Warum die Halbierungsinitiative das Schweizer Musikleben ins Mark trifft
Die Schweiz ist ein musikalisches Land. Millionen singen, spielen, hören, besuchen Konzerte und Festivals. Doch diese lebendige Musiklandschaft ist auf Sichtbarkeit angewiesen. Mit der sogenannten SRG-Halbierungsinitiative steht genau jene mediale Bühne auf dem Spiel, die Schweizer Musik seit Jahrzehnten trägt, dokumentiert und einem breiten Publikum zugänglich macht.
Diese Leistungen sind kein Nebenprodukt, sondern Teil eines kulturpolitischen Auftrags. Private Medien können – und wollen – diese Rolle nicht übernehmen. Sie orientieren sich an Klickzahlen, Werbemärkten und international verwertbaren Inhalten. Klassik, Jazz, Volksmusik, Neue Musik oder experimentelle Formate hätten dort kaum Platz. Ohne SRG würde ein grosser Teil des Schweizer Musikschaffens aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.
Eine Bühne für alle – nicht nur für den Mainstream
Besonders einschneidend wären die Folgen für Nachwuchskünstlerinnen und -künstler. Formate wie SRF 3 Best Talent, RTS Radar oder Eurovision Young Musicians bieten jungen Musikerinnen und Musikern eine erste nationale Bühne – oft der entscheidende Schritt in eine professionelle Laufbahn. Diese Plattformen existieren, weil die SRG nicht nach kurzfristiger Rendite funktioniert, sondern langfristig kulturelle Entwicklung ermöglicht.
Auch für etablierte Ensembles, Chöre und Orchester ist die SRG zentral. Konzertübertragungen, Aufzeichnungen und Porträts schaffen Reichweite weit über den Konzertsaal hinaus. Sie sorgen dafür, dass Musik nicht nur vor Ort, sondern landesweit präsent ist – auch in Regionen, in denen es kaum noch private Medien gibt.
Kultur braucht Erinnerung
Hinzu kommt ein Aspekt, der oft übersehen wird: die kulturelle Erinnerung. Jedes Jahr entstehen hunderte Konzertmitschnitte, Musikdokumentationen und audiovisuelle Archive. Diese Aufnahmen sind mehr als Content – sie sind Zeitzeugnisse. Sie zeigen, wie die Schweiz klingt, heute und morgen. Mit einer halbierten SRG würde dieses klingende Gedächtnis brüchig. Denn niemand sonst produziert, pflegt und macht diese Bestände in vergleichbarer Breite und Qualität zugänglich.
Film, Serien – und die Musik, die sie trägt
Die Halbierungsinitiative träfe nicht nur die Musik direkt, sondern auch das Schweizer Filmschaffen – und damit die Production Music. Über den Pacte de l’audiovisuel investiert die SRG jährlich rund 34 Millionen Franken in unabhängige Schweizer Filme und Serien. Für Komponistinnen, Sounddesigner, Tonstudios und Musiker bedeutet das hunderte Aufträge pro Jahr. Fällt diese Finanzierung weg, bricht ein zentraler Markt für angewandte Musik weg – mit gravierenden Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette.
Eine Halbierung ist kein Sparprogramm
Die SRG spart bereits heute massiv und befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Eine Halbierung der Mittel wäre kein weiterer Effizienzschritt, sondern ein struktureller Einschnitt. Regionale Studios müssten schliessen, Produktionen würden zentralisiert, regionale und kulturelle Vielfalt ginge verloren. Besonders betroffen wären die lateinischen Sprachregionen und Randgebiete – und mit ihnen jene musikalischen Stimmen, die ohnehin um Sichtbarkeit kämpfen.
Was auf dem Spiel steht
Die Halbierungsinitiative ist damit weit mehr als eine medienpolitische Vorlage. Sie ist eine kulturpolitische Richtungsentscheidung. Es geht um die Frage, ob Schweizer Musik weiterhin eine nationale Bühne hat – oder ob sie im Schatten internationaler Plattformen verstummt. Wer das Schweizer Musikleben ernst nimmt, muss diese Konsequenzen mitdenken.
Kampagnenmaterial bestellen
Der Schweizer Musikrat engagiert sich mit der Kampagne «Wo die Musik spielt» gegen die SRG-Halbierungsinitiative. Informationsmaterial, Argumentarien, Flyer und Sticker können bestellt werden unter: info@musikrat.ch
Weitere Informationen und viele Stimmen aus dem Schweizer Musikschaffen: wodiemusikspielt.ch
