Ein neuer Zentralsekretär für den SMV

Am 25. Juni wählten die Delegierten des SMV Carlo Mathieu zum neuen Zentralsekretär. Er folgt auf Beat Santschi, der den SMV erfolgreich durch schwierige Zeiten geführt hat.

Bei hochsommerlicher schweisstreibender Temperatur fand die diesjährige Delegiertenversammlung des SMV in Biel statt. Tagungsort war der Farelsaal, eine Architekturikone der späten fünfziger Jahre, ursprünglich ein Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche, seit 10 Jahren unter neuer Trägerschaft ein Kulturzentrum mit attraktivem Bistro und einem Saal, in dem verschiedenste Veranstaltungen stattfinden.

Eröffnet wurde die Versammlung durch ein Bläserquintett des Sinfonieorchesters Biel Solothurn, das Darius Milhauds La cheminée du roi René sehr differenziert und klangschön zur Aufführung brachte.

Der Co-Zentralpräsident Davide Jäger sagte in seiner Begrüssung, dass im allgemeinen Verständnis der SMV vor allem mit «Tarif» in Verbindung gebracht wird. Die kürzlich veröffentlichte Tarifampel, die dokumentiert, bei welchen professionellen Orchestern der SMV-Mindesttarif eingehalten wird bzw. unterschritten wird, zeigt, wo wir heute stehen. Trotz allgemein verbreitetem Spardruck sollte darüber nicht diskutiert werden müssen, vielmehr sollte der Staat die Kultur grosszügiger unterstützen. Rüstungsprojekte hätten Priorität, obwohl Kulturprojekte viel weniger kosten. Abschliessend meinte Jäger, dass das Bewusstsein für den Mindestlohn noch wachsen müsste.

Die Co-Zentralpräsidentin Muriel Noble wiederum hielt fest, dass auch die Wertschätzung für den Musiker*innenberuf an sich teilweise noch wenig entwickelt ist, wenn selbst Abonnent*innen des Orchestre de la Suisse Romande nicht bewusst ist, dass es sich um einen professionellen Klangkörper handelt. Es wird komplett ausgeblendet, was eine Ausbildung kostet, ganz zu schweigen von den teuren Instrumenten. Noble erinnerte noch daran, dass die Solidarität der festangestellten Musiker*innen mit den Freischaffenden sehr wichtig sei.

Sophie Laville, SMV-Präsidentin der Sektion Biel, begrüsste die Delegierten ebenfalls und zog Parallelen zwischen ihrem Orchester, wo für die Saison 2027/28 eine neue künstlerische Leitung gesucht wird, und dem SMV, wo demnächst ein neuer Zentralsekretär an der Spitze unseres Verbands stehen wird. Eine Periode der Veränderungen…

Cristian Vasile aus Genf tritt nach 22 Jahren aus dem Zentralvorstand aus. Muriel Noble würdigte seine Verdienste (über die wir noch gesondert berichten werden) und schilderte Cristian als Menschen, der seinen persönlichen Weg ging, sich aber trotzdem für das Kollektiv einsetzte.

Infolge Erreichens des Pensionsalters gibt auch Beat Santschi seine Position als SMV-Zentralsekretär auf (siehe den ihm gewidmeten Artikel über seine Tätigkeit im Rahmen des SMV und ein Interview mit ihm). Toni Krein, Präsident von orchester.ch, dem Verband der Schweizerischen Berufsorchester, hielt fest, dass sein Verhältnis zu Beat Santschi stets von Respekt und persönlichem Vertrauen geprägt gewesen sei, was keine Selbstverständlichkeit sei. Davide Jäger meinte, dass Beat Santschi geradezu die Personifizierung des SMV geworden sei, als früherer Zentralvorstand, dann Zentralpräsident und schliesslich Zentralsekretär. Es sei ihm immer ein Anliegen gewesen, dass Freischaffende und Festangestellte am gleichen Strick ziehen. Beat Santschi wird die Ehrenmitgliedschaft des SMV verliehen. Der Gewürdigte verdankte die Anerkennung. Er sei 28 Jahre in Gremien des SMV tätig und der erste Freischaffende als Zentralpräsident gewesen. Die Pandemie sei die schwierigste Zeit in seinem Berufsleben gewesen, die Taskforce culture sei aber sehr hilfreich gewesen. Als Zukunftswünsche nannte er angemessene Löhne und soziale Absicherung für Festangestellte und Freischaffende. Man sei auf einem guten Weg, der aber noch steinig sei. Am Ansehen des Musiker*innenberufs müsste noch gearbeitet werden. Er hoffe, dass der Kampf für Entschädigungen bei Nutzung von Musiker*innenleistungen durch die KI gewonnen werden kann. Die internationale Solidarität sei wichtig. Auch auf nationaler Ebene sollten sich verschiedene Berufsverbände zusammenschliessen.

Carlo Mathieu, Kandidat für das SMV-Zentralsekretariat, stellte sich anschliessend vor. Er wird in einem separaten Artikel in der nächsten SMZ präsentiert. Er wurde einstimmig zum Nachfolger von Beat Santschi gewählt. Maël Graa, ein professioneller Tenor aus der Romandie, der sich bereits längere Zeit für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen freischaffender Sänger in der Westschweiz einsetzt, wurde als Nachfolger von Cristian Vasile in den Zentralvorstand gewählt (siehe Artikel mit Interview).

Wie an der DV 2025 vereinbart, berichteten die Arbeitsgruppen «Vereinbarkeit Care und Beruf» und «Plattform Health and Safety» über ihre Tätigkeit. Es wurde längere Zeit kontrovers diskutiert, welche AG weitergeführt werden soll. Während das Zentralpräsidium eine Globallösung anstrebt und favorisiert, in der gesundheitliche Probleme, aber auch Mobbing oder die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung verschiedene Facetten einer umfassenden Gesundheitsstrategie darstellen, war eine Mehrheit der Delegierten dafür, im Moment die AG «Care und Beruf» vorzuziehen, die sich konkret um alltägliche Probleme von Schwangeren und jungen Eltern kümmert. «Health and Safety» wird von Muriel Noble in Zusammenarbeit mit der Physiotherapeutin Jody Karoubi vertieft und weiterentwickelt.

Ein Antrag der Sektion Zürich mit dem Inhalt, die Entsendung von Delegierten an nationale und internationale Gewerkschaftsversammlungen transparenter zu gestalten, wurde zur Kenntnis genommen.

Durch die Verabschiedung von Beat Santschi und die Wahl von Carlo Mathieu hatte die Bieler Delegiertenversammlung schon fast eine historische Signifikanz, aber auch die lebhaften Diskussionen und die rekordverdächtige Aussentemperatur dürften in Erinnerung bleiben.

Das Protokoll dieser DV wird auf der Website des SMV veröffentlicht und kann auch im Zentralsekretariat eingesehen werden.

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