Interview mit dem neuen Zentralsekretär

Carlo Mathieu, der anlässlich der Delegiertenversammlung im Juni gewählt wurde, bringt eine lange Erfahrung mit, die er bei Gewerkschaften, in der Politik und bei Nonprofit-Organisationen erworben hat.

Foto: SP Luzern

Carlo Mathieu, der neue Zentralsekretär des SMV, bringt ausgezeichnete Voraussetzungen für seine neue Tätigkeit mit. Obwohl selbst kein professioneller Musiker, hat ihn die Musik durch sein ganzes Leben begleitet. Seine fachlichen Interessen umfassen insbesondere das Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, die Gewerkschaftsarbeit, die Berufs- und Erwachsenenbildung sowie die Führung und Weiterentwicklung von Verbänden und Organisationen. Die Verbindung dieser Themen prägt auch seine heutige Tätigkeit beim Schweizerischen Musikerverband.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert sich Carlo Mathieu auch politisch. Er gehört dem Vorstand der SP Kriens an. Seine politischen Schwerpunkte liegen auf guten Arbeitsbedingungen, sozialer Sicherheit, Chancengerechtigkeit, gesellschaftlicher Solidarität sowie einer nachhaltigen und lebenswerten Entwicklung der Stadt Kriens. In seinem politischen Selbstverständnis stehen Respekt, soziale Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle Menschen im Zentrum.

Carlo Mathieu wurde in Italien geboren und verbrachte seine Kindheit in Neapel, wo er die Schweizer Schule besuchte. Heute lebt der zweifache Vater mit seiner Familie in der Region Luzern. Vor seinem Stellenantritt beim SMV war er unter anderem Geschäftsführer der SP Kanton Aargau, Gewerkschaftssekretär beim VPOD und während einiger Jahre in verschiedenen Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung tätig. In diesen Funktionen sammelte er umfassende Erfahrungen in der Beratung von Arbeitnehmer*innen, in der Verhandlungsführung mit Sozialpartnern, in der politischen Interessenvertretung sowie in der Führung von Nonprofit-Organisationen.

 

Du kommst aus der Gewerkschaftsbewegung. In welcher Hinsicht unterscheidet sich der SMV von anderen Gewerkschaften?

Der SMV ist nicht nur Teil der Schweizer Gewerkschaftsbewegung, sondern zugleich Teil der schweizerischen und internationalen Kultur. Diese doppelte Verankerung zeigt, dass die Interessenvertretung für professionelle Musiker*innen über die rechtliche und politische Vertretung hinausgeht. Zu unserer Arbeit gehört auch, Gesellschaft und Staat für die Anliegen der professionellen Musik zu sensibilisieren. Wichtig ist zudem, dass sich die Arbeitsbedingungen von Musiker*innen teilweise wesentlich von jenen in anderen Branchen unterscheiden. Unregelmässige Einsatzzeiten, ein erheblicher individueller Vorbereitungsaufwand, hohe künstlerische Qualitätsanforderungen sowie besondere physische und psychische Belastungen prägen den Berufsalltag. Dies rechtfertigt branchenspezifische Regelungen, die den Besonderheiten der professionellen Musikausübung Rechnung tragen. Das Einkommen vieler professioneller Musiker*innen hängt auch davon ab, wie gross in Öffentlichkeit und Staat das Verständnis dafür ist, dass Musikschaffen eben auch «schaffen» bedeutet und entsprechend finanziell honoriert werden muss.

Der SMV ist eine gut aufgestellte Gewerkschaft. Wie kann er sich weiterentwickeln?

Ich habe den Eindruck, dass der SMV dank des Engagements vieler ehrenamtlicher Mitglieder in der Musikszene gut verankert ist und zahlreiche Musiker*innen seine Arbeit schätzen. Darauf muss der SMV unbedingt aufbauen und seine Präsenz sowohl in weiteren Regionen als auch unter den Freischaffenden stärken. Zudem sehe ich Potenzial, die Sichtbarkeit des SMV in der Öffentlichkeit und bei jungen Musikschaffenden weiter zu erhöhen.

Welches werden die grössten Herausforderungen für Musiker*innen in der Schweiz in den nächsten Jahrzehnten sein?

Aus meiner Sicht stehen professionelle Musiker*innen in der Schweiz heute an einem Wendepunkt. Neben steigenden Lebenshaltungskosten und oft unsicheren Erwerbsformen verändern Digitalisierung, Streaming und künstliche Intelligenz die Rahmenbedingungen des Berufs. Die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, gute Arbeitsbedingungen, eine verlässliche soziale Absicherung und eine faire Entlohnung zu gewährleisten. Gleichzeitig müssen neue Publikumsschichten erreicht und die gesellschaftliche Bedeutung von Musik und Kultur sichtbar gemacht werden.

Ich bin überzeugt, dass die Zukunft der professionellen Musik in der Schweiz gesichert werden kann, wenn Künstler*innen, Institutionen, Arbeitgebende und Politik gemeinsam an nachhaltigen Lösungen arbeiten und den kulturellen Wert musikalischer Arbeit weiterhin anerkennen und fördern.

Welche Rolle spielt die Musik in Deinem Leben?

Musik spielt in meinem Leben seit meiner Kindheit eine wichtige Rolle. Klassische Musik war bei uns zu Hause allgegenwärtig, da meine Eltern leidenschaftlich gerne Klavier spielten. Zudem gehörten einige professionelle Musiker*innen zum Freundeskreis meiner Familie, sodass ich schon früh mit dieser Welt in Berührung kam. Als Kind und Jugendlicher spielte ich selbst mehrere Jahre Trompete und Basstuba. Irgendwann habe ich das Musizieren jedoch aufgegeben und andere Interessen rückten in den Vordergrund. Die Begeisterung für Musik ist aber geblieben.

Heute würde ich mich durchaus als «Musikjunkie» bezeichnen. Mein musikalischer Geschmack ist breit gefächert und reicht von klassischer Musik über Jazz und Singer-Songwriter bis hin zu Punk-Rock. Besonders gerne entdecke ich neue Künstler*innen und Stilrichtungen. Wenn es sich einrichten lässt, besuche ich sehr gerne Live-Konzerte. Musik unmittelbar und gemeinsam mit anderen Menschen zu erleben, hat für mich eine besondere Intensität und Authentizität, die keine Aufnahme vollständig ersetzen kann. Gute Live-Musik gehört deshalb bis heute zu meinen liebsten kulturellen Erlebnissen.

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