Muusig muess 
übere choo!


Muusig muess 
übere choo!


Hans-Ulrich Munzinger , 23.03.2016

Einen ersten Preis erhält … Spannung ist angesagt, denn ein erster Preis an einem Entrada-Wettbewerb des SJMW bedeutet, am Finale teilzunehmen. Der Entscheid liegt bei der Jury. Drei Kurzporträts von Jurymitgliedern.


Mehr als 60 Jurys mit je drei Mitgliedern sind in den Entrada-Wettbewerben 2016 engagiert, MusikerInnen aus der Schweiz mit grosser Erfahrung. Sie sind für die Vergabe der Preise verantwortlich, geben aber auch jedem Teilnehmer ein fachliches Feedback. Mit drei von ihnen, Xavier Pfarrer, Thomas Füri und Maurice Steger, haben wir gesprochen.


Erfahrung und Austausch


Der ständige Austausch mit Kollegen, sich immer wieder zu hinterfragen sowie Erfahrung sind wichtig in der Juryarbeit, meint Xavier Pfarrer. Der junge Pianist führt zwei Berufsleben: Lehrer an der Musikakademie Basel (Anfänger bis Berufsschulanwärter) und Studiengangsleiter an der Kalaidos Musikhochschule. Seit 5 Jahren ist er beim SJMW dabei. Ein Juror, sagt er, muss Worte finden, die den Teilnehmern verständlich machen, was ihm sein Fachwissen und seine Wahrnehmung sagen. Es sind Begegnungen. Xavier Pfarrer freut sich, den Zugang der Teilnehmenden zum Instrument zu erleben und ihre Interpretationen zu hören. Beeindruckend, ja oft mitreissend sei das. Es sei natürlich eine Momentaufnahme, ohne die Kenntnis des Backgrounds. Aber generelle Kritik am Wettbewerb mag er nicht gelten lassen. Wer freiwillig teilnehme, könne Grossartiges profitieren. 


Musik machen – mit Haut und Haar


Das Studium hat er in Bern und St. Petersburg absolviert. Die Offenheit, das grenzenlose Engagement haben ihn an der russischen Ausbildung fasziniert. „Lebenswichtig“ sei der Kontakt zu Musik in Russland – spürbar – , und auch das Publikum beteilige sich intensiv. Ich frage nach, und Xavier Pfarrer erläutert: Persönliches und Fachliches waren in einer besonderen Weise getrennt: intensivster Unterricht, in oft sehr direktiver Weise, auf der einen Seite, aber auch gemeinsames Essen, Musikhören und Diskutieren bis in alle Nacht. Die eigene Reflexion werde durch die profilierte, klare Meinung gefördert und man werde resistenter gegen Kritik. 


Musig muess überecho!


Er ist gegen «angelerntes szenisches Gebaren»: Thomas Füri. Er verlangt Echtheit, Natürlichkeit. Spielen heisse, dem Publikum ein Geschenk machen. Was man aussagen wolle, sei entscheidend. Im Blick auf seine umfassende Tätigkeit als Solist, Konzertmeister und Ausbilder meint er, es käme überall auf das Gleiche hinaus: auf Ausstrahlung und Überzeugungskraft. Er mache keinen Unterschied zwischen Amateuren und Professionellen. Technik brauchen beide, um umzusetzen, was sie sich musikalisch vorstellen. Kann man „Musikalität“ lernen? Man kann wecken, meint Thomas Füri, man kann sie fördern. Mit musikalischer Arbeit liessen sich auf Umwegen technische Verbesserungen erreichen. Füri, offen und pointiert, ist nie um eine Anekdote oder einen träfen Ausspruch verlegen. Von Max Rostal weiss er: „Jeder hat den Klang, den er verdient“. Und dann sei es auch eine Sache der Persönlichkeit: Sich nicht verleugnen, dem eigenen Charakter und der künstlerischen Wesensart treu bleiben, sei die Devise von Nathan Milstein gewesen.


Ich war gegen Wettbewerbe!


Lange sei er gegen Wettbewerbe gewesen und habe auch selber nie teilgenommen. Beim SJMW, wo er seit 4 Jahren in der Jury mitarbeitet, überzeugt ihn, dass es ein Zusammentreffen der Talente ist und dass das Feedback einen hohen Stellenwert hat. Auch darin ist er ein Meister: Aus einer immensen Zahl von Prüfungen und Vorspielen kann er schöpfen, die Teilnehmenden erfassen und ihnen Treffendes zum Spiel vermitteln, lebendig und nie doktrinär. Auch zum Unterrichten hat er Erfrischendes und Fundiertes zu sagen. Er sei gegen Muster, meint er lakonisch: „Meine besten Lehrer haben sich nie daran gehalten!“


Musik – die Kunst der Improvisation


Spürbar bleibt der Eindruck, dass die grossen Könner in der Lage sind, Musik immer wieder frisch zu erleben und zu gestalten. Interpretationen, sagt Thomas Füri, seien bei ihm nie auf Jahre hinaus fixiert gewesen. Mit seiner Erfahrung ist er ein Gewinn für Kollegen und Teilnehmende. Dies trifft auch auf Maurice Steger zu, Musiker mit weltweiter Tätigkeit. Unglaublich, aber wahr: Auch er hat nie am SJMW teilgenommen. Als Berater und Juror ist er aber seit Jahren dabei. Mit dem anerkannten, erfolgreichen Musiker spricht es sich leicht über viele Themen, sogar über den Misserfolg im Berufsleben! Auffallend, wie sensibel er mit dem Thema umgeht. 


Nicht bester, aber geeignet sein


Aus einem Gespräch mit einer Kultur-Koryphäe hat er die These mitgenommen: „Nicht Bester sein, ist wichtig, sondern geeignet.“ Die Arbeit an der Eignung sei das eigentliche Ausbildungsziel. An einem Wettbewerb teilnehmen bedeute vor allem, sich auf intensives Vorbereiten einzulassen, auf Austausch und Begegnung, und Übung zu erlangen, die Leistung gut zu präsentieren. Das Wort „Wettbewerb“ gefällt ihm nicht besonders, „Jugend musiziert“ findet er den treffenderen Titel. 


In unseren Breitengraden werde aber menschlich mit der Leistung und dem Erwartungsdruck umgegangen, ist er überzeugt. Und nicht zuletzt im Jurygespräch könne er den Teilnehmern auf gute Weise Differenziertes mitgeben. Maurice Steger, darauf freuen wir uns ganz besonders, wird dieses Jahr das Preisträgerkonzert in Winterthur moderieren, auf seine spontane und sympathische Art!

Finale des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs 2016


Musikinsel Rheinau 5.-7. Mai


Preisträgerkonzert: Sonntag 8. Mai (9.30 Uhr), Stadthaussaal Winterthur


Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb

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