den Tonabnehmer selbst her; rund um die Mikrofone finden sich die wichtigsten Neuerungen. Mit dem Duvoisin MIG-82 Humbucker haben sie einen Tonabnehmer konstruiert, dessen Magnetplättchen eingesetzt oder ausgewechselt werden können, ohne das Mikro als Ganzes auszutauschen. Für E-Bässe wurde ein Aktiv-Pickup entwickelt, der die Klangqualität stark erhöht und die Transparenz der verschiedenen verwendeten Holzarten erhält. Eine patentierte Stegplatte und Saiten ohne Messingkugel sind weitere Innovationen auf dem Weg zu einem immer besseren Klang.

Kürzlich haben die Duvoisin ihre Instrumente an der NAMM in Anaheim/Kalifornien, der weltgrössten professionellen Musikmesse, präsentiert. Sie stellten fest, dass sie praktisch die einzigen Instrumentenbauer sind, die ihre eigenen Mikros herstellen. Ein junger japanischer Berufsmusiker war zu Tränen gerührt, nachdem er auf einem Custom-Bass aus Pappelholz gespielt hatte.

www.duvoisinguitars.com


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