Frühlingsromantik in der Innerschweiz

Frühlingsromantik in der Innerschweiz

17.03.2017

Der Orchesterverein Sarnen und der Orchesterverein Nidwalden wagen diesen Frühling ein Gemeinschaftskonzert in grosser Besetzung. Eine Geigerin berichtet über das Projekt.

Hedi Boller — Nach seinem 50-jährigen Jubiläum im Jahr 2014 entstand beim Orchesterverein Sarnen (OVS) die Idee, einmal ein Konzert mit grosser Besetzung durchzuführen. Der Orchesterverein Nidwalden (OVN) liess sich für dieses Projekt begeistern. Rund 60 Streicher und Bläser sowie zwei Dirigenten werden im Mai in der Innerschweiz nun Musik aus dem 19. Jahrhundert erklingen lassen. Die beiden Orchestervereine entschieden sich für das besondere Gemeinschaftskonzert bewusst für nicht so häufig aufgeführte, romantische Werke.

Eröffnet werden die Konzerte in Sarnen und Hergiswil am See mit der Ouvertüre in e-Moll von Franz Schubert (1797–1828). Schubert, bekannt und verehrt für seine lyrischen Lieder, komponierte als 22-Jähriger dieses Werk mit einer ungewöhnlichen Kraft und Dramatik. Uraufgeführt 1821 in Wien geriet die Ouvertüre für lange Jahre in Vergessenheit und wird auch heute eher selten präsentiert.

Ein einheimischer Solist – Jonas Iten aus Zug

Darauf folgt Edward Elgars (1857–1934) Cellokonzert in e-Moll, in welchem der Cellist Jonas Iten aus Zug den Solopart übernehmen wird. Iten, bekannt durch seine Konzerttätigkeit in der Schweiz und im Ausland, ist seit 1995 Solocellist bei der Camerata Zürich und seit 2001 bei den Festival Strings Luzern. Am Ende der romantischen Epoche verarbeitete Elgar in seinem letzten abgeschlossenen Werk vor seinem Tod die Eindrücke des Ersten Weltkrieges. Trotzdem ist es keine zerstörerische Musik, immer wieder erklingen lyrische Motive, die Hoffnung aufleben lassen.

In Edvard Griegs (1843–1907) Suite Aus Holbergs Zeit in G-Dur belebt der romantische Streicherklang Erinnerungen an den im Spätbarock verstorbenen dänisch-norwegischen Dichter Ludwig Holberg. Grieg komponierte die Höfischen Tänze und Liedformen ursprünglich als Klavierwerk, populär wurden sie in seiner späteren Bearbeitung für Streichorchester.

Abgerundet wird der gemeinsame Auftritt der Sarner und der Nidwaldner mit Liedern von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893). Schon zu Lebzeiten wurde der russische Romantiker durch seine symphonischen Werke international bekannt. Mit Melodien aus den erfolgreichen Liedzyklen beschliessen die beiden Orchester ihr Konzert.

Zwei Orchester – eine gemeinsame Herausforderung

Neben klassischer Musik pflegen beide Orchester Wiener-, Film- und traditionelle Musik und begleiten regelmässig Chormessen und Orgelwerke. Musikalische Aufführungen im «Volkston» tragen weiter dazu bei, dass die Vereine auf eine recht grosse Fangemeinde zählen dürfen. Jetzt proben beide Orchester erstmals zusammen. Viele Musizierende sind begeistert, andere etwas verunsichert. Wie komme ich zu den Probelokalen? Schaffe ich die technischen Anforderungen, die Tempi in den schnellen Passagen? Spontan organisierten Dirigenten und Vorstandsmitglieder zusätzliche Registerproben. Kurze Umwege der einen ermöglichen Fahrgemeinschaften für andere. Mit viel Geduld und Humor erarbeiten der Konzertmeister Jonathan Gaus und die Dirigenten mit uns die Werke.

Zwei versierte Dirigenten – ein Glückstreffer

Tobias von Arb leitet den Orchesterverein Nidwalden seit 10 Jahren. Er studierte in Basel Klavier und schloss in Wien sein Kapellmeisterstudium mit Auszeichnung ab. Nebst dem OVN hat er als Chorleiter weitere feste Engagements, unter anderem bei Cantate Basel und dem Zürcher Singkreis.

Luca Fiorini, seit 8 Jahren Dirigent des OVS, studierte Bratsche, Komposition und Klavier in Italien, Dirigieren in Luzern und ist als Chorleiter, Volksmusiker und Akkordeonkomponist tätig. Durch seine Bearbeitungen von Klavierwerken können Streicher und Bläser immer wieder neue Facetten der Musik kennenlernen.

Beide künstlerischen Leiter begeistern uns Musizierenden, jeder auf seine Art. Während der eine mit ruhiger Hand, präzisen Gebärden, klaren Anweisungen und oft lobend mit schalkhaftem Augenzwinkern durch die Proben führt, gelingt es dem anderen, mit seinem überzeugenden Bratschenspiel switchend von Register zu Register, uns in die neuen Werke einzuführen. Angeregt durch die vielseitige Musikalität der beiden Dirigenten spielen einige Orchestermitglieder regelmässig in beiden Vereinen mit.

Gemeinschaftskonzerte des OVS und des OVN:

Freitag, 12. Mai, 20 Uhr, Sarnen, Aula Cher; Samstag, 13. Mai, 19.30 Uhr, Hergiswil am See, Aula Grossmatt

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