Vier Fragen an 
Jürgen Vogt

Vier Fragen an 
Jürgen Vogt

Tristan Jäggi, 03.04.2013

In der Kurzinterview-Rubrik «Vier Fragen an...» kommt diesmal der Hamburger Erziehungswissenschaftler und Herausgeber der Zeitschrift für Kritische Musikpädagogik Prof. Jürgen Vogt zu Wort.


Im Rahmen der Vortragsreihe «Musik und Diversity Diskurse» an der Hochschule Luzern hält er am 17. April um 18.15 h einen Vortrag zur Frage: Wann sind Ungleichheiten musikpädagogisch ungerecht?


Herr Vogt, Sie plädieren für die Öffnung musikalischer Bildung für alle gesellschaftlichen Schichten. Aber sprechen wir dabei überhaupt von derselben musikalischen Bildung für alle?


Das tun wir sicher nicht. Dieselbe musikalische Bildung für alle kann es gar nicht geben, weil Bildung etwas hochgradig Individuelles ist. Darüber hinaus hat sich der musikalische Bildungskanon, wenn es ihn denn überhaupt je gegeben hat, genauso aufgelöst, wie der literarische. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die grossen musikalischen Kunstwerke nicht mehr im Unterricht vorkommen sollten. Aber ihre blosse Kenntnis ist kein Ausweis für Bildung mehr. 


Sollte der Musikunterricht heute stärker auf musikalische Vielfalt abstellen?


Das ist sicher ein Weg. Die Thematisierung insbesondere kultureller Differenzen kann aber rasch gefährlich oder auch einfach nur läppisch werden. Dies betrifft etwa gut gemeinte, aber naive Versuche, in einem interkulturell angelegten Unterricht auch einmal die Musiken von Kindern mit Migrationshintergrund aufzugreifen. 


Was genau ist daran problematisch?


Oft kommen bedenkliche Vorurteile zum Tragen: Türkische Kinder lieben türkische Folklore, kennen aber keine türkische Pop- oder gar Kunstmusik. Afrikaner – egal woher genau – sind besonders rhythmisch begabt. Die Vorurteile beziehen sich aber auch auf Genderfragen. Ich sehe es in Deutschland mit einiger Sorge, dass Mädchen und Jungen wieder ihre angestammten Rollen zugeschrieben werden.


Was sollte denn passieren, dass der Musikunterricht insgesamt sensibler und damit auch gerechter wird?


Eine Generalformel dafür gibt es nicht. Aber ich hoffe, dass die Musiklehrerausbildung dazu führt, dass angehende Musiklehrer erkennen, dass sie es immer mit hybriden kulturellen Gebilden zu tun haben und nicht mit monolithischen Einheiten. 


> www.hslu.ch/m-musik-
diversity-diskurse

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