Klick – Print – 
Study – Perform

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Study – Perform

IB/BZ, 03.04.2013

E-codices, E-manuscripts und Imslp – das heisst: weniger Bus fahren, keine Treppen ­hinaufsteigen, nie mehr in hohen Regalen nach verstaubten Büchern greifen. Willkommen im digitalen Zeitalter – eine neue Ära, in welcher sich Wissenschaftler und Musiker per Mausklick durch das World Wide Web wälzen.


Gescannte Noten in der Petrucci Music Library, digitalisierte Handschriften auf E-Codices und Musikzeitschriften bei Google Books – dies sind nur drei Goldgruben für Musikinteressierte des 21. Jahrhunderts. Das Online-Zeitalter vereinfacht vieles: Durch die Kenntnis der einschlägigen Digitalisierungsprojekte sind zahlreiche Treffer nur wenige Mausklicks entfernt. Dokumente, Partituren und Stimmensätze sind bequem aus den Tiefen des Internets auf den eigenen Rechner übertragbar. Die Ersparnis an Zeit ist enorm, wenn man bedenkt, dass es keine zwanzig Jahre her ist, als Student und Wissenschaftler noch schubladenweise Zettelkataloge der Bibliotheken durchforsteten und dabei mühsame Stunden für wenig Ertrag investierten.


Dem heutigen Benutzer erscheint die Online-Datenbank als ein häufig kostenloses, selbstverständliches System zur elektronischen Datenverwaltung. Für den Betreiber hingegen bedeutet sie eine Menge Arbeit und horrende Unterhaltskosten; zusätzlich erfordert die Kompatibilität von Dateiformaten und Betriebssystemen stets Anpassungen an den neuesten technologischen Stand, was rekurrente Folgekosten nach sich zieht. Gerade Vorhaben wie das International Music Score Library Project (Imslp), eine gemeinnützige Plattform, auf welcher registrierte User den anderen Nutzern kostenlos ihre gescannten Noten zur Verfügung stellen, verlangen Unmengen an Speicherkapazität. Mindestens so viel Platz brauchten einst die Bücherregale, deren Inhalte durch Digitalisate ersetzt wurden: Was bleibt? Eine virtuelle Datei auf einem Server.


Print and Study


Das gedruckte Buch verliert durch die Digitalisierung den Objektwert, der in den prachtvoll vergoldeten Handschriften des Mittelalters einen Höhepunkt erreicht hatte. Die wirtschaftlich orientierte Gesellschaft bemerkte schnell, dass Effizienz und Schnelligkeit im Vertrieb von Informationen wichtige Kriterien des Marktes waren, welche nur die Erfindung des Buchdrucks erfüllen konnte. Diese Vorzüge wirkten sich bald auf die Musikindustrie aus: Der Verleger Ottaviano dei Petrucci, der Namenspatron von Imslp und heute oftmals irrtümlicherweise als Erfinder des Musikdrucks bekannt, optimierte die Anzahl Druckvorgänge von drei auf zwei Durchzüge. Während Petrucci im 15. Jahrhundert von der venezianischen Obrigkeit ein Privileg zum Drucken von Musik erhielt, regulieren Urheberrechte heute das Digitalisieren von Musik. In den meisten Ländern ist ein Werk 70 Jahre nach dem Tod seines Autors urheberrechtsfrei, kann also legal von Imslp heruntergeladen, ausgedruckt und aufgeführt werden. In Kanada, wo sich der Server des Petrucci-Projekts befindet, beträgt die Schutzfrist lediglich 50 Jahre. Dies bedeutet, dass der Fundus auch Werke bereitstellt, deren Frist hier noch nicht abgelaufen ist.


Frei zugängliches Notenmaterial oder hochwertige Digitalisate mittelalterlicher Codices und Manuskripte sind heutzutage wichtige Quellen, Medien und Werbeträger für die Wissenschaft. Das Wissen um die Existenz von Dokumenten kann mit Hilfe solcher Digitalisierungsprojekte visualisiert und das Interesse an musikalischen Quellen gefördert werden, zudem gewinnen auch weniger bedeutende Schriften und Drucke an Beachtung. 


Perform


Nicht zuletzt kommt die Fundgrube im Netz dem Musizieren von Laienensembles zugute. Nach wenigen Mausklicks gelangt man zu Notenmaterial – seien es musikalische Seltenheiten, Transkriptionen oder Arrangements bekannter Werke –, die kostenlos ausgedruckt, gespielt und auf Konzerten sogar gegen Entgelt dargeboten werden dürfen. Und falls der Wunsch nach historisch-kritischen Editionen, gebundenen Büchern oder exotischen Quellen besteht, bleiben immer noch Fachmärkte und Bibliotheken. So umfassend das Netz auch sein mag, alles wird kaum Platz finden. Die hohen Kosten von Digitalisierung und Hosting zwingen zur Selektion. Es liegt an den Benutzern die Prioritäten zu beeinflussen und festzulegen.

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

ZENTRALPRÄSIDIUM / PRÉSIDENCE CENTRALE
Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
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cristina urchueguia (at) musik unibe ch

SEKTIONEN / SÉCTIONS
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Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
Ortsgruppe Basel, 4000 Basel
Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
Obfalken 60, 6030 Ebikon
St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
Zürich: Prof. Dr. Dominik Sackmann 
Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

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