Erstes Treffen seit Ausbruch der Pandemie - Aufführungsbeiträge für Werke Paul Juons

Erstes Treffen seit Ausbruch der Pandemie - Aufführungsbeiträge für Werke Paul Juons

01.11.2021

An der 101. Delegiertenversammlung des EOV am 11. September in Effretikon gingen alle traktandierten Geschäfte reibungslos über die Bühne. Ein hübsches Konzert des Orchesters des Kaufmännischen Verbandes Zürich rundete den Tag ab.

Miriam Schild — Der EOV-Vorstand freute sich an der diesjährigen 101. Delegiertenversammlung am 11. September in Effretikon riesig, die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Orchester endlich wiederzusehen und sich mit ihnen auszutauschen – war das letzte Treffen doch schon zweieinhalb Jahre her. Nachdem 2020 die zur Durchführung in Neuenburg geplante 100. DV coronabedingt hatte ausfallen müssen, war auch dieses Jahr ein physisches Abhalten der DV bis zuletzt unsicher geblieben.

Die 41 Delegierten aus 36 Orchestern, mehrere Gäste und der EOV-Vorstand wurden im Kirchgemeindehaus Effretikon herzlich mit Musik begrüsst. Dirigentin Sviatoslava Luchenko und Konzertmeister Branko Simić vom gastgebenden Orchester des Kaufmännischen Verbandes Zürich (OKVZ) spielten auf der Bandura und der Violine eine schöne Auswahl an kleinen Stücken. Auch die Präsidentin des Gastgeberorchesters OKVZ Marguerite-Anne Sidler Pfändler hiess die Delegierten und Gäste mit einer kurzen Ansprache willkommen und erzählte vom turbulenten Jubiläumsjahr 125 Jahre OKVZ, in dem wegen der Pandemie viel kurzfristig umgeplant werden musste und Konzerte nicht stattfinden konnten. Pünktlich zur DV des EOV kam aber die schön gestaltete Festschrift des OKVZ aus dem Druck und wurde stolz präsentiert.

Orchesterverein Aarau neu Revisor

Die für die DV traktandierten Geschäfte konnten unter dem Vorsitz von Verbandspräsident Johannes Reinhard kurz und reibungslos abgehandelt werden. Das Protokoll der DV 2020, der Jahresbericht des Präsidenten 2020, die Jahresrechnung 2020 sowie das Budget 2021 wurden von den Delegierten einstimmig genehmigt. Der Orchesterverein Aarau wurde neu und einstimmig als Revisor gewählt und wird Nachfolger des zurückgetretenen Orchester Collegium Musicum. Das Amt ausüben wird das Orchestermitglied Ute Bölle, welche beruflich im Finanzwesen tätig ist.

«Im vergangenen Jahr haben die EOV-Orchester wegen der Pandemie 76 Prozent weniger Konzerte durchführen können», sagte Johannes Reinhard in seinem Rückblick auf das Jahr 2020. Die Proben seien aber nur um 48 Prozent zurückgegangen. «Unsere Orchester haben wenn immer möglich und auch unter erschwerten Bedingungen geprobt, selbst wenn sie nicht wussten, wann und ob ein Konzert würde stattfinden können.» Dies zeige, dass die Motivation zum gemeinsamen Musizieren in den EOV-Orchestern ungebrochen sei.

Im letzten Teil der DV wurde von Projektleiterin und Redaktorin Miriam Schild schliesslich die Festschrift 100 Jahre EOV vorgestellt (siehe Kasten).

Buffet mit selbstgemachten Leckereien

Im Anschluss an die DV berichtete der Dirigent Christof Escher in einem spannenden Referat über das Leben und die Orchesterwerke des für lange Zeit vergessenen Komponisten Paul Juon (1872–1940, siehe Artikel nebenan).

Vor dem Abendkonzert konnten sich die Delegierten bei einem feinen Apéro stärken und sich dabei untereinander austauschen. Das Gebäck und die weiteren Leckereien auf dem Buffet waren von OKVZ-Mitglieder in den heimischen Küchen mit viel Liebe hergestellt worden.

