Juventus Musica ­Basel: Gemeinsam, nicht nur zusammen

Juventus Musica ­Basel: Gemeinsam, nicht nur zusammen

19.03.2018

Bei Juventus Musica Basel musizieren Orchester und Chor im gleichen Verein. Das ermöglicht einzigartige Projekte, wie die Aufführung von Karl Jenkins Messe «The Armed Man» mit 150 Mitwirkenden Ende April.

Timothy Löw und Miriam Schild — Bis ins späte 19. Jahrhundert war es gang und gäbe, dass sich Sänger und Instrumentalisten in einem einzigen Musikverein organisierten. Dann aber trennten sich die meisten dieser Vereinigungen in separate Chor- und Orchestervereine auf. So wurde zum Beispiel aus der Cäcilienmusikgesellschaft Wil 1875 das neulich in der SMZ porträtierte Gastgeberorchester der diesjährigen DV, das Sinfonische Orchester Wil, und der Chor St. Nikolaus Wil.

Eine Gruppe junger Basler um Timothy Löw und Raphael Ilg hat aber 2011 mit Juventus Musica Basel (JMB) genau einen solchen, Orchester und Chor verbindenden Verein neu gegründet. Juventus Musica Basel führt schwerpunktmässig anspruchsvolle Chor- und Orchesterwerke vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik auf. Alle Vereinsmitglieder, auch das musikalische und organisatorische Leitungsteam, sind höchstens 30 Jahre alt.

Mal im Chor, mal im Orchester

«Unser Modell ermöglicht eine einzigartige Nähe zwischen Chor und Orchester», so Präsident Löw. «Auch wenn Chor und Orchester nacheinander proben, findet ein ständiger Austausch zwischen den beiden Organen statt.» Anders als wenn sich ein Chor einfach ein Orchester einkaufe, das am Schluss dazukomme, durchlaufe man den gesamten Probeprozess zusammen. Dadurch entstehe eine echte Gemeinschaft. Manche Vereinsmitglieder würden je nach erforderlicher Besetzung sogar zwischen Chor und Orchester hin- und herwechseln, erklärt der Tenor Löw.

Juventus Musica Basel hat in seiner jungen Geschichte schon verschiedene grosse Werke wie das Requiem von Antonín Dvořák aufgeführt und durfte 2015 am International Youth Music Fest in Lissabon teilnehmen. Momentan realisiert JMB zusammen mit dem Walliser Jugendchor jungiChanteurs und dem regioChor aus Binningen ein Projekt mit mehr als 150 Mitwirkenden.

Die drei Chöre und das Orchester bringen Ende April gemeinsam das Werk The Armed Man vom walisischen Komponisten Karl Jenkins (*1944) zur Aufführung. Das Werk beschäftigt sich mit dem Thema Krieg, aber vor allem mit der Hoffnung auf einen gemeinsamen Frieden, und verbindet verschiedene Kulturen und Regionen.

Dank der Freundschaft der beiden Dirigenten Raphael Ilg (Juventus Musica Basel) und Yannick Zenhäusern (jungiChanteurs Wallis), die ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik in Basel absolvierten, wurde das Projekt initiiert. Da es für ein solch grosses Werk nebst einem grossen Orchester auch viele Sänger braucht, konnte mit dem regioChor Basel (Leitung: Bohdan Sved) ein idealer dritter Partner gefunden werden. Diese Zusammensetzung von Klangkörpern aus den drei Kantonen Wallis, Basel-Stadt und Basel-Landschaft verspricht ein spannendes Projekt zu werden. Es ist ein Kulturaustausch zwischen Sängerinnen und Musikern verschiedener Generationen und Regionen sowie zwischen dem Publikum und den Mitwirkenden.

Drei Werke von Jenkins

Aufgeführt werden neben The Armed Man zwei weitere Werke von Karl Jenkins: Palladio und Lament for the Valley. Mit letzterem erklingt zu Beginn des Konzerts eine «Klage für das Tal» für Solo-Violine (Mirjam Rietmann), ein ansprechendes Werk mit einem melancholischen Charakter.

Palladio ist ein Concerto Grosso in drei Sätzen für Streichorchester. Ursprünglich für einen Werbespot komponiert, bezieht sich das Werk auf den Architekten Andrea Palladio. Sein Baustil verkörpert, basierend auf der klassischen Antike, die Vorstellungen von Harmonie und Ordnung.

Wie auch das War Requiem von Benjamin Britten, ist Jenkins The Armed Man – A Mass for Peace ein Antikriegsstück, das gerade in der heutigen Zeit an Brisanz gewinnt. Basierend auf den Texten des Ordinariums, fügt Jenkins Volkslieder wie das Soldatenlied L’homme armé aus dem 15. Jahrhundert, den islamischen Gebetsruf Adhān, Psalmen und die Offenbarung des Johannes-Evangeliums sowie das bekannteste indische Epos Mahabharata in die Messe ein. Diese Elemente bilden ein gross angelegtes Werk für vierstimmigen Chor und Sinfonieorchester.

The Armed Man zeichnet die wachsende Bedrohung eines Abstiegs in den Krieg, durchsetzt mit besinnlichen Momenten, nach. Es zeigt die Schrecken, die der Krieg bringt, und endet mit der Hoffnung auf Frieden in einem neuen Jahrtausend, wenn «Trauer, Schmerz und Tod überwunden werden können».

Die Konzerte finden statt am 21. April um 20.00 Uhr und am 22. April um 17.00 Uhr im Theater La Poste Visp und am 27. April um 19.30 Uhr und am 28. April um 19.30 Uhr in der Theodorskirche Basel.

Tickets können über die folgenden Kanäle bezogen werden: www.regiochor.ch oder

www.juventus-musica.ch (Basel) und www.jungichanteurs.ch (Visp).

Der EOV im Überblick

Verbandsadresse

Eidgenössischer Orchesterverband
3626 Hünibach

PC 30-11915-8

www.eov-sfo.ch

Präsident

Johannes Reinhard
Strättlingerweg 6, 3626 Hünibach
johannes.reinhard@eov-sfo.ch

Bibliothek

Notenbibliothek EOV c/o SBD,
Postfach 8176, 3001 Bern
T 031 306 12 50, F 031 306 12 13
eov-bibliothek@eov-sfo.ch

Redaktion Verbandsseiten EOV

Miriam Schild
Kirchenfeldstrasse 29, 3005 Bern
miriam.schild@eov-sfo.ch

Konzertagenda

classicpoint.ch

Vermischtes

Play@menuhin in Gstaad für Erwachsene und Jugendliche

Mal ein grosses Werk spielen, zu dem Sie bisher noch keine Gelegenheit hatten?

Jeden Sommer Anfang August werden diese Wünsche erfüllt! Anlässlich des Menuhin-Festivals in Gstaad findet jeweils eine Orchesterwoche für Erwachsene und Jugendliche statt.

Weitere Infos finden Sie hier