Schweizer Musikforschung aktuell


Schweizer Musikforschung aktuell


Benedict Zemp , 05.11.2014

Kurzum ist der 32. Band des Schweizer Jahrbuch für 
Musikwissenschaft 
erschienen. Das vielfältige Themenspektrum der 
spannenden Artikel reicht vom Orgelbau bis hin zu editionswissenschaftlicher Forschung und zeitgenössischer Musik.


Die aktuelle 32. Ausgabe vereint sieben wissenschaftliche Beiträge der Schweizer Musikforschung. Die Artikel stammen einerseits aus der Feder der an Schweizer Instituten lehrenden Wissenschaftler, aber auch von deren im Ausland tätigen Kollegen. Dabei liegen sowohl französisch- und italienischsprachige wie auch deutschsprachige Artikel vor. Passend zum aktuellen Forschungsvorhaben unserer Gesellschaft wird von Christoph Riedo ein kleines
Stück Schweizer Musikgeschichte betrachtet.


Musik zwischen
konfessionellen Grenzen 


Das «Geistlich Meyenlied» verbreitete sich ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Bern aus in der ganzen Eidgenossenschaft, sowohl in katholischen wie auch in protestantischen Gebieten. Als Liedflugschrift erreichte dieser Lobgesang Städte wie Strasbourg, Augsburg und Konstanz und erhielt schliesslich auch Verwendung in der Kirchenmusik. Der Einzug des Maienliedes in die Kunstmusik vollzog sich mit der Komposition des Organisten Johann Benn Missa ober das Geistliche Meyenlied im Jahre 1644. Die weiträumige Bekanntheit des Liedes war nach Christoph Riedo ein Element, das durchaus zur Steigerung der Popularität dieser Messe, die als Druck in einem ganzen Zyklus in Luzern erschienen war, beigetragen hat.


Italien: Gesänge und Orgelbau


Joachim Steinheuer untersucht die stilistischen und rhetorischen Grundsätze des geistlich-spirituellen Repertoires des 17. Jahrhunderts. Hierbei setzt er sich mit italienischer Vokalmusik, die auf Dialogen in direkter Rede beruht, auseinander. 


Mit den kulturellen Codes und den anthropologischen Hintergründen der Rezipienten, denen Opernarien des 
17. und 18. Jahrhunderts dargeboten werden, beschäftigt sich Andrea ­Garavaglia in seinem Beitrag. Dazu vergleicht der Autor die Beziehung zwischen Musik und Emotionen in italienischen und französischen Opern­arien.


Im Römischen Zentralarchiv des Jesuitenordens in Perugia liegen wichtige Dokumente der «Chiesa del Gesù», einem heute nicht mehr bestehenden Jesuitenkollegium. Florian Bassani zeigt anhand orgelgeschichtlicher Handschriften, welchen Einfluss der renommierte flämische Orgelbauer Willem Hermans in Perugia, nebst einheimischen Spezialisten, auf die Gestalt der dortigen Orgeln hatte. Diese holländische Persönlichkeit steht zudem für die Intensität des technologischen Austauschs in Europa des Ancien Régime.


Intermedialität und
Editionsphilologie


Georges Starobinski widmet sich dem Zyklus Kinderscenen (Scènces d’en-fants) von Robert Schumann. Er analysiert die mit Bildern und Gedichten illustrierte Edition der dreizehn Klavierstücke von Adolf Titze (1886). Dessen Versuch, den Stücken Schumanns intermedialen Inhalt zu geben, kann man als Beispiel «schlechten Geschmacks» bezeichnen. Trotzdem lässt diese Edition uns die Ästhetik Schumanns besser verstehen.


In einem weiteren Beitrag erläutert Cristina Urchueguía die Beziehung zwischen den beiden Begriffen Urlinie und Urtext aus der Musikedition: Die Urlinie als analytisches Paradigma gewann durch den Musikanalytiker Heinrich Schenker nach dem zweiten Weltkrieg in Amerika an wissenschaftlicher Bedeutung. Mit der Urlinie lässt sich nach Schenker durch die Reduktion des ganzen Satzes auf die Grundstrukturen ein musikalischer Zusammenhang beschreiben, der für die Editionspraxis sehr wichtig ist.


Schliesslich untersucht Fabrizio Della Seta die historische Kontinuität mit der Gattungstradition in den Streichquartetten des deutschen Komponisten Helmut Lachenmann.


Ein grosser Dank gilt den Mitarbeitenden der Redaktion unter der Leitung von Luca Zoppelli sowie dem Forschungspool der Universität Freiburg und der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften für die finanzielle Unterstützung, ohne welche die Realisierung dieser Publikation nicht möglich gewesen wäre.

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

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Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern
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cristina urchueguia (at) musik unibe ch

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Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
Ortsgruppe Basel, 4000 Basel
Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
Obfalken 60, 6030 Ebikon
St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
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Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

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