Probenbesuch 
in Chiba

Probenbesuch 
in Chiba

Aaron Richiger , 05.03.2014

Am 27. März um 19 Uhr spielt ein aussergewöhnliches
Orchester in der Tonhalle
St. Gallen: das Chiba Girl’s High School Orchestra aus
Japan. Um 18 Uhr findet dazu eine Einführung in die Arbeitsweise mit einem Film-
beitrag statt. Aaron Richiger war im Mai 2010 zusammen mit Mitgliedern des Schweizer Jugendorchesters «il mosaico» zu Gast in Chiba/Japan.


Eigentlich hätte die Probe längst begonnen, aber der Dirigent, Herr Yamaoka scheint sehr interessiert ob dem «hohen Besuch» aus der Schweiz. So plaudern wir über eine Stunde. Schon nach kurzer Zeit taucht die Konzertmeisterin auf und nimmt die Anweisungen entgegen, wie die Probe in seiner Abwesenheit genutzt werden solle. So üben alle fleissig unter ihrer Leitung, während der Dirigent alles Mögliche über das il mosaico wissen möchte. Und ich natürlich über seine Probearbeit. Anscheinend spielen tatsächlich die meisten erst seit kurzem ihr Orchesterinstrument, allerdings sei es in Japan und gerade in Chiba üblich, früh mit irgendeinem Instrument zu beginnen und auch gesanglich immer wieder stark weiterge-bildet zu werden. Bei einem Schulwechsel steht aber auch oft ein Instrumentenwechsel an, je nachdem, was im Orchester gerade gebraucht wird. Der Alltag der Schülerinnen sieht während fast des ganzen Jahres wie folgt aus: Sie kommen etwas früher in die Schule, um schon vor der Schule proben zu können. Nach dem Mittagessen wird erneut geprobt, bevor nochmals kurz die Schulbank ruft. Im Anschluss daran findet die dritte tägliche Probe statt. Bis dahin meist in Registerproben, am Nachmittag dann aber meist Tutti. Samstags und meist auch sonntags dauern die Proben den ganzen Tag. Freizeit bleibt somit kaum, aber anscheinend wird diese auch nicht vermisst, die Schülerinnen haben ihr ganzes soziales Umfeld im Orchester. Abgesehen von der Familie spielt sich ihr gesamter Alltag innerhalb des Schulgebäudes ab. Sehr beeindruckt hat mich, dass hinter der Disziplin kein Drill steckt. Der Dirigent muss die Mädchen immer wieder ermutigen, das Instrument auch einmal wegzulegen und eine Pause zu geniessen, denn die Schülerinnen üben selbst während der Pausen weiter. Der Umgangston in der Probe, welche ich anschliessend besuche, ist sehr familiär. Schon vorher hat der Dirigent erwähnt, wie wichtig ihm ein familiäres Verhältnis zu den Schülerinnen sei. Und tatsächlich: Er verliert kein einziges lautes Wort. Obwohl das neue Programm erst seit zwei Wochen geübt wird, ist es schon beinahe konzertreif. Der Dirigent arbeitet kaum an musikalischen Details, sondern hauptsächlich am Ausdruck der Schülerinnen, insbesondere am Gesichtsausdruck. Anscheinend ist ihm bewusst, dass die Spielfreude nicht immer ersichtlich ist. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Atmosphäre entspannt ist, es wird häufig gelacht und den Mädchen scheint es tatsächlich grossen Spass zu machen. Kein Drill, kein gar nichts. 


Beim anschliessenden Mittagessen mit dem Dirigenten bestätigt sich dieses Bild nochmals, da zwei ehemalige Schülerinnen extra angereist sind, um mit dem Dirigenten zu essen. Sie vermissen das Orchester, spielen seit ihrem Abschluss an der Chiba Girls High School auch kein Instrument mehr. Die Zeit mit dem Orchester ist ihnen aber in bester Erinnerung geblieben und sei ein wichtiger Teil ihrer Jugend gewesen. 


Ein deutsches Musikmagazin beschreibt die Erfolge des Orchesters wie folgt: «Das Chiba Girls’ High School Orchester ist eines der führenden High School Orchester in Japan. In den letzten Jahren gewann es zahlreiche Preise bei dem und wurde mehrmals zum besten Orchester Japans gewählt.» 


Fazit


So ganz begreifen kann man das Erfolgsgeheimnis wohl nicht, in der Schweiz wäre es wohl sowieso nicht denkbar. Die Erfahrungen mit der kleinen blauen Armee haben uns aber stark beeindruckt und werden wohl nicht so schnell vergessen gehen.

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