Wer kennt 
Morton Gould?

Wer kennt 
Morton Gould?

Benedict Zemp, 04.12.2013

Zum Hundertsten Geburtstag des Amerikanischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Morton Gould. Ein in Europa kaum bekannter, aber seiner Zeit sehr vielseitiger und erfolgreicher Film- Fernseh- Theater- und Orchestermusiker, der heute im Schatten erfolgreicher Zeitgenossen wie Gershwin, Bernstein und Duke Ellington steht.


Als Sohn jüdischer Einwanderer wurde Morton Gould am 10. Dezember 1913 in Richmond Hill, New York, geboren. Sein Oeuvre umfasst eine grosse Bandbreite an musikalischen Genres, von klassischen Symphonien bis zu Kompositionen fürs Broadway, von Big Band Arrangements, Musik für Fernsehserien über Radio-jingles bis zu Ballettstücken und von sehr patriotisch intendierten Auftragskompositionen bis zu Experimenten mit Zwölftonreihen.


Musik fürs Radio


Seine Karriere als Pianist startete Gould – bereits vor abgeschlossener Musikerausbildung – in Vaudeville-Theatern, später im Kino sowie in Tanzstudios. Die Arbeit bei der Radio City Music Hall und für den Rundfunksender WOR bot ihm einerseits die Möglichkeit, als Pianist aufzutreten, andererseits aber auch seine Arrangements populärer Musik für Orchester zu verbreiten und verschaffte ihm nationale Beliebtheit auf der anderen Seite des Atlantiks. Der Eintritt der Amerikaner in den zweiten Weltkrieg beschäftigte ihn nicht nur privat – seine Brüder waren in der Armee –, sondern auch beruflich. Durch die Arbeit beim Radio war er unmittelbar konfrontiert mit einer Programmumgestaltung anlässlich des amerikanischen Kriegseintritts, mit Kommentaren zum Kriegsverlauf und mit Auftragskompositionen wie American Salute, eine Verarbeitung des Bürgerkriegsliedes When Johnny comes marching home. 


Klassik und Jazz


Morton Gould verstand es hervorragend, Elemente populärer Musikrichtungen wie Jazz, Blues, Gospel, Country und Folk mit Gattungen der Orchestermusik zu verbinden, beispielsweise in der 1933 uraufgeführten Komposition Chorale and Fugue in Jazz, ein Gesamtkunstwerk aus Orchestermusik und Big Band Sound, welches die sehr wohl umstrittene Trennung von ernster Musik und Unterhaltungsmusik vergessen lässt.


Nach verschiedenen Begegnungen mit Jazz-Musikern wie Duke Ellington oder Benny Goodman, widmete Morton Gould ihnen neue Kompositionen, letzterem beispielsweise das Solowerk Derivations for Clarinet and Band. Seine Experimentierfreudigkeit brachte ausserdem Kompositionen für ungewöhnliche Besetzungen hervor, wie Venice für zwei Orchester und Brass Chor oder Inventions für vier Pianos und Orchester. Auch das Konzert für Stepptänzer und Orchester stellte eine Neuheit dar. Goulds anhaltender Erfolg war jedoch zumindest Musikexperten der Zeit wie dem Musikwissenschaftler Gerhard Herz suspekt. 


«He is not a serious composer»


Morton Gould war nicht nur als Pianist, Produzent und Dirigent tätig, sondern auch als Arrangeur. Begeistert von der musikalischen Qualität der Marching Bands an Schulen und Universitäten, arrangierte er seine eigenen Werke vermehrt für reine Bläserbesetzungen. Weiter bearbeitete er Werke erfolgreicher amerikanischer Film- und Musicalkomponisten für Orchester. Der Journalist Peter W. Goodman, Autor einer 2000 erschienenen Biographie, erachtete seine Popularität in Radio und Fernsehen als ein Hindernis für die Anerkennung Goulds als Komponisten ambitionierter symphonischer Musik. Das Diktum des Songwriters Robert Sherman «He was someone who wrote fort he public taste» klingt schon fast abschätzig. Selber wollte Gould jedoch keineswegs nur als Arrangeur populärer Musik wahrgenommen werden, sondern als Musikschaffender ernsthafter, musikalischer Materie. «I walked away from the whole pop idea.» Der Welt hatte er nämlich schon in jungen Jahren, insbesondere mit seinen atonalen Werken, versucht zu beweisen, dass er kein blosser Unterhaltungsmusiker war – ja er liebte es, wenn die grossen Dirigenten wie Reiner, Stokowski, Mitropoulos und Toscanini seine anspruchsvollen Werke dirigierten. 


Die Werke des 1996 verstorbenen Dirigenten werden heute eher selten aufgeführt, aber sie sind doch nicht ganz vergessen. Vor wenigen Tagen hat nämlich das Berner Kammerorchester Goulds Tap Dance Concerto, ein Werk für einen Stepptänzer mit begleitendem Orchester, gespielt.

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