Exzellenz in der Ausbildung

Exzellenz in der Ausbildung

09.01.2017

Zu Beginn des neuen Jahres wird die Ausbildungsstufe des Masters in Specialized Music Performance (MA Specialized Music Performance) an zwei Musikhochschulen vorgestellt. Studierende teilen ihre Erfahrungen auf dem Weg zu dieser Ausbildungsstufe mit und berichten aus dem Alltag dieses Masters.

Matthias von Orelli — Ergänzend zu inhaltlich speziellen Masterstudiengängen mit individuellen Ausrichtungsmöglichkeiten kann man an den Musikhochschulen in der Schweiz auch ein Masterstudium in Specialized Music Performance absolvieren, was die Herausbildung einer künstlerischen Exzellenz im umfassenden Sinne zum Ziel hat. Dazu gehören primär die uneingeschränkten Fertigkeiten am Instrument, an der Stimme oder in der Darstellung, wozu sich ein individuelles künstlerisches Profil, die Entwicklung von eigenen Projekten auf höchstem Niveau, umfangreiche Repertoirekenntnisse, Reflektionsfähigkeit sowie eine stark ausgeprägte Auftrittspräsenz und -kompetenz gesellt. In erster Linie richtet sich dieser Master an überdurchschnittlich begabte Studierende, die durch eine individualisierte Ausbildung ein internationales Spitzenniveau erreichen wollen.

Beispiel I: Kalaidos Musikhochschule

Im Jahr 2010 als private Schule gegründet, stellt die Kalaidos Musikhochschule in der Schweiz sowie im benachbarten Ausland ein Angebot an Musikstudien in Klassik, Jazz und Populärmusik bereit. Der Ausbau des Studiengangs MA Specialized Music Performance (der 2015 konzipiert wurde) von einem Studierenden im Jahr 2016 auf voraussichtlich sieben Studierende im Jahr 2017 unterstreicht das Wachstum dieser Schule. Der Pianist Sven Bauer war zu Beginn der einzige Studierende bei Lev Natochenny, mittlerweile sind es drei Pianistinnen und Pianisten, die bei ihm studieren. Ab Februar wird eine chinesische Geigerin bei Xiaoming Wang (dem Konzertmeister am Opernhaus Zürich und Primarius des Stradivari-Quartetts) studieren. Dies zeigt, dass bei der Auswahl der an der Schule tätigen Dozierenden auf internationale Erfahrung geachtet wird.

An der Kalaidos gehören neben dem primären, künstlerischen Unterricht auch Module wie Selbstmarketing, Öffentlichkeitsarbeit, Konzertakquise, Agenturkontakte oder Career Service zum Studium. Ergänzend ist die Teilnahme an mindestens drei Wettbewerben oder Meisterkursen vorgesehen. Die Abschlussprüfung besteht aus drei Konzerten: einem nicht öffentlichen Konzert, dem öffentlichen Masterkonzert sowie einem öffentlichen Konzert als Solist mit Orchester.

Für Sven Bauer verlief der Weg an die Kalaidos Musikhochschule ganz natürlich. Zunächst studierte er bei Lev Natochenny in Frankfurt am Main und konnte die Studien bei «seinem» Professor fortsetzen, als er sich für die Kalaidos Musikhochschule entschied. Zudem entspricht das Ausbildungskonzept dieser Hochschule Sven Bauer, der eine Karriere als Solist anstrebt und aufgrund des flexiblen Systems die Chance hat, zusätzlich zu seiner bereits beachtlichen Konzerttätigkeit einen staatlich anerkannten Master-Abschluss zu erlangen. Der junge Geiger David Nebel hingegen befindet sich erst auf dem Weg zum MA Specialized Music Performance. Den Entscheid, einen Bachelor an der Kalaidos zu machen, erachtet er für sich als Ideallösung. Auch er benötigt viel Zeit und Flexibilität für Konzerte und CD-Aufnahmen, aber letztlich auch für das eigene Üben. Daher empfindet er das angebotene System auf ihn zugeschnitten, massgeblich war auch für ihn, dass sein Lehrer, Alexander Gilman, an der Schule unterrichtet. Eine Schule im Ausland kam nicht in Frage, da seine Familie in der Schweiz lebt und er sein Studium in erster Linie auf den idealen Dozenten ausrichten will. Nebel betont, dass das Studium an der Kalaidos zweifellos ein grosses Mass an Selbstdisziplin erfordere, im Gegenzug komme er aber in den Genuss einer Flexibilität, die man anderenorts vielleicht nicht hat. Und dank des Privatunterrichts kommt der Studierende auch rasch vorwärts in der Entwicklung - entsprechend zuversichtlich schaut Nebel auf die kommenden Monate und den angestrebten Übertritt in das Studium des MA Specialized Music Performance.

