Schweizerische Nationalphonothek: neue Projekte
Die Nationalphonothek, eine Institution zur Bewahrung der kulturellen Identität der Schweiz. Neue Projekte zur Aufwertung unseres klingenden Kulturguts.
Die Schweizerische Nationalphonothek wurde 1987 gegründet, hat ihren Sitz in Lugano und ist seit 2016 eine Abteilung der Schweizerischen Nationalbibliothek. Ihr Auftrag ist es, sämtliches Tonmaterial, das einen Bezug zur Schweiz hat, in den Bereichen Musik (Klassik, Folk, Jazz, Pop und Rock), Sprache (Interviews, Lesungen, Vorträge…) und Geräusche (Naturgeräusche, Umgebungsgeräusche…) zu sammeln, zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Sinne trägt die Fonoteca zur Bewahrung der kulturellen Identität der Schweiz bei.
Heute ist die Fonoteca mit ihren 25 Mitarbeitenden ein wichtiges internationales Kompetenzzentrum, das auf die Konservierung und Dokumentation von audiovisuellen Medien spezialisiert ist. Derzeit befinden sich in den Archiven der Fonoteca rund 600 000 Tonträger aller Formate (Wachszylinder, Tonbänder, Kassetten, Vinylplatten usw.). Über 300 000 davon sind bereits in der Datenbank erfasst und können somit im Online-Katalog der Nationalphonothek (www.fonoteca.ch) konsultiert werden. Über 100 000 dieser Tonträger wurden bereits digitalisiert und können somit im Online-Katalog angehört werden, was fast einer Million Audiotracks entspricht: Diese bereits digitalisierten Tondokumente können in der ganzen Schweiz an den «Hörstationen» angehört werden, welche die Fonoteca in rund fünfzig öffentlichen Institutionen wie Kantonsbibliotheken, Universitäten und Musikhochschulen eingerichtet hat (siehe die Liste der «Hörstationen» unter www.fonoteca.ch/services/listeningPoints_de.htm).
Neue Projekte: Exklusive Interviews online abhörbar
Im Laufe des Jahres 2026 wird die Nationalphonothek einige neue Projekte zur Aufwertung unseres klingenden Kulturguts lancieren. Eines davon ist die Veröffentlichung exklusiver Interviews mit grossen Persönlichkeiten der klassischen Musik aus der Schweiz und dem Ausland. Die Interviews werden in den Tonstudios der Fonoteca von Gabriele Cerilli, dem für den Bereich klassische Musik zuständigen Mitarbeiter, geführt.
Das erste Interview ist mit Fritz Näf, einem bedeutenden Schweizer Chorleiter. Als Gründer der «Basler Madrigalisten» und des «Schweizer Kammerchors» sprach er über seine musikalische Karriere und den Stand der Chormusik in der heutigen Zeit.
Das zweite Interview ist mit Giorgio Appolonia und Giuseppe Clericetti, zwei historischen Stimmen der RSI Radiotelevisione svizzera. Als langjährige Produzenten und Journalisten haben sie sich mit dem heiklen Thema der Bedeutung der «aufgenommenen» Musik und ihrer Zukunft auseinandergesetzt.
Zwei weitere Interviews sind in Vorbereitung und werden ab Januar 2026 veröffentlicht. Das erste ist mit Carlo Chiarappa, einem bekannten Geiger und langjährigen Dozenten am Conservatorio della Svizzera Italiana. Er erzählte uns von seiner Tätigkeit zur Wiederentdeckung der Barockmusik und von seiner Erforschung der zeitgenössischen Musik, dank auch seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Luciano Berio.
Das zweite Interview ist mit der deutschen Geigerin Anne-Sophie Mutter. Sie war mehrere Jahre lang Schülerin der berühmten Schweizer Pädagogin Aida Stucki und erzählte uns von ihrem Studienweg und der Bedeutung dieser Jahre für ihre zukünftige Konzerttätigkeit sowie von einigen interessanten Überlegungen zu ihrer Tätigkeit als Lehrerin und zum aktuellen Stand der klassischen Musik. Einige dieser Interviews können bereits im Online-Katalog oder auf dem YouTube-Kanal der Nationalphonothek angesehen und angehört werden (www.youtube.com/@swissnationalsoundarchives).