Mit dem Auftritt des OKVZ unter der inspirierenden Leitung von Sviatoslava Luchenko in der Kirche Effretikon kam der erste DV-Tag des EOV seit dem Ausbruch des Coronavirus’ zu einem würdigen Abschluss. Es war ein echter Genuss, mitzuerleben, wie feinfühlig und engagiert Luchenko bei Mozart, Respighi, Britten und Co. im OKVZ volle Register- und Streicherklänge entstehen liess.

Wir danken Bernadette Wiederkehr und Hedi Boller vom EOV-Vorstand sowie dem Komitee vom OKVZ für die wie immer tadellose Organisation der DV – dieses Mal unter erschwerten Bedingungen.

EOV — Der Komponist Paul Juon mit Schweizer Wurzeln wäre im März 2022 150 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses runden Geburtstages hat die Internationale Juon Gesellschaft (IJG) sieben seiner Werke zum ersten Mal ediert.

Es ist dem EOV seit Jahren ein Anliegen die Werke von Schweizer Komponisten zu fördern. Deshalb unterstützt der Verband die Aufführung von Orchesterwerken Paul Juons durch seine Mitgliedsorchester mit bis zu 1000 Franken. Weitere Details und die Bedingungen für die Förderung sind auf der Verbandswebsite www.eov-sfo.ch zu finden.

Den EOV-Orchestern bietet sich die Gelegenheit wunderbare spätromantische Musik zu entdecken. Die Werke wurden bisher sehr selten gespielt und sind für ambitionierte Amateurorchester realisierbar.

In Effretikon referierte der Dirigent und Juon-Spezialist Christof Escher im Anschluss an die DV über das Leben und die neu edierten Werke des Komponisten mit Bündner Vorfahren, der in Russland aufwuchs und einen grossen Teil seines Lebens in Deutschland verbrachte, bis er für seine letzten Jahre in die Schweiz zog. Escher beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Juon, ist Herausgeber mehrerer seiner Werke, seine Leidenschaft für den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Komponisten in war in jedem Satz zu spüren.

Während seiner Lebzeiten wurden Paul Juons Werke in den bekanntesten Konzertsälen in Europa und Nordamerika gespielt, zum Beispiel die renommierte Meininger Hofkapelle brachte seine Stücke zur Uraufführung. Wie konnte es da soweit kommen, dass Juon nach seinem Tod fast vollständig vergessen wurde? Diese Frage versuchte Escher in seinem Vortrag zu beantworten. Er sieht drei Gründe für das Vergessen. Zum einen sei Paul Juon ein äusserst bescheidener Mensch gewesen, der sich – selbst als er schon erfolgreich war – stets im Hintergrund gehalten und sich nie ge-traut habe, aktiv auf andere grosse Komponisten und Musiker seiner Zeit zuzugehen, und sich mit ihnen zu vernetzen. Einen zweiten Grund sieht Escher darin, dass sich niemand für die Pflege des Vermächtnis’ von Juon zuständig gefühlt habe, da der Komponist in Russland, Deutschland, der Schweiz und eine Zeit lang sogar in Baku gelebt habe und auch seine familiäre Abstammung vielfältig sei. So sei er geografisch schwer zuzuordnen. Schliesslich habe Juon schlicht in einer Zeit mit sehr viel kompositorischer Konkurrenz gelebt – so ist zum Beispiel Strawinsky nur wenige Jahre jünger als Juon–, so dass es einfach schwierig gewesen sei, neben den vielen grossartigen Komponisten zu bestehen.

Mit der Aufführung eines der neu edierten Werke können die EOV-Orchester nun Teil einer Juon-Renaissance sein und dabei helfen, diese tolle Musik doch noch bekannt zu machen.

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3626 Hünibach

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www.eov-sfo.ch

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johannes.reinhard@eov-sfo.ch

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