Komponistinnen in der Monkey Bar

Komponistinnen in der Monkey Bar

27.11.2019

In der Mehrzahl der hoch-subventionierten Opern-häuser kann man nur selten eine Oper einer Komponistin sehen. Am Theater Basel werden in dieser Spielzeit neun Bühnenwerke vorge-stellt, die von Frauen komponiert wurden.

Daniel Lienhard — Es ist gewiss nicht leicht, einen Opernspielplan zu-sammenzustellen, der dem Publikumsgeschmack Rechnung trägt, künstlerisch ambitioniert und finanziell verantwortbar ist. Ausserdem muss man Werke finden, für die es entweder SängerInnen im Ensemble oder Gäste gibt, die sie optimal interpretieren können. Dennoch haben die meisten Theater den Ehrgeiz, von Zeit zu Zeit Wagners Ring oder die höchst aufwendigen Opern von Messiaen, Lachenmann oder Zimmermann aufzuführen. Nur ganz selten wird hingegen eine Oper einer Komponistin ausgewählt, und zwar egal, ob sie schwierig zu besetzen ist oder nicht.

«Peinliches Vorgefühl»

Ethel Smyth, eine der bedeutendsten Komponistinnen der Spätromantik, spielte Bruno Walter in Wien ihre Oper The Wreckers vor. In seinen Memoiren schreibt er, dass er der Zusammenkunft «mit peinlichem Vorgefühl» entgegengesehen, aber nach kurzer Zeit «völlig im Bann des Gehörten und ihrer Person» gestanden hätte. Wenn selbst eine so starke Oper, deren konzertante Aufführung im Rahmen der BBC Proms in der Londoner Royal Albert Hall das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss, kaum gespielt wird, ist es offensichtlich, dass Werke von Komponistinnen zu Unrecht vernachlässigt werden.

Verdienstvolle Initiative

Pavel B. Jiracek, dem Operndirektor des Theaters Basel, ist dieses Manko bewusst. Er ist nicht nur ein erfahrener Theatermann, sondern auch ein studierter Musikwissenschaftler. Die szenische Aufführung einer Oper einer Komponistin bleibt ihm durch den baldigen Intendantenwechsel zwar versagt. Aber immerhin hat er es sich zur Aufgabe gemacht, eine ganze Reihe von Opern vorzustellen und Ausschnitte daraus von Mitgliedern des hauseigenen Ensembles mit Klavierbegleitung aufführen zu lassen. Der zweite, gut besuchte Abend dieser Veranstaltungsreihe fand, wie auch die kommenden Opernsalons, in der Monkey Bar am Klosterberg statt, einem kleinen gemütlichen Raum mit Bar, wo eine sympathisch familiäre Stimmung herrscht.

Eine französische Seejungfrau

In der dreiaktigen Kammeroper La petite sirène von Germaine Tailleferre aus dem Jahr 1957 steht die kleine Seejungfrau, die tragische Heldin von Andersens Märchen, im Zentrum. Man würde die knapp 90-minütige Oper von Tailleferre auf ein Libretto des surrealistischen Dichters Philippe Soupault gerne einmal in einem Theater sehen. Die konzertante Uraufführung wurde 1960 am französischen Radio gesendet, inszeniert wurde das Werk bisher nur ein einziges Mal in der französischen Provinz. In Basel hörte man drei Arien und ein Duett, die einen neugierig machten. Sie wurden mit Verve vorgetragen von Sarah Brady (Sopran), Karl-Heinz Brandt (Tenor) und Antoin Herrera-Lopez Kessel (Bassbariton), ideal begleitet von Stephen Delaney am Klavier.

Widerstände und Erfolge

Vor den musikalischen Beispielen gab Jiracek eine lebendige Schilderung von Tailleferres Leben, das sich wie das Klischee einer Komponistinnenlaufbahn anhört: Als Mädchen ein auffallendes Talent auf dem Klavier, sollte sie nach dem Willen ihres Vaters nicht am Conservatoire studieren. Erik Satie, der sie gönnerhaft als «ma fille musicale» bezeichnete, lancierte sie als Komponistin. Bald darauf wurde sie einziges weibliches Mitglied der Gruppe «Les Six». Berühmte Dirigenten wie Stokowski, Koussevitzky und Mengelberg führten ihre Werke auf, zwei eifersüchtige Ehemänner widersetzten sich aber ihren beruflichen Ambitionen. Das offizielle Frankreich bedachte sie mit Orden, dennoch war sie am Ende ihres Lebens eine Musiklehrerin in finanziellen Nöten.

Die folgenden Opernsalons stellen bis zum Juni 2020 Opern von Élisabeth Jacquet de la Guerre (Céphale et Procris, 1694) bis Meredith Monk (Atlas, 1991) vor. Das Gesamtprogramm findet man auf der Homepage des Theaters Basel (www.theater-basel.ch/Spielplan/Komponistinnen/oxxr58k1/Pv4Ya/). Es lohnt sich, hinzugehen!

Germaine Tailleferre.

Foto: zvg