Beispiel II: Zürcher Hochschule der Künste ZHdK

Die Geigerin Anne Solveig Weber wurde mit 13 Jahren als Jungstudentin an die Münchner Hochschule für Musik aufgenommen und kam via Paris nach Zürich, wo sie nun bei Nora Chastain studiert. In Zürich angekommen stand sie mitten im Bachelorstudium und hat nach dem Abschluss einen ersten Master direkt angeschlossen. Nach einer Pause von einem Semester konnte sie mit dem MA Specialized Music Performance weiterstudieren. Das vielfältige und am Bedürfnis der Studierenden ausgelegte Angebot an der ZHdK sowie die individuelle Modulierbarkeit des Studienprofils waren für sie massgebend bei der Wahl des Studienorts – dabei schätzt sie, dass es die Hochschule ermöglicht, studienbegleitende Aktivitä-ten wie die Orchesterakademien im Royal Concertgebouw Orchestra oder im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks besuchen zu können. Den MA Specialized Music Performance erachtet sie auch deshalb als ideal, weil sie damit mit einem Fuss bereits im Berufsleben stehen kann, andererseits durch das Studium weiterhin Impulse von gross- artigen Lehrern erhält, um sich so weiter entwickeln und das Spiel perfektionieren zu können. In drei Semestern wird Anne Solveig Weber voraussichtlich den MA Specialized Music Performance abschliessen und dann die Ausformung der beruflichen Laufbahn in Angriff nehmen – sei es mit einer Position in einem grossen Orchester, der aktiven kammermusikalischen Tätigkeit oder auch mit der Unterrichtstätigkeit.

Individualität

Die individuelle Gestaltung kommt auch der Mezzosopranistin Madeleine Merz zugute, die denselben Studiengang in Zürich absolviert. Sie besuchte während zwei Semestern Schauspielunterricht als Nebenfach und hat sich auch in Orchesterleitung weitergebildet. Die Körperarbeit , welche an der ZHdK einen grossen Stellenwert einnimmt, hat sie als wichtigen Aspekt für ihre Ausbildung entdeckt. Ihr Ziel ist es, als Solistin auf nationalen und internationalen Bühnen aufzutreten und sich dabei ständig weiterzuentwickeln. Dank dem angebotenen Austausch zwischen den einzelnen Vertiefungen innerhalb des Specialized Performance-Masters sieht sie sich gerüstet, sich als vielseitige Künstlerin im Musikbusiness behaupten zu können. Überhaupt bilden diese Vertiefungen und Schwerpunkte in Zürich einen zentralen Faktor für die Entwicklung einer universellen und selbstverantwortlichen Künstlerpersönlichkeit, die sich letzten Endes kompetent im Kulturbetrieb bewegen kann. Die ZHdK kann zudem mit einer Vielfalt anderer Fachgebiete aufwarten (Theater, Tanz, Film, Kunst, Medien und Design), die ein besonders kreatives Umfeld bieten und dank Kooperationen mit anderen Musikhochschulen zusätzlich bereichert wird. Bei der Vertiefung Oper etwa kooperiert die ZHdK mit der Hochschule der Künste Bern (HKB). Dem Wandel im Opernbetrieb geschuldet wird die sängerische Ausbildung von der ZHdK übernommen, die szenische Ausbildung hingegen vom Schweizer Opernstudio der HKB. Dort bekam Madeleine Merz dann auch ihre erste grosse Rolle.

Für den Wechsel der Hochschule waren andere Faktoren ausschlaggebend. Einerseits ihre Dozentin, Yvonne Naef, die nur in Zürich unterrichtet (eine Bewerbung ohne konkreten Lehrerwunsch kam für sie nicht in Frage), andererseits aber auch der Wunsch nach Veränderung, nachdem sie das Bachelorstudium an der HKB, ein Studium Chorleitung und Kirchenmusik an der Kirchenmusikschule Bern sowie den MA Music Performance mit Vertiefung Oper ebenfalls an der HKB absolviert hatte. So besteht für Madeleine Merz das Hauptmerkmal des MA Specialized Music Performance in Zürich in der Individualität, mit der sie ihren Studiengang gestalten kann, und dem Fokus auf der Entwicklung zu einer umfassenden, eigenständigen Künstlerpersönlichkeit.