
Im Laufe der langen Orgelgeschichte gab es Glanzzeiten und Zeiten abflauenden Interesses. Heute befinden wir uns wieder einmal in einer Talsohle: Die Orgel wird zunehmend aus der Kirche und aus dem Konzertleben verdrängt, beim Nachwuchs hapert es bedenklich; nicht mehr verwendete Orgeln werden in den Osten transferiert. Wie kann, vor allem bei der jungen Generation, Gegensteuer gegeben werden? Die gesamteuropäische Tagung Orgel Orgue Organo Organ 2011 im September nächsten Jahres in Zürich wird sich mit dieser Thematik beschäftigen. Einer, der besonders erfolgreich und ohne qualitative Konzessionen die Orgel popularisiert, ist Wolfgang Sieber, bald 20 Jahre Stiftsorganist der Hofkirche Luzern.
B.B.: Gerne würden wir erfahren, wie du es schaffst, Leute jeglichen Alters und aller Schichten mit deinen Orgelvorführungen zu erreichen und nachhaltig zu beeindrucken. Dies zu erklären wird kaum möglich sein, da es wohl keine einfachen Rezepte gibt. Deshalb möchten wir zunächst von dir hören, wie du aufgewachsen bist und was für Eindrücke dich geprägt haben.
W.S.: Mein Vater war ein musikalisch besonders aktiver Primarlehrer, der seinen Nebenberuf Kirchenmusiker bald einmal zum Hauptberuf machen konnte. In seiner Familie hatte man seinen Wunsch, Geige spielen zu lernen, als abwegig empfunden. Über den Umweg einer Handorgel kam er zu Klavier, Orgel und Chorleitung. Was er sich nicht autodidaktisch aneignete, lernte er bei Franz Pezzotti, Berti Biedermann und Karl Matthaei. Im Toggenburg, im Städtchen Lichtensteig und Umgebung, leitete er Kirchen-, Männer- und Frauenchöre und unterrichtete Schulgesang.
Kannst du mir frühe Schlüsselerlebnisse erzählen?
Mit fünf Jahren, damals noch in Kirchberg, sass ich zu Füssen der Organistin Idda Heuberger und bewunderte ihr Pedalspiel. Bei ihr sollte ich später einen gestrengen Orgelunterricht erhalten; sie plagte mich mit Dupré-Pedalübungen. Zuhause hörte ich 78-Touren-Schellackplatten, Hornkonzerte von Mozart und frühe Orgelaufnahmen von Hans Vollenweider, noch in Thalwil entstanden.

(SMZ) Die historisch informierte Aufführungspraxis stösst zu Werken vor, die von den Komponisten selbst auf Schallplatte aufgenommen wurden. Welche Wechselwirkungen ergeben ... >> mehr
Das Interesse für Orgelmusik schwindet, junge Organistinnen und Organisten sind rar, Instrumente werden abgebaut. Gespräch mit einem vielseitigen Menschen, der etwas gegen ... >> mehr
Von 1965 bis 1972 war Rudolf Kempe Chefdirigent, anschliessend Erster Dirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich, eine künstlerisch hoch stehende, persönlich wechselvolle Zeit. ... >> mehr