Immer  Barocktrompete!

Immer Barocktrompete!

01.11.2018

Ein Studienangebot der Kalaidos Musikhochschule mit dem renommierten Barockspezialisten Prof. Friedemann Immer.

Friedemann Immer unterrichtet an der Kalaidos Musikhochschule und an der Musikhochschule Köln Barocktrompete.

Xavier Pfarrer - Herr Immer, «Historisch informierte Aufführungspraxis» wird das Spiel auf «alten Instrumenten» häufig genannt. Spielen die Trompetisten/innen auf modernen Instrumenten «uninformiert»?

Natürlich spielen viele «moderne» Trompetisten/innen heute nicht «uninformiert», natürlich sollten alle «informiert« spielen. Aber die Instrumente und auch die Musik sind/ist anders! Die Barocktrompete ist nicht nur eine andere Trompete, sondern ein eigenständiges Instrument - wenn man das Instrument so spielt, wie es (vermutlich) früher gespielt worden ist. Ich merke das nach über 40 Jahren immer wieder. Ausserdem ist die Musik anders. Nehmen wir eine beliebige Sonate aus der Zeit um 1700. Es gibt im Autographen keine dynamischen Bezeichnungen, oft keine Satzbezeichnungen. Wir wissen also nicht, ob dieser Satz ein Allegro oder ein Adagio ist. Da braucht man Hintergrundwissen. Als «Alter« Musiker sollte man auf die Quellen zurückgreifen, Autographen lesen – und die Lehrbücher aus der Zeit kennen. Moderne Ausgaben machen Vorschläge zur Dynamik und zu Tempi, oft ohne diese zu kennzeichnen. Z.B. gibt es im Autograph vom berühmten Trompetenkonzert Es-Dur von J. Haydn fast keine dynamischen Bezeichnungen! Wenn man das Instrumentarium der Zeit kennt, kann man sich viel besser ein Bild machen, wie es geklungen haben könnte.

Die Interpretation und Aussagekraft der Werke aus dieser Zeit sind somit stark vom Instrumentarium abhängig, welches dementsprechend vielfältig ist. Für zeitgenössische Ohren kann es ab und zu auch etwas unsauber wirken …

Ja, aller Wahrscheinlichkeit nach hat man in der Barockzeit norma- lerweise ohne Grifflöcher gespielt, was eine besondere Technik erfor-dert. Allerdings ist es extrem schwierig, auf diesem Instrument so sauber zu spielen, dass es für heutige Hörer und die anderen Musiker genügt. Deshalb gehe ich den Kompromiss mit den Grifflöchern ein und spiele heute meistens eine Barocktrompete mit dem «3-Loch System» der Firma Egger in Basel, bei deren Entwicklung ich mitarbeiten durfte. Mit der Barocktrompete ohne Grifflöcher beschäf-tige ich mich daneben, um die alte Technik des Treibens zu studieren. Dazu kommt die Klappentrompete, das Instrument der Kon-zerte von J. Haydn und J. N. Hummel, aber auch der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Diese Instrumente unterrichte ich auch. 

An der Kalaidos Musikhochschule können Trompetisten/innen einen CAS Barocktrompete oder freie Weiterbildungslektionen bei Ihnen absolvieren. Warum ist es für eine/n moderne/n Trompetisten/in wichtig, einen Einblick in das Spiel der Barocktrompete zu erhalten?

Es erweitert zuerst einmal den Horizont! Man lernt die «Welt der Alten Trompete, der Alten Musik» kennen, das könnte Auswirkungen auf das Spiel der modernen Trompete haben. Auf jeden Fall profitiert man von der Beschäftigung mit der Barocktrompete: Da die Treffsicherheit auf der Barocktrompete deutlich problematischer ist, nimmt durch die Beschäftigung mit der «Alten» Trompete die Treffsicherheit auf der modernen Trompete zu. Zum anderen wird heute in vielen modernen Orchestern verlangt, die Klassik (Mozart, Haydn, Beethoven etc.) auf historischen Trompeten, Hörnern und Posaunen zu spielen. Ist man diesem Instrument im Studium schon einmal begegnet und hat die Anfänge und evtl. mehr gelernt, bringt dieses einen Vorteil im Beruf.

Das vollständige Interview finden Sie auf: