Die körperliche Gesundheit von Musiker*innen
Die Gesundheitsvorsorge wird zu sehr vernachlässigt, obwohl ihr besonders bei gesundheitlichen Problemen, die mit der Musikausübung verbunden sind, eine grosse Bedeutung zukommt.
Wie kann die Musik, die so viel Gutes für Geist und Körper tut, Leiden und körperliche Beschwerden erzeugen, die im schlimmsten Fall dazu führen können, dass die Musikausübung eingeschränkt oder gar aufgegeben werden muss? Jeder Beruf ist mit Risiken verbunden, und die Rolle der verschiedenen staatlichen Behörden und Institutionen, und natürlich der Arbeitgeber, besteht darin, Unfälle, Leiden, Krankheiten oder Behinderungen, die sich aus der Berufsausübung ergeben, so weit wie möglich zu verhindern. Was die Musiker*innen selbst betrifft, müssen sie ihrem Lebensstil besondere Beachtung schenken, insbesondere, was ihre Ernährung betrifft und ihre körperliche Verfassung (zum Beispiel die Belastbarkeit des Herzens oder die Lungentätigkeit), aber auch ihrer Körperhaltung. Wie Büroangestellte, die zu lange vor ihren Computern sitzen, verbringen die meisten Instrumentalist*innen oft viel Zeit im Sitzen. Verbunden mit der Gewohnheit, zu lange oder permanent eine schlechte Haltung einzunehmen, kann dies zu schmerzhaften Muskelentzündungen führen. Man kann diese zwar mit Medikamenten bekämpfen, was aber Risiken birgt (Nebenwirkungen, auch in Kombination mit anderen Behandlungen, Suchteffekte, Konzentrationsschwäche und Schläfrigkeit). Wirkungsvoller ist aber eine physiotherapeutische Behandlung, die Haltungsprävention, Aufwärm- und Dehnübungen, körperliche Rehabilitation, Muskelstärkung und -entspannung kombiniert, da sie direkt an den Ursachen ansetzt und nicht nur die Symptome lindert. In der Schweiz werden neben der Physiotherapie auch Behandlungen wie Chiropraktik oder Ergotherapie von der Grundversicherung übernommen. Für die teilweise Rückerstattung anderer Behandlungsmethoden wie der Osteopathie oder der Feldenkrais-Methode, um nur zwei zu nennen, muss man allerdings eine Zusatzversicherung abschliessen. Im Idealfall wäre die Prävention vorzuziehen, aber in der Regel sind Vorsorgemassagen nicht in den Leistungen der Grundversicherung enthalten, obwohl dies viel höhere Kosten im Fall von Sehnenscheidenentzündungen, fokaler Dystonie oder anderen muskulären Problemen vermeiden würde. Zahlreiche Firmen bieten Massagen für ihre Angestellten an, jede Spitzensportmannschaft beschäftigt einen oder mehrere Physiotherapeut*innen, wäre es da nicht an der Zeit, dass grosse Instrumentalensembles diese Leistung ebenfalls anbieten würden?
Tabuthemen
Musiker*innen, vor allem auch Freischaffende, neigen häufig dazu, gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit der Berufsausübung zu verharmlosen oder zu verbergen, obwohl eine Früherkennung es erlauben würde, die Beschwerden zu behandeln, bevor sie sich verschlimmern. Aus wirtschaftlichen Gründen ist es oft schwierig, die Zahl der Engagements zu begrenzen, auch wenn eine Muskelermüdung droht. Darüber hinaus können sich Instrumentalist*innen – da sie glauben, dass ihr Problem ein persönliches Versagen oder ein Problem im Zusammenhang mit ihrer Technik ist – auch zu Unrecht schuldig fühlen und versuchen, selbst irgendwie eine Lösung zu finden, anstatt Spezialist*innen zu konsultieren. Dabei gibt es heute Therapeut*innen, die auf die Behandlung physischer oder psychischer Störungen im Zusammenhang mit der Musikausübung spezialisiert sind, und auch die Forschung auf diesem Gebiet macht grosse Fortschritte.
Globale Gesundheit
Eine der Ursachen gesundheitlicher Probleme, die mit der Musikpraxis im Zusammenhang stehen, liegt in der Ergonomie der Instrumente selbst, die nicht immer den natürlichen körperlichen Veranlagungen des Menschen entspricht. Dieser Faktor kann durch die Länge des täglichen Spielens verschlimmert werden, besonders bei Proben und Konzerten. Hier kommen möglicher Stress, langes Sitzen, beschränkte Entspannungsmöglichkeiten und die spezifischen Eigenschaften des Konzertorts zusammen (zum Beispiel eine enge oder geneigte Bühne, Hitze, Feuchtigkeit). Nicht zu vergessen sind die Anforderungen an die Ausdauer und an die Konzentration sowie gegebenenfalls die Komplexität und technischen Herausforderungen mancher Werke. Abgesehen von schwerwiegenden Erkrankungen des Bewegungsapparates kann jede funktionelle Veränderung und jedes geringfügige gesundheitliche Problem das instrumentale Spiel stören. Sich ein gutes metabolisches Gleichgewicht zu bewahren, Müdigkeit und Angstzustände zu vermeiden und seine Emotionen kontrollieren zu können, sind unerlässliche Eigenschaften, um eine hohe Leistungsqualität aufrechterhalten zu können. Es gibt wenig Berufe mit so hohen Anforderungen und mit dem ständigen Druck der konstanten Bewertung individueller oder kollektiver künstlerischer Leistungen durch das Publikum, die Geldgeber oder die Musikkritik. Es muss daher alles getan werden, damit nichts diese Fähigkeiten auf sehr hohem Niveau stören kann.
Das Engagement des SMV für die Gesundheit
Um das zu gewährleisten, ist der SMV Mitglied bei Swissmedmusica (SMM) sowie in der Fachgruppe Gesundheit der Schweizerischen Interpretenstiftung (SIS) und nimmt sich aktiv der sich stellenden Gesundheitsfragen im Musikbereich an. Bei musikmedizinischen Problemen bietet der SMV seinen Mitgliedern Beratung, finanzielle und rechtliche Unterstützung und führt entsprechende Weiterbildungsanlässe durch – teilweise in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM) und der Schweizerischen Interpretenstiftung (SIS).
