Das Willisau 
Jazz-Archiv an der Hochschule Luzern

Das Willisau 
Jazz-Archiv an der Hochschule Luzern

Olivier Senn , 05.03.2014

2011 hat Niklaus Troxler der Hochschule Luzern sein 
Privatarchiv zum Jazz in 
Willisau geschenkt. Seither werden diese Quellen in 
Luzern und Lugano
 archiviert, erschlossen und allen Interessierten 
zugänglich gemacht.


1966 begann Niklaus Troxler in Willisau Jazzkonzerte zu organisieren. Anfangs lud er vor allem Dixieland-Bands, Barrelhouse-Pianisten und Blues-Musiker ein; bald folgten Modern-Jazz- und Free-Jazz-Formationen. Das wachsende Interesse des Publikums motivierte Troxler, den Konzertkalender immer dichter zu bespielen und auch grosse Namen für seine Konzerte zu engagieren: Ornette Coleman, Keith Jarrett, Chick Corea und viele mehr traten bereits während den frühen 1970er-Jahren in Willisau auf.


Im Spätsommer 1975 organisierte Troxler ein dreitägiges Festival, bei dem er eine Vielzahl der avanciertesten Musiker der Zeit auf die Bühne stellte – Cecil Taylor, John Tchicai, Archie Shepp, Albert Mangelsdorff und Chris McGregor’s Brotherhood of Breath. Unter diese internationalen Stars mischte Troxler die oberste Liga der Schweizer Jazz-Szene, etwa Irène Schweizer oder die Luzerner Band OM.


Das Jazz Festival Willisau hat seit 1975 jedes Jahr stattgefunden; es wurde zu einem Fixpunkt für die Liebhaber der Jazz-Avantgarde in der Schweiz und in ganz Europa – ein «Mekka des Free Jazz», wie Bruno Rub sich einmal ausdrückte. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Troxler hatte immer auch ein Interesse für die musikalische Tradition, und er ermöglichte dem Publikum Begegnungen mit Klassikern des Modern Jazz, wie Dexter Gordon, Horace Silver, Betty Carter und McCoy Tyner. Das Festival-Format sorgte für spontane musikalische Interaktionen: ein während dem Festival 1979 in jeder Hinsicht improvisiertes Duo-Konzert mit dem legendären Bebop-Schlagzeuger Max Roach (der in den 1940er-Jahren bei den wichtigsten Einspielungen von Charlie Parker dabei gewesen war) und dem Saxofon-Alchemisten Anthony Braxton wurde beispielsweise zu einem der ganz grossen Momente in der Geschichte des Jazz in Willisau.


Das Willisau Jazz-Archiv…


2009 organisierte Niklaus Troxler sein letztes Festival; Neffe Arno Troxler trat in seine Fussstapfen und zeichnet seither für das Jazz Festival Willisau verantwortlich. Niklaus beschloss, sein privates Jazzarchiv an eine öffentliche Institution zu verschenken. Dank der Vermittlung von Jazzjournalist Tom Gsteiger fiel seine Wahl auf die Hochschule Luzern. Die Festival-Programmbroschüren, die umfangreiche Sammlung an Pressereaktionen, Dokumentarfilme und veröffentlichte Tonträger werden seit 2011 in der Musikbibliothek archiviert. Troxlers rund 180 Konzert- und Festivalplakate (er ist nicht nur Jazzfan, sondern auch ein weltweit berühmter Plakatgestalter) lagern als Dauerleihgabe in der Sondersammlung der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern. Rund 700 Stunden Musik, live aufgenommen in Willisau, kamen als Dauerleihgabe in die Nationalphonothek in Lugano, wo die Originalquellen (Magnettonbänder, DAT-Kassetten und Musikkassetten) digitalisiert und sicher aufbewahrt werden. Die Erschliessung der Tonaufnahmen wurde vom Verein Memoriav finanziell unterstützt; die Nationalphonothek und die Musikbibliothek der Hochschule Luzern teilten sich die Aufgaben der Katalogisierung und Digitalisierung. Die Aufnahmen können nun an den rund 50 Abhörstationen der Nationalphonothek in der ganzen Schweiz angehört werden.


…online und in Buchform


Um die Recherche zum Jazz in Willisau für alle Interessierten zu erleichtern, präsentiert die Hochschule Luzern die Quellen (so weit dies rechtlich und technisch möglich ist) auf der Internetseite www.willisaujazzarchive.ch. Forschende, Journalisten und sonstige Interessierte haben auf dieser Seite Zugang zu Konzertdaten, Besetzungen, Fotos, Plakaten, kurzen Audio-Ausschnitten und Pressereaktionen. Die visuellen Quellen kamen 2013, zusammen mit Erinnerungen von Niklaus Troxler, unter dem Titel Willisau and All That Jazz als Buch heraus.


VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

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cristina urchueguia (at) musik unibe ch

SEKTIONEN / SÉCTIONS
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Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
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Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
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St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
Zürich: Prof. Dr. Dominik Sackmann 
Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

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