Synapse HKB

Synapse HKB

12.06.2018

Was haben eine App zur Erkundung von Kunst im öffentlichen Raum, ein dörfliches Treibhaus für Ausstellungen, ein Tischlein-deck-dich-Event oder ein Partiturservice gemein?

Graziella Contratto — Abgesehen von der Originalität der künstlerischen Idee verbindet sie alle das empathische Anliegen der Hochschule der Künste Bern, zwischen «Kunst» und «Gesellschaft» eine Brücke zu schlagen. Die Vielfalt der vermittlerischen, interkulturellen Konzepte, Projekte und Aktionen an der HKB ist nun auf einer eigens entwickelten Website zu erleben. Ein wichtiges Detail: Viele der Projekte haben Studierende der Hochschule konzipiert und gestaltet. Als zukünftige Kunstschaffende haben sie damit die an der HKB besonders geförderte Haltung verinnerlicht, den disziplinären persönlichen Lernraum immer wieder zu verlassen, um auf die gesellschaftlichen Bedingungen unserer Zeit «synaptisch» zu reagieren. Begleitet und unterstützt werden sie dabei von renommierten Vermittlerinnen und Vermittlern aus allen Kunstrichtungen.

Als Kunsthochschule fördert die HKB nämlich hierbei auch den Austausch zwischen den eigenen Fachbereichen wie Literatur, Musik, Gestaltung und Kunst, Theater, Oper, Forschung und Konservierung oder der Weiterbildung: Das weite Feld der Vermittlung eröffnet allen Beteiligten eine neue, da transdisziplinäre Sicht auf das eigene Tun, das «Werk» und auf sich selbst. Die Website will aber noch mehr: Nebst Informationen in Text, Bild, Film und Ton zu den einzelnen Projekten bietet sie interessierten Personen, Institutionen oder Gremien aus Politik, Kultur und Wirtschaft die Gelegenheit, mit der Hochschule in Kontakt zu treten, um spezifische Projekte wiederaufzunehmen, in einer neuen Umgebung weiterzuentwickeln und damit noch mehr in die «Welt da draussen» einzuführen. Kunst an der HKB genügt sich nicht selbst. Die Studierenden und Dozierenden wollen andere erreichen, Fragen stellen und sich selbst dabei immer auch in Frage gestellt sehen.

 

> www.synapse-hkb.ch

 

Gespräch mit zwei jungen VermittlerInnen aus der HKB

 

Arion Rudari, Sie sind ein klassisch ausgebildeter Bariton mit einem HKB-Masterabschluss. Was hat Sie dazu inspiriert, im spezialisierten Zweitmaster Musikvermittlung zu wählen?

Zuerst, fernab von der Musikvermittlung, merkte ich, dass ich noch nicht «ready» bin/war auf einem vokalen Level und mir da noch Zeit nehmen wollte, ein besserer Sänger zu werden. Zeitgleich merkte ich auch, dass ich neue Formen von Aufführungen entdecken wollte: eigene Konzepte kreieren und ausprobieren, mehr Kontakt zu meinem Publikum suchen und die klassische Musik auch mal wieder Unterhaltung werden zu lassen.

Was erwartet Sie Ihrer Meinung nach im Studium? Wie werden Sie sich selbst als performender Sänger entwickeln?

Nach einem Jahr kann ich sagen, dass ich vokal tatsächlich die erwünschten Fortschritte machen konnte und auch noch dran bin. Dazu erwünschte ich mir eine Erweiterung meines Repertoires in allen Sparten: Oper, Lied, Oratorium, Standard, Nische, Zeitgenössisch… alles hat(te) seinen Platz. In meinem Master in Specialized Music Performance «Vermittlung» lassen sich meine beiden Schwerpunkte, der Gesang und die Entwicklung von professionellen vermittlerischen Kompetenzen, komplementär miteinander verbinden. Innerhalb eines Jahres durfte ich an einer zeitgenössischen Oper teilnehmen, im Zentrum Paul Klee eine selbst konzipierte Vermittlungs-Musik-Performance aufführen und sogar Teile von Mahlers Wunderhornzyklus aufführen so wie aufnehmen – eine für mich ideale und überraschend gut funktionierende Vielfalt.

In welcher Richtung sehen Sie für sich persönlich besonders relevante Aufgaben einer Vermittlung?

