Deutschschweizer Städte fördern bevorzugt die Klassik
Die Initianten der baselstädtischen Musikvielfalt-Initiative zeigen in einer Analyse auf, wie die Städte Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich das Musikschaffen mit öffentlichen Geldern unterstützen. Der Löwenanteil geht an die Sparte «Klassik» – aber längst nicht überall gleich viel.

Laut den am Dienstag publizierten Zahlen investierte Genf im untersuchten Jahr 2024 am meisten, nämlich 375 Franken pro Kopf in die Musik, Lugano mit 99 Franken am wenigsten. In Basel waren es 144 Franken, in Bern 179 Franken, in Lausanne 201 Franken und in Zürich 236 Franken. Rund 82 Prozent, teils sogar bis 96 Prozent der öffentlichen Musikfördergelder gehen laut der Zusammenstellung der Musikvielfalt-Initiative mehrjährig an dieselben Begünstigten. Die Auswertung berücksichtigt städtische und kantonale Fördermittel sowie Gelder aus den Lotterie-Fonds. Gefördert wurden mit diesen Mitteln Spielstätten, Events, Institutionen sowie Projekte im freien Musikschaffen.
Die Gruppe «Klassik» band in allen Städten über 70 Prozent aller Fördermittel. Der bewegliche Fördergeldanteil sei demgegenüber überall minimal, heisst es in der Auswertung. In Zürich flossen 95 Prozent der Gelder in die Gruppe «Klassik», in Lausanne 76 Prozent. Die Städte der Westschweiz liessen zeitgenössischen Musikstilen (Pop, Rock, Jazz, Hip-Hop und so weiter) anteilmässig deutlich mehr Unterstützung zukommen als die Deutschschweizer Städte. Genf habe dafür pro Kopf zum Beispiel doppelt so viel ausgegeben wie Basel und Bern.
Orchester, Konzert- und Opernhäuser binden die meisten Mittel
Mit ihren Daten zeigt die Musikvielfalt-Initiative einmal mehr, dass der klassischen Musik nach wie vor der grösste Anteil an der Förderung zukommt. Verantwortlich dafür sind in erster Linie Kosten für die traditionellen Institutionen: Orchester, Konzertlokale und Opernhäuser. Das hat historische Gründe: Diese Institutionen galten bis zum Ende des 20. Jahrhunderts weitestgehend als einzige ernstzunehmende Akteure des städtischen Musiklebens. Zeitgenössische Musikstile und Volkskultur wurden demgegenüber vor allem über die flexibler verwendbaren Gelder der Lotterie-Fonds unterstützt. Die gestiegene Bedeutung von Rock, Pop, Jazz und so weiter spiegelt sich noch immer nicht in der Aufteilung der öffentlichen Förderbeiträge.
Die baselstädtische Volksinitiative «für mehr Musikvielfalt» hatte zum Ziel, das freie Musikschaffen im Kanton Basel-Stadt pro Jahr mit mindestens einem Drittel des gesamten Förderbudgets im Bereich Musik zu fördern. Sie wurde im November 2024 mit 64 Prozent Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.
