KI-Musik ist angekommen – aber nicht überall willkommen
Eine repräsentative Studie aus Deutschland zeigt: KI-generierte Musik gehört für viele Menschen bereits zum Alltag. Gleichzeitig verlangt eine deutliche Mehrheit eine klare Kennzeichnung und eine Vergütung der Musikschaffenden. Auch wenn die Untersuchung in Deutschland durchgeführt wurde, dürften ihre zentralen Ergebnisse in weiten Teilen auf die Schweiz übertragbar sein.
Vier von zehn Menschen in Deutschland haben bereits bewusst Musik gehört, die von künstlicher Intelligenz erzeugt wurde. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 63 Prozent. Das zeigt der zweite «Musikmonitor Deutschland» des Deutschen Musikinformationszentrums (miz).
Unter jenen Befragten, die bereits KI-generierte Musik gehört haben, gehen die Einschätzungen auseinander: 48 Prozent gefiel sie gut oder sehr gut, rund ein Drittel bewertete sie als weniger oder gar nicht gut. Gleichzeitig glauben nur 28 Prozent der Gesamtbevölkerung, dass künstliche Intelligenz ebenso gute oder bessere Musik hervorbringen könne als ein Mensch.
Für die repräsentative Studie führte das Institut für Demoskopie Allensbach im Juli 2026 insgesamt 1040 persönliche Interviews mit Menschen ab 16 Jahren durch.
Menschliche Urheberschaft bleibt wichtig
Für 56 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass die Musik, die sie hören, von einem Menschen geschaffen wurde. 41 Prozent sagen zudem, Musik könne sie nur berühren, wenn sie wüssten, dass ein Mensch dahinterstehe.
Gleichzeitig bezweifelt die Mehrheit, dass sich die Herkunft eines Musikstücks zuverlässig erkennen lässt. 51 Prozent halten die Unterscheidung zwischen menschlich und künstlich erzeugter Musik für schwierig, weitere 15 Prozent sogar für unmöglich.
Wie KI in der Musik beurteilt wird, hängt stark von ihrem Einsatz ab. Grosse Zustimmung findet sie dort, wo sie als Werkzeug dient: 74 Prozent akzeptieren ihren Einsatz bei der Restaurierung alter oder beschädigter Aufnahmen. 47 Prozent befürworten KI bei der Bearbeitung von Musik, 42 Prozent als Unterstützung bei der Entwicklung von Melodien.
Deutlich geringer fällt die Zustimmung aus, sobald KI menschliche Kreativität ersetzt. Nur 15 Prozent finden es in Ordnung, wenn Musikstücke ohne menschliche Beteiligung komponiert werden. Vollständig künstliche Gesangsstimmen akzeptieren 16 Prozent, die Nachahmung der Stimme einer bestimmten Musikerin oder eines bestimmten Musikers lediglich zehn Prozent.
Auch beim Abspielen KI-generierter Musik zeigen sich klare Grenzen: In Computerspielen, Werbung oder Videoclips wird sie mehrheitlich akzeptiert. Bei Streamingdiensten sind es noch 22 Prozent, im Radio 15 Prozent und bei Livekonzerten vier Prozent.
Klare Forderung nach Regeln
Zwei Drittel der Befragten sprechen sich dafür aus, KI-generierte Musik eindeutig zu kennzeichnen. 58 Prozent verlangen zudem, dass Musikerinnen, Musiker sowie Komponistinnen und Komponisten vergütet werden, wenn ihre Werke zum Training von KI-Modellen verwendet werden. Ebenso viele sehen in künstlicher Intelligenz eine Bedrohung für die berufliche Existenz von Musikschaffenden.
Die Studie zeigt damit keine pauschale Ablehnung künstlicher Intelligenz. Akzeptiert wird sie vor allem als unterstützendes Werkzeug. Die Zustimmung sinkt deutlich, wenn sie menschliche Kreativität ersetzt, Stimmen imitiert oder ihre Verwendung nicht erkennbar ist. Kennzeichnung, Vergütung und der Schutz menschlicher Urheberschaft dürften deshalb auch in der Schweiz zu den zentralen musikpolitischen Fragen der kommenden Jahre gehören.
Hier ist die ganze Studie verfügbar: Musik und Künstliche Intelligenz – Musikmonitor Deutschland
