Morgarten lässt 
Orchesterwerke
 neu aufleben


Morgarten lässt 
Orchesterwerke
 neu aufleben


Dominik Müller , 20.01.2016

In einem Jubiläumskonzert zu 700 Jahre Schlacht am Morgarten liess das Ägeritalorchester patriotische Orchesterwerke von Schweizer Komponisten neu aufleben, die 1991 für Feierlichkeiten zu 700 Jahre Eidgenossenschaft komponiert worden waren.


Es war uns eine grosse Ehre und Freude, als Schlusspunkt der 700 Jahre Morgarten-Feierlichkeiten am Sonntag, 15. November 2015 in der Ägerihalle in Unterägeri einem grossen Publikum zwei tolle, von Innerschweizer Komponisten stammende Orchesterwerke präsentieren zu dürfen. Das Jubiläumskonzert des verstärkten Ägeritalorchesters unter der Leitung von Samuel Nyffeler war ein voller Erfolg und hat in der lokalen Presse ein grosses Echo gefunden. Nachstehend einige Gedanken zu den im Jubiläumskonzert aufgeführten patriotischen Stücken.


Durch die Initiative des damaligen Dirigenten des Stadtorchesters Luzern Giambattista Sisini wurde sein Lehrerkollege am Konservatorium Luzern Caspar Diethelm 1989 beauftragt, eine grossformatige Symphonie zum Jubeljahr der Eidgenossenschaft 1991 zu schreiben. Es wurde zu einem beeindruckenden siebensätzigen Werk. Im Kunsthaus Luzern (heute KKL) wurde die mit Spannung erwartete Symphonie Urschweiz im Mai 1991 mit grossem Erfolg uraufgeführt.


Das Kammerorchester Baar er-teilte dem damals 17-jährigen Dani Häusler, Volksmusiker und Musikstudenten am Konservatorium Luzern, den Auftrag, für das Orchester zum Jubiläum 700 Jahre Eidgenossenschaft ein volkstümliches sinfonisches Werk zu schreiben. Es entstand die Ländler-Suite für Ländlerkapelle und Orchester. Uraufgeführt wurde sie ebenfalls im Mai 1991 im Gemeindesaal Baar. Der renommierte Volksmusikspezialist Wysel Gyr war vom Stück so begeistert, dass er in einer Radiosendung zwei Wochen später seinem Publikum einen Konzertmitschnitt präsentierte.


Digitalisierung der Noten


Beide Werke waren also Auftragskompositionen zu 700 Jahre Eidgenossenschaft im Jahr 1991 und erlebten nun im Ägerital, 700 Jahre nach Morgarten, zum zweiten Mal eine Aufführung. Leider waren die Noten nur in Handschrift vorhanden. Wir wussten von den Leseschwierigkeiten bei handschriftlichen Noten und liessen daher die beiden Partituren digitalisieren. Dank der Digitalisierung der Noten, an welcher sich der EOV finanziell beteiligte, werden die Werke in Zukunft leichter zugänglich sein und hoffentlich öfter aufgeführt werden.


Neben den beiden Kompositionen aus dem späten 20. Jahrhundert wurde auch noch eine Version des Schweizerpsalms gespielt. Dieser war bereits 1841 entstanden, als Pater Alberik Zwissig einen Messegesang zu einem Text von Leonhard Widmer überarbeitete, den er schon 1835 komponiert hatte. Erst 1981 wurde der Schweizerpsalm jedoch vom Bundesrat zur offiziellen Schweizer Nationalhymne erklärt.


Erlebnisbericht eines Konzertbesuchers


Als ich mich der Ägerihalle näherte, standen links und rechts des Eingangs zwei grosse Blumenkübel, die nicht mit Blumen, sondern mit farbigen Schülerholzhellebarden geschmückt waren. Diese Hellebarden standen während dem Sommer an Strassen und öffentlichen Gebäuden in Gärten und Rabatten eingesteckt. Die Schüler beider Gemeinden hatten sie im Unterricht gebastelt und leisteten mit ihren farbenfrohen Arbeiten einen gefälligen Beitrag an den Jubiläumsdorfschmuck. Bei genauerem Hinsehen zählte ich links 13 und rechts 15 Hellebarden – offenbar symbolisch für die Jubiläumsjahreszahl 1315.


