Volker Messerknecht: 
«Ich bin kein Künstler»

Volker Messerknecht: 
«Ich bin kein Künstler»

Interview: Valérie Chauvinc —, 06.02.2013

Im Rahmen ihrer Journalisten-Ausbildung hat unsere Übersetzerin, Valérie Chauvinc, ein Interview mit dem Cellisten und Dirigenten Volker Messerknecht geführt, das wir unserer Leserschaft gerne auch noch in deutscher Sprache ­weiter geben.


Volker Messerknecht erlangte am Konservatorium in Biel sein Lehrdiplom im Fach «Violoncello». Er setzte am Konservatorium Winterthur sein Studium fort. An der Dirigentenschule von Walter Hügler (Sommerakademie Biel) und als Schüler von Claude Villaret (Zürich) bildete er sich zum Dirigenten weiter.


Am 1. September 2012 hat der Tag der Musik stattgefunden. Das ideale Datum für ein Treffen mit Volker Messerknecht, bei ihm zu Hause, in Illnau. Nach dem Abschluss seines Studiums als Cellist hat Volker Messerknecht die musikalische Laufbahn als Dirigent eingeschlagen. Zurzeit betätigt er sich als Lehrer für Cello, als Cellist beim Symphonischen Orchester Zürich und als Dirigent von zwei Chören und der Orchestergesellschaft Winterthur. Alle drei Formationen bestehen ausschliesslich aus Amateurmusikern.


Nein, diese Wahl habe ich ganz bewusst getroffen. Würde ich mit Profis arbeiten, würde ich mit dem Cello aufhören müssen. Ich sollte einen Agenten einstellen, wäre ständig unterwegs. Das will ich nicht.


Die Arbeit mit Amateuren wird von den Profis oft unterschätzt. Es ist nicht so einfach, mit wenig personellen, musikalischen und finanziellen Mitteln aufzubauen, ständig wieder von vorn anzufangen oder Schwächen zu akzeptieren. 


Amateure haben auch hohe Erwartungen ihrem Dirigenten gegenüber. Ist der Dirigent schlecht, erhebt sich das Orchester gegen ihn, ob Amateur oder Profi. Als Dirigent von Amateurmusikern spürt man einfach den «pädagogischen Druck» deutlicher: Die Musiker wollen nicht nur spielen, sondern auch etwas lernen und Spass haben. 


Einige sind frustriert. Oft kommt aber die Frustration vom sozialen Umfeld, nicht vom musikalischen Leben. Ich gehe davon aus, dass ich einer Gruppe von Leuten und nicht individuellen Fällen gegenüber stehe. Es zählt die Gesamtheit.


Das stimmt, es gibt Grenzen. Werke aus der Spätromantik zum Beispiel erfordern eine Technik, die kein Amateur beherrscht. Aber das ist Nebensache. Wichtig ist, mit dem Orchester zusammen zu arbeiten, eine produktive Stimmung zu schaffen und die Ziele (Konzerte) zu erreichen.


O ja, sie ist sogar die grösste Herausforderung: ein positives Arbeitsklima herstellen, viele Kompromisse eingehen … Bei Amateurformationen läuft das soziale Leben während der Probe weiter. Das ist zu akzeptieren und zu respektieren. Profis werden dafür bezahlt, dass sie pünktlich sind, zu Hause üben und gut spielen…


Maulhelden gibt es natürlich auch, die gibt es überall. Wenn es nur wenig davon hat, dann geht es. Wie schon gesagt, es zählt die Gesamtheit.


Nein. Den Überblick über das gesamte Werk hat nur der Dirigent. Nur er kann glaubwürdige musikalische und technische Entscheidungen treffen. Dafür muss er nicht zum Tyrann werden. Es werden viele Kompromisse zum Wohle der Stimmung eingegangen.


Absolut! Es ist noch schlimmer als Dumping, die Profis werden dadurch verhöhnt. Ich finde es total daneben. 


Bei den von Amateur-Vereinen organisierten Konzerten ist es anders. Die Ausgaben werden in Form einer Gage an das ganze Orchester zurückbezahlt, das geht in Ordnung. Schliesslich soll das Orchester seinen Dirigenten entlohnen können …


Da kann ich keine Berühmtheit nennen, denn diese können vielfach nicht unterrichten. Sie dirigieren sattsam bekannte Werke mit virtuosen Musikern, und da fragt man sich manchmal schon, ob sie wissen, was sie tun. Barenboim ist die Ausnahme. Aber selbst Claudio Abbado könnte kein Amateurorchester leiten. Es ist wie ein Maler, der nur abstrakt malen würde … irgendwann könnte er nicht mehr akademisch zeichnen.


Künstler … ein veralteter Begriff. Ich bin kein Künstler, ich bin Musiker und versuche, von meiner Leidenschaft zu leben.

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