In eigener Sache

Beim Telefondienst und bei der täglichen Arbeit für den SMPV höre ich immer wieder dieselben zwei Fragen, obwohl wir versuchen, möglichst umfassend zu informieren.

Wenn Sie SMPV-Mitglied sind, unsere Mails und Mitteilungsblätter lesen und ab und zu in unserer Homepage smpv.ch stöbern, werden Sie in diesem Artikel wohl nicht viel Neues erfahren. Oder doch?

Wer ist SMPV-Mitglied und wer kann SMPV-Mitglied werden?

Es kommt immer wieder vor, dass Nicht-Mitglieder sich vom SMPV beraten lassen wollen oder von günstigen, den Mitgliedern vorbehaltenen Weiterbildungstarifen profitieren wollen, weil sie überzeugt sind, SMPV-Mitglied zu sein. „Aber ich arbeite doch an einer Musikschule, ich bin sicher Mitglied“, heisst es dann.
Wenn man dem SMPV angehören will und von seinen Dienstleistungen profitieren will, muss man ihm explizit beitreten und jedes Jahr einen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Beitreten kann, wer einen Master Musikpädagogik oder ein altrechtliches Lehrdiplom vorweisen kann.
Die wichtigsten Dienstleistungen, von denen Mitglieder profitieren können, sind für angestellte Musiklehrpersonen die gewerkschaftliche Vertretung in schwierigen Situationen am Arbeitsplatz durch das nationale operative Team oder die Sektionspräsidien, die Erstberatung durch die Verbandsjuristin und die politische Arbeit des SMPV, der sich für verbesserte Arbeitsbedingungen an Musikschulen, faire Löhne und dem Beruf angepasste Lösungen bei den Sozialversicherungen einsetzt. Wie die Selbstständigerwerbenden profitieren sie auch von den beiden verbandseigenen Plattformen, rent-a-musician.ch, auf der sie ihre Konzerttätigkeit bewerben können und mein-musikunterricht.ch, auf der sie für ihren privaten Musikunterricht werben können. Für Selbstständigerwerbende sind die Tarifempfehlungen des SMPV sehr wichtig, die Musterverträge für den Privatunterricht und die Möglichkeit, bei der Pensionskasse Musik und Bildung ihr Einkommen versichern lassen zu können.

Beide Gruppen profitieren vom vergünstigten, praxisrelevanten Weiterbildungsangebot, von sektionsabhängigen Angeboten wie Musizierstunden und Lehrerkonzerten und nicht zuletzt vom Netzwerk SMPV.
Auf Initiative eines Lehrerkonvents hat der SMPV Bern an seiner letzten HV die Möglichkeit geschaffen, Lehrerkonvente Bernischer Musikschulen als Kollektivmitglieder aufnehmen zu können. Die einzelnen Lehrpersonen sind dann zwar nicht SMPV-Mitglieder, wenn sie dem Verband nicht selbst beitreten, aber die Konventsleitung erhält Beratung und Unterstützung, und (kultur)politische Anliegen der Konvente können vom Vorstand in die Politik getragen werden, und sie werden in die politisch-gewerkschaftliche Arbeit des Verbands miteinbezogen.

Fragen rund um ein (un)mögliches privates Musikstudium

Es kommt immer wieder vor, dass jemand anruft, weil er oder sie beim SMPV Musik studieren möchte oder einen besonders begabten Schüler über den SMPV ausbilden möchte.

Leider gibt es diese Ausbildungsmöglichkeit nicht mehr.
2005 entschied der SMPV, dass er die Berufsausbildung auslagern oder aufgeben muss. Das hatte zwei Gründe: Die SMPV-Diplome waren zwar faktisch anerkannt und Musikschulen stellten sie oft Lehrdiplomen von kantonalen Konservatorien gleich, aber sie waren nicht staatlich anerkannt. Mit der Bologna-Reform wurde das zum echten Problem. Es war absehbar, dass SMPV-Diplome, die ausgestellt würden, nachdem die ersten Bachelor- und Masterdiplome im Musikbereich ausgestellt worden waren, merklich an Wert verlieren würden. Zweitens musste der SMPV einsehen, dass er die Berufsstudien nicht mehr finanzieren konnte. 2007 wurde die Verantwortung für die privaten Musikstudien an die Stiftung Schweizer Akademie für Musik und Musikpädagogik SAMP übertragen, die in Jakob Limacher und der Kalaidos Fachhochschule ideale Kooperationspartner fand. 2009 gründeten die SAMP und die Kalaidos Fachhochschule gemeinsam die Musikhochschule SAMP AG, die, nachdem die Bachelor- und Masterstudiengänge akkreditiert worden waren, zur Kalaidos Musikhochschule wurde. In einer Übergangsfrist konnten die SMPV-Studierenden ihre Studien noch abschliessen und ihre SMPV-Lehrdiplom- oder Konzertdiplomprüfungen ablegen. Dafür unterstütze der SMPV die junge Musikhochschule mit einem jährlichen Sockelbeitrag, und der von fünf SMPV-Mitgliedern gegründete „Förderkreis der privaten musikalischen Berufsausbildung in der Schweiz“ sammelte Kleinspenden zur Unterstützung der Fachhochschule.
2019 wurde die Kalaidos Fachhochschule an die Klett Gruppe verkauft. Diese entschied, die Kalaidos Musikhochschule auf Sommer 2027 zu schliessen. So findet die Geschichte des privaten Musikstudiums in der Schweiz nächsten Sommer nach hundertvierzehn Jahren ihr Ende.

Ich gebe zu, dass ich dieser privaten Ausbildungsmöglichkeit, wenn ich von Fachkräftemangel an Musikschulen höre, ab und zu ganz leise nachtrauere. Aber nein, ich sehe keine Möglichkeit, sie wieder zum Leben zu erwecken.

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