Das Konzept 
Female-Only auf dem Prüfstand

Das Konzept 
Female-Only auf dem Prüfstand

Mona Aurich, 06.11.2013

Speziell für Frauen konzipierte Projekte werden sowohl von Frauen, als auch von Männern mit Skepsis betrachtet. Doch was sind eigentlich die Argumente dagegen? Und warum hat das Konzept «Female only» noch lange nicht ausgedient?


Eine Djane-Schule in Basel, ein Chorleitungs-Dirigierkurs nur für Frauen oder ein Workshop für junge Frauenbands. Wer sich auf die Suche nach Female-Only-Projekten macht, wird schnell fündig. So bunt die Angebote sind, welche von Workshops über Weiterbildungen bis hin zu Konzerten reichen, eint sie eine Eigenschaft: als Teilnehmerinnen werden nur Frauen zugelassen. Gegen solche Veranstaltungen regt sich immer wieder Widerstand. Befürworterinnen und Befürworter und Gegnerinnen und Gegner führen vor allem im Internet erbitterte Grabenkämpfe. Doch es lohnt sich, einen Blick auf die Argumente zu werfen, die in diesem Zusammenhang ausgetauscht werden.


Benachteiligungen bis heute


Für viele scheint der kategorische Ausschluss einer Geschlechtergruppe aus öffentlichen Veranstaltungen als Widerspruch zu emanzipatorischen Zielen. Denn es waren ja gerade Ausschlüsse aufgrund des Geschlechts, gegen die Menschen seit Jahrzehnten auf die Strassen gehen, in Politik-Talkshows diskutieren und Bücher schreiben. Aber gerade im Kulturbetrieb reicht diese Art von Aktion und Diskurs nicht aus: im Rock, Pop und Jazzbereich ist die Bühne nach wie vor von Männern dominiert. Im Bereich der klassischen Musik fehlt es an Dirigentinnen und an einer gendersensiblen Programmation, die auch Komponistinnen berücksichtigt. Auch hinter der Bühne sind Frauen als Intendantinnen, Festivalmacherinnen und Tontechnikerinnen stark untervertreten. Die Gründe für diese Tatsachen sind vielfältig. In der Konsequenz stellt sich aber für alle Kulturschaffenden die Frage, mit welchen Mitteln man die Beteiligung von Frauen in den spezifischen Bereichen des Musikbetriebes erhöhen kann.


Kontroverse Argumente


Eine Antwort findet sich im Konzept von «Female-Only» oder «Women-Only»: Oft spiegelt sich diese Idee nur in temporären Projekten wider, die Djane-Schule in Basel als feste Institution bildet eine Ausnahme. Sowohl Männer als auch einige Frauen können sich mit solchen Praxen nicht anfreunden. Dabei sind die Argumente auf weiblicher und männlicher Seite verschieden: Von männlicher Seite ist der Vorwurf der Diskriminierung hörbar. Warum sollten Frauen bessere Chancen der Aufführung oder der Lernmöglichkeiten gegeben werden? Werden nicht die Gräben etwa zwischen Komponisten und Komponistinnen vergrössert, wenn Unterschiede betont werden? 


Von weiblicher Seite ist das Argument der positiven Diskriminierung zu hören. Man wolle nicht als Quoten-Frau gelten, ebenso wolle man nicht durch seine biologische Zugehörigkeit zur Gruppe «Frau» einen Vorteil haben. Diesen Einwand hört man auch immer wieder von Diskussionen um gesetzliche Quoten-Regelungen. Und er wiegt schwer. Die Angst davor, durch eine Bevorzugung letztlich noch mehr gesellschaftliche Nachteile zu bekommen, ist für viele Frauen real. 


Selbstbewusstsein erhöhen


Beide Sichtweisen gehen mit Female-Only-Projekten jedoch um, als würden diese den Markt der Möglichkeiten dominieren. Dies ist keineswegs der Fall. Sie sind als Zusatzangebot zu verstehen und stellen sogenannte Schutzräume dar. Dort können Frauen ohne den Druck der hierarchisch höher gestellten männlichen Gruppe und in einem abgesteckten Rahmen zu eigenen Ausdrucksformen finden. Dies ist kein persönlicher Angriff auf alle Männer. Gemeint sind hier die sozialen Gruppen, welchen im gesellschaftlichen Gefüge immer noch unterschiedliche Vor- und Nachteile zukommen, woraus sich so genannte «strukturelle Benachteiligungen» ergeben. 


Ein praktisches Beispiel findet sich beim Jammen im Jazz. Einige Männer empfinden die Teilnahme von Frauen als störend und kommunizieren dies unterschwellig. In diesem männlich dominierten Raum können also nur ausserordentlich selbstbewusste Frauen einen Platz für sich besetzen. Andere schöpfen in einem Jam-Kurs für Frauen mehr Mut und Selbstwertgefühl, da sie dort ihr Know-How ohne schräge Blicke erweitern können. 


Feministinnen und Feministen sprechen bei diesen Schutzräumen von einer Form von empowerment, – ein Konzept, das die Selbstermächtigung von Diskriminierten umreisst. Das oben genannte Argument der Frauen, die in ihrem Frau-Sein nicht bevorzugt werden wollen, ist kein Grund dafür, Female-Only-Projekte nicht mehr stattfinden zu lassen. Diese Frauen müssen schliesslich nicht an derartigen Veranstaltungen teilnehmen. Denn entgegen etwa einer gesetzlichen Quotenregelung stellen diese Projekte nur fakultative Angebote dar. So sollten im Sinne des Diversitätsgedankens Female-Only-Veranstaltungen verstärkt organisiert und gefördert werden. Das FMD hat diese Form des empowerments als effektiv erkannt. Es ist eine Möglichkeit der künstlerischen Partizipation für die, die sich benachteiligt fühlen und die sich Schutzräume für ihre Kunst wünschen.

Ein sehr gut konzipiertes Female-Only-Projekt organisiert derzeit der Verein Helvetiarockt. Frauen zwischen 15 und 22 Jahren erarbeiten sich in Workshops während 8 Monaten ein Live-Repertoire und nehmen Songs auf.


> www.helvetiarockt.ch

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