OKVZ wird 125-jährig

OKVZ wird 125-jährig

28.04.2021

Die Jubiläumsfeier am 5. Juni musste das Orchester des Kaufmännischen Verbandes Zürich leider absagen. Dennoch lohnt sich ein Blick in seine 125-jährige Geschichte: 1896 als Unterhaltungsorchester und ohne weibliche Beteiligung für Gesellschaftsanlässe gegründet, widmet sich das OKVZ heute vorwiegend der grossen Sinfonik.

Gerda Dillmann — 2021 ein Jubeljahr? Es sieht ganz so aus, als ob wir, das Orchester des Kaufmännischen Verbandes Zürich (OKVZ), unser 125-jähriges Jubiläum nicht so grandios begehen können, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es wäre ein spektakuläres Programm geplant gewesen für die Jubiläumskonzerte am 30. Mai und am 5. Juni mit Taras Bulba von Mykola Lyssenko, Lachischen Tänzen von Leoš Janáček und Antonín Dvořáks Neunte Sinfonie. Mit diesem Dreigespann hätte das Orchester einerseits der Heimat seiner ukrainischen Dirigentin Tribut gezollt, sich mit Janáček auf unbekanntes Terrain gewagt und mit Dvořák eine bewährte Konstante verfolgt.

Schon vor einigen Monaten war klar geworden, dass das OKVZ dieses Programm wegen des monatelangen Probeunterbruchs nicht würde realisieren können. Noch lange hatten wir gehofft, die Delegierten des EOV am 5. Juni trotzdem zur Versammlung in Effretikon empfangen zu können. Wir wollten ihnen und den weiteren Gästen ein alternatives Programm mit Stücken von Beethoven präsentieren. Auch daraus wurde jetzt nichts. Der Anlass musste zu unserem grossen Bedauern ganz abgesagt werden, zu lange dauert das Probeverbot an, zu unsicher ist die Situation.

Ein Blick zurück auf die 125-jährige Geschichte des Orchesters des Kaufmännischen Verbands lohnt sich dennoch. Und diese zeigt: Unser Verein hat schon manche Krise überstanden. Das Orchester wurde im August 1896 als «Jnstrumentalsection des kaufmännischen Vereins» gegründet, im damaligen Vereinshaus am Seidenhof, als eine der zahlreichen «Untersectionen» des Verbandes. Ziel war es, die alljährlichen gesellschaftlichen Anlässe zusammen mit der Gesangssection, der Turnsection, der Theatersection, dem Cercle Français und dem dramatischen Club zu umrahmen.

8 Geigen und 5 Zithern

Alle diese sogenannten Untersectionen traten öfters gemeinsam auf. Nach einer musikalischen Einleitung gab es Darbietungen des Chores, der Turnsection und der beiden Theatergruppen. Das Orchester hat die Pausen versüsst und den ganzen geselligen Anlass umrahmt. Geboten wurde vor allem leichte Unterhaltungsmusik: Märsche, Walzer, Operettenauszüge, Fantasien und Opernpotpourris. Unsere Bibliothek besitzt heute noch über 200 Werke dieser Gattungen aus den Gründungsjahren!

Die Anfangsbesetzung bestand aus 8 Geigen, 5 Zithern (!), 1 Bratsche, 1 Bass, 2 Flöten, 1 Piccolo, 1 Klarinette und 1 Trompete. Schon nach einem Jahr haben die Zithern eine eigene Formation gebildet und schieden aus dem Orchester aus.

Aus heutiger Sicht ist es kaum zu glauben, aber erst seit 1920 dürfen Frauen im Orchester mitspielen. Als der Kaufmännische Verein 1919 den Damen die Mitgliedschaft ermöglichte, zog man im Orchester mit dieser Neuerung eher widerwillig nach: Am 27. April wurde die Geigerin Berta Thee ins Ensemble aufgenommen. Nicht ohne, dass vorher klargestellt wurde, Frauen seien nur willkommen, wenn sie den musikalischen Ansprüchen gerecht würden. Frau Thee schien das zu erfüllen. Ausserdem fiel sie durch ihren lückenlosen Probebesuch auf. Während über 14 Jahren ist sie als Unfehlbare in den Probenstatistiken gebührend erwähnt.

Das OKVZ hat seine Ausrichtung über die Jahrzehnte etwas verschoben: Von der Unterhaltungsmusik ist man zur grossen Sinfonik übergegangen und ihr bis heute treu geblieben. Wir sind ein Sinfonieorchester mit (nahezu) vollem und ständig anwesenden Bläsersatz. Begonnen hat das bereits 1918 mit der Wahl des Tonhalle-Geigers Johann Lindauer zum Dirigenten. Unter seiner 30 Jahre währenden Leitung wurden viele grosse Sinfonien, Ouvertüren und Konzerte aufgeführt.

Ausdruck, nicht Perfektion

Diese Tradition führten auch seine Nachfolger weiter. Mit Erich Vollenwyder, dem zweiten jahrzehntelang treuen Dirigenten, führte das Orchester sogar Oratorien und zeitgenössische Werke auf. Parallel dazu spielte das OKVZ aber bis 1999 immer auch Unterhaltungsmusik an Verbandsanlässen. Heute gibt es keine Veteranenfeiern mehr mit walzertanzenden Vereinsgenossen. So ist uns diese Tradition abhandengekommen. Dafür wagt sich das Orchester anderweitig auf neues Terrain. Vor einigen Jahren haben wir die Filmmusik zu The Snowman von Harold Blake sowie Astor Piazzollas Invierno Porteno aufgeführt. Einflüsse des Jazz brachten wir zu Gehör bei Carl Rüttis Konzert für Streicher und Alphorn oder Friedrich Guldas Konzert für Bläser und Cello. Dass Bläser und Streicher gelegentlich für ein Werk getrennte Wege gehen, ist auch eine neuere Entwicklung. Ausserdem widmen wir manchmal ein ganzes Programm einem bestimmten Motto.

Seit 2013 ist Sviatoslava Luchenko unsere Dirigentin. Sie ist eine feinfühlige Musikerin, die mit Amateurmusikern umzugehen weiss. Sie hat erkannt, dass die Stärke eines Laienorchesters im Ausdruck und nicht in der Perfektion steckt. Sie spornt uns zum Üben an, verzeiht uns jedoch alle technischen Unzulänglichkeiten. Wenn es aber um musikalische Gestaltung geht, ist sie sehr beharrlich und traut uns auch sehr viel zu.

Natürlich gehört für uns Mitspielerinnen und Mitspieler neben dem leidenschaftlichen Musizieren auch Geselligkeit dazu. Die Banden der Freundschaft, die im Orchester entstanden sind, tragen uns jetzt auch über die Corona-bedingte Probepause hinweg. Wir sind gespannt, welche Wege das OKVZ noch nehmen wird, und freuen uns sehr auf einen hoffentlich baldigen Probebeginn!

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