Im Foyer standen zwei Pinnwände, auf denen die Konterfeis der Komponisten Diethelm, Häusler, Zwissig und der Kapelle Dani Häusler von 1991 prangten. Als ich mir dann einen genehmen Platz im Saal ergattert hatte, konnte ich mir die Bühne genauer ansehen. Schnell erregten wieder die links und rechts der Bühne in einen Baumstamm gesteckten farbigen Hellebarden meine Aufmerksamkeit. Gewitzt vom Erlebnis am Eingang, zählte ich die Hellebarden durch – links waren es 13 Stück und rechts 15 Stück – 1315. An der Decke hingen die Fahnen der involvierten Körperschaften von links: Sattel, Kanton Schwyz, Schweiz, Kanton Zug, Oberägeri, Unterägeri. Ein wunderschönes Bild.


Ein Alphorn im Dunkeln


Punkt 18.00 Uhr begab sich der Zuger Regierungsrat Beat Villiger ans Rednerpult und gab seiner Freude Ausdruck, dass durch die Initiative des Ägeritalorchesters mit diesem klassischen Konzert eine ungewollte Lücke im Jubiläumsprogramm Morgarten geschlossen wurde.


Als sich mein Auge an die Dunkelheit im ganzen Saal gewöhnt hatte, sah ich auf der Bühne nur Notenständer, leere Stühle und Perkussionsinstrumente stehen. Unverhofft aber stand zwischen den Stühlen, in einen hellen Lichtkegel gehüllt, ein Alphornbläser und erfreute mich mit seinen gekonnten und ungewohnten Tonfolgen. 


Nach dem Alphornvortrag wurde der Saal wieder abgedunkelt. In die Dunkelheit hinein begannen die tiefen Bläser urige Töne von sich zu geben. Die hinterste Saaltüre öffnete sich und die schauerlichen Töne wurden mit Triichläklängen und Geislä Knallern erweitert. Eine grosse Chlauseslärrottä kam herein mit Chlaus, Schmutzli, Kuhhornbläsern, 13 Iffäläträgern, 15 Triichlärn – 1315 – und einem Geislächlepfer. Der ohrenbetäubende Lärm fand seinen Höhepunkt, als die Rotte vor der Bühne stand und die Triichlär niederkniend ihre Instrumente mit aller Kraft schüttelten. Sie unterbrachen ihr Tun für kurze Zeit. Während dieser gaben Perkussion und Bläser ihr Bestes. Die Triichlär erhoben sich wieder, die Rotte verliess den Saal und es wurde leiser und leiser, bis man nichts mehr hörte.


Verschmelzung von Klassik und Volksmusik


Die Orchesterleute hatten sich im Schutze der Dunkelheit unbemerkt an ihre Plätze begeben. Das Bühnenlicht wurde eingeschaltet und die Symphonie Urschweiz mit dem 3. Satz fortgesetzt. Er war rhythmisch und harmonisch schwere Kost. Auf ihn folgten Scherzo, ein Ländler und die Cavatina. Alle drei waren gut verdaulich und zum Teil wunderschön. Das Presto war aber noch einmal von der schwereren Kost. Da ich mich schon öfters mit zeitgenössischer Musik auseinander gesetzt habe, waren für mich auch die schwierigeren Teile der Urschweiz zugänglich. Abgeschlossen wurde die Symphonie wieder mit dem gleichen Alphornsolo wie am Anfang. Für mich war es eine schöne, interessante und runde Sache.


Die Ländler-Suite empfand ich als etwas Wunderschönes und als ein grossartiges Beispiel, Volksmusik mit klassischer Musik zu verschmelzen. Es war eine Freude, wie die Kapelle und das Orchester sich nahtlos ablösten oder ergänzten. Beim Schweizerpsalm sang das Publikum begeistert und im Stehen mit. Mir hat die Begleitung des Orchesters besonders gut gefallen. Jede Strophe tönte anders, ein wunderschönes Arrangement.


Der EOV im Überblick

Verbandsadresse

Eidgenössischer Orchesterverband
3626 Hünibach

PC 30-11915-8

www.eov-sfo.ch

Präsident

Johannes Reinhard
Strättlingerweg 6, 3626 Hünibach
johannes.reinhard@eov-sfo.ch

Bibliothek

Notenbibliothek EOV c/o SBD,
Postfach 8176, 3001 Bern
T 031 306 12 50, F 031 306 12 13
eov-bibliothek@eov-sfo.ch

Redaktion Verbandsseiten EOV

Miriam Schild
Kirchenfeldstrasse 29, 3005 Bern
miriam.schild@eov-sfo.ch

Konzertagenda

classicpoint.ch

Vermischtes

Play@menuhin in Gstaad für Erwachsene und Jugendliche

Mal ein grosses Werk spielen, zu dem Sie bisher noch keine Gelegenheit hatten?

Jeden Sommer Anfang August werden diese Wünsche erfüllt! Anlässlich des Menuhin-Festivals in Gstaad findet jeweils eine Orchesterwoche für Erwachsene und Jugendliche statt.

Weitere Infos finden Sie hier