JOK: Interkultureller Austausch zum 40. Jubiläum Orchestermusik von Jugendlichen für Jugendliche

JOK: Interkultureller Austausch zum 40. Jubiläum Orchestermusik von Jugendlichen für Jugendliche

18.06.2018

Auftritte mit DJ Bobo und für Bundesrätin Simmonetta Sommaruga: Das unabhängig organisierte Jugendorchester Köniz hat sich mit seinen innovativen Konzertprojekten in den vergangenen 40 Jahren einen Namen gemacht.

Philipp Aebi* — Zum 40. Jubiläum reist das Jugendorchester Köniz diesen Sommer in die Bretagne und realisiert ein interkulturelles Projekt. Dabei steht der musikalische und gesellschaftliche Austausch zwischen jugendlichen Musikbegeisterten im Zentrum. In Zusammenarbeit mit dem Orchestre des Jeunes de Haute-Bretagne (OJHB) veranstalten wir ein Konzert in Rennes, wobei das Leben bei Gastfamilien zusätzlich zum Kulturaustausch beiträgt. Weiter soll eine gemeinsame Reise zu wichtigen bretonischen Kulturstätten für eine lebendige Auseinandersetzung mit der keltischen Vergangenheit führen. Mit der Musikschule Diapason verschönert das Jugendorchester Köniz mit einem Platzkonzert die Feier zum Nationalfeiertag Frankreichs am 14. Juli.

Auch unser musikalisches Programm wiederspiegelt die Brücke zwischen der Schweiz und der Bretagne. So wird mit der symphonischen Dichtung La cloche des morts des bretonischen Komponisten Guy Ropartz und der Festouvertüre des Schweizer Komponisten Joachim Raff ein Kontrast der verschiedenen Musikkulturen dargestellt. Dazu spielt die junge Berner Solistin Sandra Witschi das erste Konzert für Waldhorn und Orchester von Richard Strauss. Es freut uns sehr, dass Sandra, die ihre Orchesterkarriere im Jugendorchester Köniz begann, nun mit uns konzertiert.

«Ich war sofort begeistert vom Orchester: Es spielte sehr gut, hatte ein jugendliches, frisches Image und wirkte überhaupt nicht elitär.» So beschrieb Michael Pflüger in einem Interview um die Jahrtausendwende das JOK. Als sich im Jahr 1978 einige junge Musiker und Musikerinnen zusammensetzten und begannen, die Statuten für den Jugendorchesterverein Köniz zu schreiben, ahnten sie wohl noch nicht, was für einen Stein sie ins Rollen bringen würden.

Als erstes Jugendorchester in der Region fing das JOK zuerst ganz klein und über die Jahre immer grösser werdend an, klassische Orchestermusik in die Ohren der Jugendli- chen der Region Bern zu tragen. Stets mit dem Streben nach Freude an und in der Musik, versuchte das JOK schon zu Beginn, sich mit einer Mischung von berühmten Klassikern und unbekannten Schätzen einen Namen zu machen. Das Orchester setzte sich also für die Etablierung der klassischen Musik als «Breitensport» in unserer Altersgruppe ein und versuchte, die Orchester- musik so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Dies geschah früh mit Konzerten unter anderem mit DJ Bobo oder dem Jazztrio Wiesendanger. In den letzten Jahren wurden weitere verschiedene Crossover-Projekte umgesetzt. So entstanden zum Beispiel die zwei Kinderkonzerte «Das Allerneuste vom Räuber Hotzenplotz» und «Die Geschichte des fau-len Bären» mit dem Theaterkollektiv projekt210.

* ist Präsident des JOK

Das spezielle Feuer

Nebst dem Einsatz für die kulturelle Bildung der Berner Jugend führt das JOK wiederholt besondere Einsätze in der Berner Kulturszene durch. So durfte das JOK mit einem Flashmob für das «Äs isch eso» der Burgergemeinde auf dem Bundesplatz die Stadt Bern überraschen. Ferner fühlt sich das Jugendorchester Köniz geehrt, dass die Bundesrätin Simonetta Sommaruga das JOK explizit als musikalische Begleitung für ihre Ehrungsfeier zur Wahl als Bundesrätin bzw. Bundespräsidentin wünschte.

Das Jugendorchester Köniz war von Anfang an als eigenständiger Verein aufgebaut und wird durch Gönner, Passivmitglieder, Beiträge der öffentlichen Hand und eigene Einnahmen (Gagen, Kollekte) finanziert. Die Organisation übernimmt seit der Gründung ein siebenköpfiger Vorstand, bestehend aus dem Dirigenten und sechs Orchestermitgliedern. Ohne eine feste Bindung an eine Musikschule benötigt es viel Eigeninitiative des Orchesters, es entsteht aber auch eine aussergewöhnliche Begeisterung, zusammen solche Konzerte eigenständig zum Leben zu erwecken.

Schon 2003 sagte der damalige Präsident Christian Schmitter in einem Interview: «Ich wünsche mir, dass dem JOK nie dieses spezielle Feuer ausgeht. Wenn diese Begeisterung verloren geht, hat das JOK keine Berechtigung mehr.» Dieses Feuer kann man noch heute in den Augen vieler ehemaliger JOKler und JOKlerinnen erkennen, wenn man sie an ihre Zeit im Jugendorchester erinnert. Das JOK wird als sicherer Hafen in der Pubertät, als grosse Familie oder gar als Heimat bezeichnet. Viele begannen ihre musikalische Karriere im JOK und man trifft sie als Musikschullehrkräfte, als Geigenbauerinnen, als Orchestermusiker in erfahrenen Orchestern oder als Solisten auf der Bühne in Konzertsälen später wieder.

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