Musikkultur und KI

Technische, künstlerische, rechtliche, ethische und soziale Fragen zur musikalischen Produktion und Rezeption mit künstlicher Intelligenz.

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Der Sammelband Künstliche Intelligenz der Töne bietet einen soliden Überblick über die aktuellen Diskussionen zur künstlichen Intelligenz in der Musikbranche. Die Themen reichen von technischen Hintergründen über Fragen zu Urheberschutz, Produktion und Vermittlung bis zur Reflexion der Entwicklungen in der Kunstkritik. Die meisten Beiträge sind leicht lesbar. Glanzpunkte setzen etwa Ludger Brümmer, der das statistische Prinzip der für die KI wichtigen Markov-Ketten nachvollziehbar macht, oder Michael Schmidt mit einem Überblick über physische und digitale Werkzeuge der Komposition mit Hilfe von KI.

Zu historischen Reaktionen des Feuilletons auf frühe Versuche von Komposition und Aufführung von KI-inspirierten Werken liefert Dorte Lena Eilers Unterhaltsam-Anekdotisches. Die Kritikergilde habe ChatGPT eiskalt erwischt, schreibt sie. Den Spott, den sie über die Linzer Ars Electronica und das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie giesst, welche «die Zukunft nicht im Griff» hätten, könnte man durchaus auch den Texten in diesem Buch zukommen lassen.

Inwieweit die «säuberliche Trennung zwischen Werk, Bearbeitung, Interpretation und Aufführung noch zu einer KI-gestützten Musikpraxis» passe, fragt zwar der Klappentext, das Thema wird aber im konventionellen, diese Bereiche säuberlich trennenden Feuilleton-Stil abgehandelt. Die ganze Textsammlung mutet damit etwas nostalgisch an. Hilfreich sein dürfte sie für die Generationen, die vor der digitalen Revolution sozialisiert wurden. Digital- und vermutlich bald AI-Natives werden sich ihre Informationen zu den Entwicklungen der KI in der Musikbranche mit Youtube und ChatGPT zusammensuchen. Mit allen damit verbundenen Risiken. Und dies dürfte die hauptsächliche Stärke des Buches sein: Man kann den Informationen praktisch uneingeschränkt vertrauen.

Künstliche Intelligenz der Töne – Ethik und Ästhetik digitaler Musikkultur, hg. von Michael Schmidt, 124 S., € 22.00, Edition text + kritik, München 2025 , ISBN 978-3-689-30030-2

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