«Klangszene plus» feiert Premiere

«Klangszene plus» feiert Premiere

Christine Fischer , 25.03.2015

Das Theater Basel zeigt 
aktuell zwei Produktionen mit schillernden barocken 
Heldinnenfiguren: 
Charpentiers «Médée» und 
Vivaldis «Juditha triumphans». Das FMD nimmt dies zum Anlass und startet mit «Médée und Juditha in Basel – HeldInnen damals und heute» seine neue Veranstaltungsreihe.


Archetypische Frauenfiguren dienten in ihrer mehrere tausend Jahre währenden Geschichte immer wieder als Vorbilder für gegenwärtige Geschlechterrollenbilder – bis in die jüngste Vergangenheit und Gegenwart hinein. Dabei wurde in den Neuinszenierungen in Bild, Ton und auf der Bühne die soziale Bedeutung der Heldinnen fortlaufend aktualisiert. Neue Facetten der vielschichten Charaktere kamen zum Tragen, die zwischen Vorbildfunktion und abschreckender Grenzüberschreitung changieren – wie beispielsweise im Falle der Mörderinnen Medea und Judith. 


Seit den späten 1970er Jahren liess sich beobachten, wie barocke Heldinnen und Helden gerade im deutschsprachigen Raum zunehmend anziehender für die Opernspielpläne und weite Publikumskreise wurden. Auch hinsichtlich der Geschlechterrollenbilder rückte diese Tendenz in den Fokus: Die im Vergleich zum Standardrepertoire des 19. Jahrhunderts flexibleren Geschlechtergrenzen der Stimmfächer mit hohe Heldenstimmen und zahlreichen stimmlich, dramaturgisch und szenisch übermächtig präsenten Heldinnen überschnitten sich mit dem breiter aufgefächerten Verständnis von Gender-Rollen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts.


Den Medea-Mythos 

aktualisieren


Die Produktionen von Marc-Antoine Charpentiers Médée und Antonio Vivaldis Juditha triumphans am Theater Basel nimmt das FMD zum Anlass mit seiner neuen Veranstaltungsreihe «Klangszene plus» die beiden Heldinnen für das Hier und Jetzt im Basel des Jahres 2015 aus verschiedenen Blickwinkeln zu aktualisieren: Médée und Juditha betören mit Magie, Stärke, Machtbewusstsein und Grausamkeit und natürlich besonderer klanglicher und szenischer Präsenz. «Klangszene plus» macht diese Eigenschaften in der Gegenwart präsent, setzt sie in Beziehung zu Geschlechterrollenbildern und verortet sie: Mit einer Einführung im Antikenmuseum, wo sich mit dem Medea Sarkophag (um 190 n. Chr.) eine der bedeutendsten antiken bildlichen Aktualisierungen des Medea-Mythos befindet. Und mit einer Veranstaltung im Vortragssaal des pharmaziehistorischen Instituts Basel, bei der - angeregt durch Medeas magische Kräfte - die wichtige Rolle von Frauen als Kennerinnen der Kräuterheilkunde und Hüterinnen übernatürlichen Wissens beleuchtet wird. Auch ein Blick auf das Drama Judith von Sixtus Birck, das 1534 in der Aula der damaligen Basler Lateinschule, dem heutigen Münstergymnasium, uraufgeführt wurde, verdeutlicht die Bedeutung dieser Heldinnenaktualisierungen in der Stadtgeschichte auf besondere Weise.


Das Judith-Thema in der 

Pop-Musik


Die vielfältigen Aktualisierungen der Heldinnen werden von Expertinnen im Rahmen von Vorträgen aufgefächert: Einerseits übernimmt das FMD Werkeinführungen zu Vorstellungen im Theater Basel und ermöglicht dem dortigen Publikum die Betrachtung der Produktionen aus Genderperspektive. Andererseits werden in Zusatzveranstaltungen weitere Aspekte der Heldinnen-Aktualisierungen vermittelt: Mit Einführungen u.a. zur hohen Stimmkultur barocker OpernheldInnen, zu Medea als Kindsmörderin in antiken Quellen, zum Zusammenhang von heldenhaften Frauen und magischen Künsten bis in die Gegenwart hinein sowie zu einer aktuellen Aneignung des Judith-Themas in der deutschen Pop-Musik vermitteln die Expertinnen ein vielschichtiges Bild dieser Frauenfiguren. Damit trägt das FMD – so das Ziel der neuen Reihe – nicht nur Geschlechterperspektiven in das Musikleben der grossen kulturellen Institutionen. Sondern verdeutlicht auch die massgebliche Wirkung des musikalischen Repertoires und des Kanons der aufgeführten Stücke auf die verschiedensten Geschlechterrollen und -konstellationen der Gegenwart. 


Das FMD dankt dem Theater Basel (Oper und Ballett), dem Antikenmuseum Basel und dem pharmaziehistorischen Museum Basel für die Unterstützung. Prof. Dr. Janina Klassen von der Musikhochschule Freiburg, die u.a. in einer Lehrveranstaltung zum Thema mit ihren Studierenden Texte für ein Programmheft zu «Klangszene plus» erarbeitet, sei an dieser Stelle ebenfalls herzlich gedankt.

Werkeinführungen, 
Nachtcafé Theater Basel


Médée am 1. und 13. April sowie am 5. (jeweils 18:45) und 17. Mai (17:45)


Juditha triumphans am 15. Mai und 19. Juni (jeweils 18:45)


Dr. Christine Fischer, Co-Präsidentin des FMD


Zusatzveranstaltungen


Samstag, 2. Mai 2015, 10:30, Hörsaal des pharmaziehistorischen Museums, Basel (Treffpunkt im Hof, Totengässlein 3) 


«Zwischen Idealisierung und Dämonisierung – die Hexe als Bühnenfigur», Dr. Corinne Holtz, Musikwissenschaftlerin und Ko-Kuratorin von «hexperimente - die bühne im avers»


Samstag, 9. Mai 2015, 10:00, 


Antikenmuseum Basel, St-Alban- Graben 5


«Das hohe Lied der Heldinnen. Barocke Stimmkonzepte», Prof. Dr. Janina Klassen, Musikhochschule Freiburg


Führung zum Medea Sarkophag


Dr. Tomas Lochmann, Kurator Antikenmuseum Basel


«Medeia bei Euripides: Warum eine Mutter ihre Kinder tötet», Prof. Dr. Carmen Morenilla, Universität Valencia, Institut für klassische Philologie


Sonntag, 21. Juni 2015 - Details folgen


Der Eintritt ist frei, Anmeldung erbeten unter:


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