Als Opernfan vor allem in der Oper, dass wenige Leute zu viel zu sagen haben am Schlussprodukt einer Opernproduktion. Dementsprechend versuche ich mich gerade an Projekten, welche a) die Inszenierung zurück in die Hände aller Beteiligten gibt, b) dabei auch Laien und Amateure auf die Bühne bringen und somit ein Zusammenspiel von Profis und Amateuren verlangen und c) wieder mehr in die Richtung Unterhaltung bringen. Unterhaltung, Intellekt und Kunst schliessen sich meiner Meinung nach nämlich nicht aus.

Wo möchten oder könnten Sie wohl in 10 Jahren arbeiten?

Die Frage, welche man ein Jahr vor dem Studienende am liebsten beantwortet. Ich träume davon, was ich bereits tue, nur will ich bis da- hin ein noch professionelleres Niveau erreichen: einerseits ein erfolgreicher Konzert- und Liedsänger sein und andererseits mit Laien und Profis zusammen Opern singen und inszenieren, quasi eine eigene Form von Opernstudio gründen. Zum Beispiel zusammen mit Friseuren Mozarts Figaro gestalten oder mal mit Süch-tigen einen Don Giovanni auf die Beine stellen. Quasi «Oper für wirk-lich Alle».

Salome Böni, Sie sind Flötistin und eine der ersten Alumnae des Master Specialized Performance «Musikvermittlung» Studiengangs an der HKB. Wie gestalten sich Ihre musikalischen Tätigkeiten im Moment?

Nach dem Studienende im letzten Sommer hatte ich das Glück, kopfüber in die Arbeitswelt eintauchen zu können. Ich unterrichte mit viel Herzblut eine Flötenklasse an der Musikschule Oberemmental und arbeite seit März 2018 bei Konzert Theater Bern in der Musikvermittlung. Daneben liegt mir die Weiterentwicklung unseres musikalischen Generationenprojektes «Silberwellen» wie auch meine persönliche Entwicklung als Flötistin am Herzen.

Sie hatten als eines Ihrer Studien-projekte mit grossem Erfolg das mit dem Silberbär ausgezeichnete SeniorInnenprojekt «Silberwellen» realisiert. Konnten Sie basierend aus diesem Vermittlungs- und Business-Modell weitere Projekte entwickeln?

Mein Kopf ist voller Ideen: Nach der Wiederaufnahme der «Silberwellen» im Berner Oberland folgen nun weitere Aufführungen dieses mobilen interkulturellen Seniorenprojekts an anderen Orten. Das erfolgreiche Konzept, ältere Menschen zusammen mit Klassikstudierenden in einem künstlerischen Vermittlungsprojekt auftreten zu lassen, hat alle Teilnehmenden sehr berührt, mich eingeschlossen. Des Weiteren fasziniert mich das Thema «Tod». Durch die persönliche Begegnung mit einem sterbenden Menschen, der mich gebeten hat, für ihn zu spielen, habe ich gemerkt, wie tröstend es sein kann, jemandem mit Musik zu geben, was mit Worten nicht mehr möglich ist. Die Idee «Sterbebe- gleitung mit Musik» möchte ich bald angehen.

Wie nehmen Sie als professionelle Vermittlerin heute die gesellschaft-liche Relevanz von Musik wahr? Was ist Ihre persönliche Position?

Heute ist Musik dank der technischen Möglichkeiten jederzeit und überall verfügbar – die Auswahl an Musikstilen und verschiedenen Interpretationen ist riesig. Der Gang in den Konzertsaal oder das Radioprogramm zuhause sind keine Voraussetzung mehr fürs Musikhören. Als Musikvermittlerin und Flötistin interessiert mich die Frage, wie man zusätzlich zum Live-Erlebnis im Konzert etwas bieten kann, das sich klar vom Angebot im Internet abhebt. Besonders wichtig scheint mir das Experimentieren mit dem Rahmen, in dem Musik präsentiert wird: Die Musik sollte noch öfters aus dem Konzertsaal ausbrechen und an ungewohnten Orten stattfinden. Damit fällt für viele Menschen eine grosse Hemmschwelle weg und die Begegnung mit der Musik wird spontaner, persönlicher und natürlicher.

 

Links

> www.synapse-hkb.ch/silberwellen/

> www.fluchtgespräche.ch

> www.felicitaserb.ch

> www.alejandra-martin.ch/vermittlerin

> www.karenbrubaker.com